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Musikbusiness:Die Karriere der anderen

Familienfoto mit Hunden: Bullterrier Rosi mit Robin Karow auf dem Sofa, Kilian Reischl mit Kappe auf dem Stuhl, sowie Christoph Werner und Marie Kobylka mit Podenco Bambi.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Musiker Robin Karow und Kilian Reischl hatten noch nie einen Vertrag bei einem bekannten Label. Trotzdem managen sie jetzt zwei Künstler, die ihre Songs bei großen Plattenfirmen veröffentlichen. Geht das?

Das Lied wandert langsam vom Kopf in die Hüfte. Antje Schomaker, Sängerin aus Hamburg, 27, sitzt im Studio von Robin Karow und hört zum ersten Mal, was die Musiker von Cosby aus ihrem bislang unveröffentlichten Lied "Immer noch da" gemacht haben. Es ist heiß an diesem Tag, im Studio in Unterföhring ist die Klimaanlage ausgefallen. Antje Schomaker sitzt mit kurzer Jeans, Adiletten und schulterfreiem Shirt am Mischpult, die Haare hat sie zum Zopf gebunden. Sie stützt den Kopf auf ihren Händen ab. Schließt die Augen. Der Song beginnt. Bis der erste Refrain einsetzt, sitzt sie starr da, dann wippt sie ganz leicht mit dem Kopf. Zweite Strophe, der Oberkörper setzt ein, erst die Schulter, dann die Taille, dritte Strophe, sie rutscht leicht auf dem Stuhl, tanzt schon fast, immer im Rhythmus, die Ellbogen auf den Tisch. Dann applaudiert sie. "Ich mag das Lied", sagt sie. Kurze Pause. Dann dreht sie sich um zu Kilian Reischl, 38, und Robin Karow, 44. "Cool", sagt sie, "geilo".

Antje Schomaker ist kein Newcomer im Musikgeschäft, überhaupt nicht. Sie ist bei Sony Music unter Vertrag, also bei einer der größten Plattenfirmen in Deutschland. Ihre erste Platte "Von Helden und Halunken" landete in den Charts. Sie nahm mit Revolverheld den Song "Liebe auf Distanz" auf, das Video dazu wurde bei Youtube mehr als 7,5 Millionen Mal gespielt. Und an diesem Donnerstag sitzt sie in dem Studio in Unterföhring und lässt sich Tipps geben von Musikern, deren Band Cosby bei keiner großen Plattenfirma unter Vertrag steht.

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Lässt sich von ihnen managen, obwohl die Münchner Musiker selbst vorher keine direkte Erfahrung mit dem großen Musikbusiness hatten. Die in ihrer Karriere alles selbst aufgebaut haben - von Social Media bis zum Videoschnitt. Deren Musikclips zwar auf Youtube mehr als Hunderttausend Zuschauer haben - aber eben auch nicht mehr. Die sich alles selbst erarbeitet haben, ihre Songs selbst produziert, ihre Shows am Anfang selbst gebucht, ihre Gagen selbst verhandelt, ihre Platten selbst verkauft haben. Do It Yourself statt dickes Musikbusiness. Trotzdem legt Antje Schomaker ihre Karriere in die Hände von Cosby.

Das ist der Blickwinkel der Künstlerin. Aber auch die andere Seite ist spannend. Wie kommt eine Band dazu, die selbst kein Management in Anspruch nimmt, andere Künstler zu betreuen? Was können sie überhaupt jungen Künstlern geben? Robin Karow lacht bei diesen Fragen. Es ist kein überhebliches Lachen. Eher unbeschwert. "Wir haben mit unserer Band Cosby bewiesen, dass wir es können", sagt er dann. Die Antwort ist nicht auf die Musik bezogen, sondern darauf, wie sie ihre Band im schwierigen Musikmarkt behauptet haben.

Wie sie es geschafft haben, aus der Masse der jungen Bands in ganz Deutschland herauszustechen. Bloß geht es jetzt um mehr als die eigene Karriere, jetzt geht es um die Zukunft anderer Künstler. Man trage, sagt Karow, in so einer Position eine hohe Verantwortung für die Künstler, man treffe wichtige Entscheidungen. Aber genau an diesem Punkt "hilft uns unsere Band-Erfahrung", sagt Karow. Als Musiker habe er ja selbst viel erlebt und wisse daher konkret, was der Künstler in den entscheidenden Momenten brauche, was ihm weiterhelfe.

Um den Werdegang zu verstehen, hilft ein Blick auf die Lebensgeschichten der beiden Musiker. Kilian Reischl schmiss nach der Mittleren Reife die Schule. Er spielte schon als Gymnasiast in der Band von Gil Ofarim, damals ein Bravo-Star. Er begleitete unzählige Combos als Gitarrist, arbeitete als Studiomusiker, spielte in einer Soap von "Bravo TV" einen jungen Mann, der nur den ganzen Tag abhängt und Mucke macht. Bis 2003 lebte er ausschließlich für die Musik, spielte eine Deutschland-Tour mit Kim Frank, dem Sänger der Deutsch-Pop-Band Echt, und merkte, dass er im Tonstudio auch auf der anderen Seite arbeiten will - von der Gitarre zum Mischpult. Als dann im ehemaligen Paradies-Studio in Unterföhring - hier hängen noch heute Goldene Schallplatten von Pur, David Hasselhoff oder Donna Summer - ein Aufnahmeraum frei wurde, zog er dort ein. Hier lernte er dann Robin Karow kennen. Auch er ein Musiker.

Karow studierte Jura, gründete eine Personalvermittlungsagentur, entschied sich dann aber trotzdem für die Musik. Seine damalige Deutsch-Pop-Band Schon okay, Baby erhielt einen Künstlervertrag, ein Jahr lang versuchten die Musiker alles, spielten Bandwettbewerbe und Playback-Shows etwa im ZDF-Fernsehgarten - "hat am Ende aber nicht gereicht", sagt Karow heute. Dann baute er eine Filmfirma auf - ohne Ausbildung in diesem Bereich. Mit einer ausgeliehenen Kamera filmte er Musikvideos, erst für die Münchner Band Redweik, später für Alban Skenderaj, einen der bekanntesten Sänger Albaniens.

Im Studio.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bei Youtube gab es dafür schnell mehr als eine Million Klicks - so etwas spricht sich herum, ein Automobilhersteller wollte ein Werbevideo, "ich habe sofort zugesagt", sagt Karow. Er flog mit einem Mini-Team nach Sevilla, Helikopter waren für die Aufnahmen im Einsatz, und Karow hatte nur geringe Filmerfahrung. "Ich war maßlos überfordert", sagt er heute. Trotzdem: Es war der Durchbruch. Es folgten weitere Imagefilme, Bandvideos - und mit den Referenzen wurden die Aufträge größer.