Entscheidung:Siegfried Mauser muss Gefängnisstrafe bis Februar antreten

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Entscheidung: Siegfried Mauser wurde letztinstanzlich zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Siegfried Mauser wurde letztinstanzlich zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

(Foto: Sina Schuldt/dpa)

Das Landesgericht Salzburg hält den ehemaligen Leiter der Münchner Musikhochschule für haftfähig. Zwei Jahre lang hatte der 67-Jährige versucht, das mithilfe von medizinischen Gutachten zu verhindern.

Von Susi Wimmer

Das Landesgericht Salzburg hat entschieden: Der ehemalige Leiter der Münchner Musikhochschule, Siegfried Mauser, ist haftfähig. Aufgrund der nun vorliegenden medizinischen Gutachten lägen "keine gesundheitlichen Gründe" vor, die gegen die Verbüßung einer Freiheitsstrafe sprächen, teilte der Salzburger Richter Andreas Wiesauer mit. Demzufolge muss Mauser seine Haft bis zum 1. Februar dieses Jahres antreten.

Der 67-Jährige war unter anderem wegen sexueller Nötigung zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hatte in seinem Büro an der Münchner Musikhochschule eine Sängerin, die sich um eine Anstellung bewarb, mehrmals massiv körperlich berührt. Insgesamt vier Frauen hatten den Musikprofessor in den vergangenen Jahren wegen sexueller Verfehlungen angezeigt, die Prozesse datieren aus den Jahren 2015 und 2017. Rechtsanwältin Antje Brandes, die die geschädigten Frauen vertrat, sagte, für ihre Mandantinnen sei es wichtig, dass das Urteil gegen Mauser nun vollzogen werde, "in seelischer Hinsicht, aber auch, um den Glauben an der Rechtsstaat aufrecht zu erhalten".

Eine Frau bezichtigte ihn der Vergewaltigung, zu einer Verurteilung kam es nicht

Ob die Entscheidung des Landesgerichts Salzburg tatsächlich der letzte Schlussakkord in der Causa Mauser sein wird, bleibt abzuwarten. Über mehrere Anwälte hatte Mauser stets alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft, sich durch alle Instanzen geklagt. Im ersten Prozess sah es das Gericht in letzter Instanz als erwiesen an, dass Mauser in seinem Büro eine Professorin sexuell genötigt hatte, was mit einer Strafe von neun Monaten auf Bewährung geahndet wurde. 2017 folgte ein weiterer Prozess gegen Mauser. Diesmal wurden ihm massive sexuelle Berührungen bei einer Sängerin vorgeworfen. Zudem bezichtigte ihn eine Frau, die sich bei ihm im Büro ebenfalls um eine Anstellung beworben hatte, der Vergewaltigung.

In letzterem Fall war das Landgericht München in seinem Urteil der Meinung, dass der Geschlechtsverkehr wie beschrieben stattgefunden habe, jedoch habe sich die Frau nach altem Sexualstrafrecht nicht ausreichend zur Wehr gesetzt. Im Oktober 2019 urteilte der Bundesgerichtshof in letzter Instanz, dass Mauser wegen sexueller Nötigung der Sängerin in drei Fällen für zwei Jahre und neun Monate hinter Gitter muss.

Anfang 2020 hätte Siegfried Mauser seine Haft in der Justizvollzugsanstalt Landsberg antreten sollen. Stattdessen wechselte der 67-Jährige, der auch die österreichische Staatsangehörigkeit besitzt, an seinen Salzburger Wohnsitz. Dort erhielt er im Juni 2020 von den Behörden die Aufforderung zum Haftantritt in der österreichischen Haftanstalt Puch-Urstein. Über weitere Anwälte legte Mauser stattdessen Stellungnahmen seiner Ärzte vor, die eine Haftunfähigkeit bescheinigen sollten. In den Stellungnahmen soll es um körperliche sowie seelische Beschwerden gegangen sein. Zuvor waren auf sozialen Medien noch Fotos von Mauser zu sehen, die ihn beim Weintrinken an einem Salzburger Aussichtspunkt zeigten.

Für die geschädigten Frauen sei es wichtig, dass Mauser die Strafe auch verbüße, sagt deren Anwältin

Das Landesgericht Salzburg beauftragte daraufhin gerichtliche Gutachter, die diese Atteste überprüften und Mauser untersuchten. Auch aufgrund der Corona-Pandemie zogen sich die Stellungnahmen hin, doch nun liegen alle Gutachten vor. Sie kommen zu dem Schluss, dass "keine gesundheitlichen Gründe vorliegen, die gegen eine Haft sprechen". Mauser ist jetzt aufgefordert, bis zum 1. Februar seine Haftstrafe in Österreich anzutreten.

Rechtsanwältin Antje Brandes hatte insgesamt fünf Frauen vertreten, die Mauser wegen sexueller Übergriffe angezeigt hatten. Ein Verfahren wurde wegen Verjährung eingestellt, in zwei Fällen kam es schlussendlich zu Verurteilungen. "Die Geschädigten konnten es bislang nicht nachvollziehen, dass es dem Verurteilten so lange Zeit gelingen konnte, sich vor dem Antritt der Haftstrafe zu drücken", sagte Brandes. Doch auch finanzielle Mittel oder vermeintliche Beziehungen hätten Mauser nun nicht mehr vor dem Gefängnis retten können.

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