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Moosacher Stachus:Es darf nur einen geben

Brunnen und Tram sind auch am Moosacher Stachus zu finden, Verwechslungsgefahr mit dem Karlsplatz sehen die Lokalpolitiker trotzdem nicht.

(Foto: Robert Haas)

Die Bezeichnung "Stachus" bleibt dem Karlsplatz vorbehalten, zum Ärger der Moosacher.

Von Anita Naujokat, Moosach

Für viele Einheimische ist er einfach der "Moosacher Stachus", der Platz mit dem Brunnen, an dem sich Dachauer Straße, Pelkoven- und Baubergerstraße kreuzen. Doch was sich im Sprachgebrauch durchgesetzt hat, wird auf absehbare Zeit nicht amtlich werden. Das Kommunalreferat hat erneut einen Antrag des Bezirksausschusses (BA) abgelehnt, den lebendigen Knotenpunkt danach zu benennen - mit alten Argumenten, an denen sich maßgeblich nichts geändert habe.

Bereits 2009 hatte das damalige Gremium im Zuge der U-Bahn-Verlängerung und der damit verbundenen Stärkung des dortigen Quartierzentrums gefordert, dass der Bereich seinen inoffiziellen Namen auch offiziell auf dem Stadtplan erhält. Der Kommunalausschuss des Stadtrats hatte das Ansinnen in seiner Sitzung am 17. Juni 2010 abschlägig beschieden, was noch einen andauernden Schriftwechsel nach sich zog. Auf diesen Beschluss vor elf Jahren bezieht sich die städtische Behörde in ihrer aktuellen Antwort.

Die Stadträte waren damals den Argumenten der Verwaltung gefolgt, die "historische Einzigartigkeit des Namens ,Stachus' zu bewahren" und nicht be- liebig auf andere Verkehrsflächen innerhalb der Stadt zu übertragen. Der Name für den Karlsplatz leite sich vom Jäger und "Bierzäpfler" Eustachius Föderl für sein Haus an der Ecke Sonnen-/Bayerstraße her. Die dort befindliche Gastwirtschaft habe nachweisbar von 1726 bis 1734 den Namen "Stachus", mal als Garten, mal als Wirt, im Namen getragen, der sich dann auf den davor liegenden Platz übertragen habe. Auch die unter Moosachern gängige Aussage, an der zentralen Kreuzung in Moosachs Mitte "geht's zu wie am Stachus" sei kein hinreichendes Argument. Dies treffe auf viele Stellen in der Stadt zu.

Der Bezirksausschuss hatte dem entgegengehalten, keine persönliche Ehrung des Schenkenbetreibers Eustachius Föderl erkennen zu können. Der Name Stachus könne nämlich durchaus auch von der 1406 gegründeten "Münchner Armbrust- und Stachelschützenbruderschaft" (heute Königlich privilegierte Hauptschützengesellschaft München von 1406), stammen, die bis 1847 vor dem Neuhauser Tor (seit 1791 Karlstor) eine Zielstatt betrieben habe. Auf die Bedeutung der "Stachelschützen" für München wiesen nicht zuletzt Bezeichnungen wie die Schützen- oder die Zielstattstraße hin. Somit sei die Namensgebung wohl älter als ein Schankbetreiber, der nur ein paar Jahre gewirkt habe.

Für die Moosacher ist es also eher ein Zufall, dass der Wirt in deren Nähe Eustachius hieß. Zumal der Namenspatron der Schützen früher der heilige Eustachius gewesen sei, im Volksmund "Stacherl" genannt. 2010 wie heute sehen die Stadtviertelpolitiker auch keine Verwechslungsgefahr mit dem Karlsplatz (Stachus). Schließlich gebe es auch einen Marienplatz in Pasing und wie in Moosach einen St.-Martins-Platz in Giesing.

Kommunalreferentin Kristina Frank argumentiert gegen die Moosacher Pläne aber auch damit, dass die Stadt Verkehrsflächen benenne, um die Orientierung und das Auffinden von Anwesen zu gewährleisten. Doch für den vorgeschlagenen Bereich seien keine solchen Probleme bekannt. Ebenso wenig zieht die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit, die dortige Straßenbahnhaltestelle "Pelkovenstraße" umzuwidmen. "Mit dem Namen ,Moosacher Stachus' sind wir gar nicht glücklich - wir halten das für nicht besonders gelungen und werden unsere Haltestellen in dem Bereich nicht umbenennen", lautete bereis vor elf Jahren die Stellungnahme der MVG. An den Voraussetzungen, die 2010 zur Entscheidung des Stadtrats geführten hätten, habe sich maßgeblich nichts geändert.

© SZ vom 05.05.2021
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