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Politilk:Neue Tramlinien sollen den Verkehr entlasten

Die Grünen wünschen sich eine verkehrsberuhigte Barer Straße, in der nur noch Anlieger mit dem Auto fahren dürfen. Dort könnten dann mehrere Tramlinien ohne Stau zügig vorankommen. Simulation: Andreas Gregor (Die Grünen - rosa Liste)

  • In Straßenbahnen passen deutlich mehr Passagiere als in Busse und für die Stadt München kosten sie weniger als U-Bahnen. Daher könnten bald neue Tramverbindungen entstehen.
  • Die Grünen wollen das derzeit etwa 82 Kilometer lange Straßenbahnnetz um etwa 50 Kilometer ausbauen, plus zusätzliche zehn Kilometer außerhalb der Stadtgrenzen.
  • Die neuen Tramlinien sollen die überladenen U-Bahnverbindungen entlasten. Außerdem könnten drei Innenstadtquerungen entstehen.

Von Andreas Schubert

Die Tram ist bei den Münchnern beliebt. Und sie hat allerlei Vorteile: In eine Tram passen deutlich mehr Passagiere als in einen Bus. Neue Tramgleise sind auch deutlich billiger und schneller zu realisieren als neue U-Bahn-Strecken. Um etwas gegen den Verkehrskollaps in der Stadt zu unternehmen, setzen die Grünen deshalb auf den Ausbau des Tramnetzes und dichtere Takte. Fraktionschefin und Oberbürgermeister-Kandidatin Katrin Habenschaden fordert dabei rasches Handeln statt "Totprüfungsschleifen" in den Planungsstuben der Stadtverwaltung.

Geht es nach den Grünen, soll das derzeit rund 82 Kilometer lange Straßenbahnnetz um weitere 50 Kilometer wachsen, plus weitere zehn Kilometer außerhalb der Stadtgrenzen. Dazu hat die Partei vier konkrete Vorschläge. Idee Nummer eins ist eine direkte Tramverbindung zwischen dem Hauptbahnhof und der Münchner Freiheit. Dazu müsste eine rund eineinhalb Kilometer lange Strecke zwischen Elisabethplatz und Leopoldstraße und weiter zur Münchner Freiheit neu gebaut werden. Diese Strecke ist bereits in den Planungen zur (noch nicht beschlossenen) Tram-Nordtangente enthalten. Sie solle nun aber mit "höchster Priorität" verfolgt werden.

Die umsteigefreie Verbindung würde nach Schätzungen der Grünen etwa 20 bis 30 Millionen Euro kosten. Um sie zu beschleunigen, schlagen sie vor, die Barer Straße weitgehend für den Autoverkehr zu sperren. Ab Münchner Freiheit könnte sie dann weiter Richtung Norden fahren. Dies soll relativ zeitnah die chronisch überfüllten U-Bahnlinien U 3 und U 6 in der Innenstadt entlasten. Denn die als Entlastung vorgesehene U 9 wird wohl nicht vor 2037 in Betrieb gehen.

Auch Verbindungen, auf denen frühere Tramlinien zum Teil durch die U-Bahn ersetzt wurden, könnten aus Sicht der Grünen wiederbelebt werden. Sie schlagen drei Innenstadtquerungen vor. Eine soll im Westen zwischen Wettersteinplatz und Fröttmaning verlaufen - über Balde- und Goetheplatz, Paul-Heyse-Unterführung, Nordbad und das Forschungs- und Innovationszentrum von BMW. Eine weitere Innenstadtquerung könnte die Parkstadt Solln mit Fröttmaning verbinden - über Aidenbachstraße, Harras, Parkstadt Schwabing und Bayernkaserne. Im Osten schließlich regen die Grünen eine Verbindung zwischen Brüdermühlstraße und Münchner Freiheit an - über den künftigen Regionalzughalt Poccistraße, Stachus und Ludwigstraße. Später könnte die Linie bis Feldmoching verlängert werden. "Ein mutiges Anliegen" sei dies, sagt der Grünen-Verkehrsexperte Paul Bickelbacher.

Weiter regen die Grünen neue Strecken zwischen Aidenbachstraße und Ostbahnhof an, zwischen St. Emmeram und Moosach (heutiger Verlauf der Expressbusses X50), eine Tram entlang der Rosenheimer Straße zwischen Ostbahnhof und Neuperlach sowie die schon länger diskutierte "Schlössertram" durch die Verdistraße mit einer möglichen Anbindung des Neubaugebiets Freiham. Wegen der zunehmenden Zahl von Umland-Pendlern schweben der Partei zudem Verlängerungen der Tram nach Unterföhring, Haar und Ottobrunn vor, hier müsse man mit den Gemeinden Gespräche aufnehmen.

Was bereits Ende 2021 kommen solle, sei tagsüber ein Fünf-Minuten-Takt auf allen Tramlinien. "Das ist eine ganz alte Forderung von uns", sagt Katrin Habenschaden. Die Takte müssten so gestaltet sein, dass niemand mehr überlegen müsse, wann denn die nächste Tram kommt. So steige die Akzeptanz, sagt Habenschaden.

Noch schneller als neue Tram-Strecken wären neue Buslinien zu realisieren. Dazu bräuchte es lediglich Busspuren, denen aber - wie bei der Tram - auch Parkplätze zum Opfer fielen. Letzteres ist der Grund, warum es nicht bereits mehr Busspuren gibt. Jede einzelne wird im Stadtrat teilweise recht leidenschaftlich diskutiert. Vor allem CSU und Bayernpartei wehren sich immer wieder gegen die Streichung von Parkplätzen, ohne gleichzeitig Ersatz zu schaffen. Im Oktober wird das Thema Busspuren voraussichtlich erneut im Stadtrat behandelt. Paul Bickelbacher hätte kein Problem damit, dem Auto noch mehr Platz wegzunehmen. "Es gibt kein Grundrecht auf Parkplätze", sagt er.

© SZ vom 07.09.2019/zara
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