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Müll:Die Frau ist wieder da, das Sofa kommt weg

Das Sofa

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Seine Frau hatte das Sofa vor sechs Monaten gekauft. Allerdings nicht für sie beide gemeinsam, sondern für sich alleine. Und nun bringt es Udo Klingl, 61, also doch noch in einem kleinen Laster zum Wertstoffhof. Für ihn ist dieses Sofa ein Symbol. "Für die Revidierung unserer Trennung", sagt er. Seit fast vierzig Jahren ist er mit seiner Frau verheiratet, gemeinsam hatten sie überlegt, sich wieder einmal ein neues Sofa zu kaufen, auch schon eines ausgesucht. Dann aber zog die Frau aus - und Klingl ließ sein altes Sofa stattdessen neu beziehen. Seine Frau wiederum kaufte sich eine günstigere Version des Designersofas, das sie zusammen kaufen wollten. Das graue Eckteil, das er nun aus dem Laster lädt. Die Leidtragende, sagt Klingl, sei am Ende seine Schwiegermutter gewesen, die das graue Sofa bezahlen musste. Jetzt kommt das Sofa weg, die Ehefrau ist wieder da. Ob sie sich noch gemeinsam das Modell kaufen werden, das sie sich ursprünglich ausgesucht hatten? Udo Klingl überlegt, dann antwortet er: Wenn, dann vielleicht in zehn Jahren.

Die Gitarren

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Mann zieht zwei kleine Plastikgitarren aus seinem Kofferraum, die hätten ihn manchmal an seine nervlichen Grenzen gebracht, sagt Andreas Schober, 36. Sonntagmorgen, sieben Uhr und die beiden Kinder mimten im Schlafzimmer der Eltern Rockstars. Er selbst hat auch einmal Gitarre gespielt, zu Lagerfeuerzeiten, Songs von den Rolling Stones. Lange her. Seine Familie und er ziehen jetzt um in eine größere Wohnung mit fünf Zimmern, näher zu den Eltern. Auch wenn sie dort mehr Platz haben werden, sei es an der Zeit, sich von vielen Dingen zu trennen. Von einem alten Sofa zum Beispiel, von einem alten Sandkasten. Seit Wochen kommt Schober her und karrt altes Zeug weg. Was sich in vier Leben so ansammelt, ohne dass man es merkt. Den Gitarren werden die Rockstars ohnehin nicht nachtrauern, sagt Schober. Die Tochter und der Sohn sind älter geworden, sieben und acht Jahre alt sind sie mittlerweile - im Gegensatz zu den Rolling Stones haben sie beschlossen ihre Karriere in höherem Alter nicht weiter zu verfolgen. Der Vater kann damit gut leben.

Der Ast

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Abends sitzt er oft auf seinem Bankerl im Garten. Neben dem Haselnussbaum. Er hat den Baum nicht gepflanzt, sondern irgendwann ist der rübergewachsen, vom Nachbarn. Walter Brandl, 55, ist in dem Garten aufgewachsen. Seine Urgroßmutter hatte das Grundstück gekauft, seine Eltern haben manchmal zwischen den Bäumen gearbeitet bis es dunkel war. Eine große Fichte steht dort neben Lärchen und Apfelbäumen, fast 25 Meter hoch. Der große Bruder hatte die den Eltern im Jahr 1977 zur silbernen Hochzeit geschenkt. Brandl hat noch zwei weitere Geschwister; niemand von ihnen aber lebt in Untermenzing, und so übernahm er das Grundstück der Eltern. Vor sechzehn Jahren riss er das alte Haus ab und baute neu. Der rübergewachsene Haselnussbaum nahm jetzt zu viel Licht weg, deshalb stutzte ihn Brandl zurecht. Von kaum etwas anderem bringen die Menschen in München so viel auf die Wertstoffhöfe wie von den Gartenabfällen. 13 173 Tonnen waren es zuletzt in einem Jahr. Nur Altholz sammeln die Wertstoffhöfe noch mehr, 22 974 Tonnen im Jahr.

Die Auflagen

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Eleonore Schmidbauer schiebt gerade die Sitzkissen zum Container, gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter. Sie wohnen unter einem Dach. Als Schmidbauer vor vielen Jahren ihren Mann heiratete, zog sie in sein Elternhaus in Obermenzing mit ein - mit großem Garten und einem mittlerweile beträchtlichen Bestand an Gartenmöbeln. Vierzehn Auflagen bringt Schmidbauer gerade weg, zwölf Stühle haben sie draußen stehen. Für die vielen Feiern. Erst gestern sei wieder eine Freundin da gewesen, sagt Schmidbauer, man besuche sich spontan, zum Essen, zum Plaudern, manchmal bis spät am Abend. Auf den bunten Kissen allerdings könne jetzt niemand mehr sitzen, denn in die hatten sich Mäuse eingenistet, den Stoff angefressen. Die Auflagen kommen nun in einen der Container für Textilien - 961 Tonnen sammelten die Münchner Wertstoffhöfe zuletzt in einem Jahr ein. Sollten die Mäuse wieder kommen, hofft Eleonore Schmidbauer auf die Katze der Nachbarn.