Callcenter-Betrug:Türkische Mafia nimmt betagte Münchner aus

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Callcenter-Betrug: Mit immer neuen Lügengeschichten versuchen die kriminellen Anrufer, Senioren um ihr Geld zu bringen.

Mit immer neuen Lügengeschichten versuchen die kriminellen Anrufer, Senioren um ihr Geld zu bringen.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Die Polizei hat in diesem Jahr schon 60 Tatverdächtige festgenommen, die als "falsche Polizisten" Geld von Senioren abzockten. Die meisten von ihnen arbeiteten für dieselbe kriminelle Organisation.

Von Martin Bernstein

Die Münchner Polizei ist einer Mafia-Organisation auf der Spur, die von der Türkei aus Münchner Seniorinnen und Senioren um deren Ersparnisse zu bringen versucht. Die Masche mit den falschen Polizisten ist nicht neu, doch eine Bande hat sie aktuell offenbar perfektioniert. Immer neue Lügengeschichten tischen die Anrufer auf, die von Callcentern in mehreren türkischen Städten aus operieren.

"Die lernen schnell dazu", sagt Hans-Peter Chloupek, der die "AG Phänomene" der Münchner Kriminalpolizei leitet. Doch das gilt auch für Chloupeks Ermittlerinnen und Ermittler. Allein im laufenden Jahr konnten sie bereits 60 Tatverdächtige festnehmen, die an den Telefonbetrügereien beteiligt waren. Im Vorjahr gelang das nur in 15 Fällen. Das Erstaunliche: Die meisten Festgenommenen - Geldabholer, Logistiker, Boten, aber auch lokale Finanzverantwortliche der Mafia - arbeiteten offenbar für dieselben Bosse. Die Festnahme eines 21 Jahre alten Abholers brachte entscheidende Hinweise auf die Struktur der Bande im Großraum München.

Am Nikolaustag erhielt eine betagte Untersendlingerin einen Telefonanruf von einem weiteren Täter, der sich ihr gegenüber als Bankmitarbeiter vorstellte. Die Frau sollte sich bei einer angeblichen Polizei-Telefonnummer melden. Dort gaben sich dann zwei Täter als Polizist und Staatsanwalt aus und wiesen die Frau an, mehrere zehntausend Euro zu überweisen. Außerdem sollte sie weiteres Geld abheben und in einer Tüte vor ihrer Haustüre deponieren. Wenig später nahm ein angeblich erst 13 Jahre alter Münchner die dort abgelegte Tüte an sich. Einsatzkräfte der Münchner Polizei nahmen ihn fest. Noch am selben Tag wurde ein 19 Jahre alter mutmaßlicher Logistiker der Bande in seiner Wohnung in Riem geschnappt.

Am Tag darauf meldete sich ein Anrufer bei einem Rentner aus Neuperlach. Der angebliche Polizist behauptete, dass in der Nähe ein Einbrecher gefasst worden sei. Bei ihm sei ein Notizzettel mit den Personalien und der Adresse des Rentners gefunden worden. Der Anrufer bot dem Rentner an, Wertgegenstände zur Vermögenssicherung abholen zu lassen. Der Münchner roch Lunte, spielte zum Schein aber mit - eine Zivilcourage, die Chloupek nicht unbedingt jedem empfiehlt. Dafür seien die psychischen Belastungen für die Opfer zu groß. In dem Fall aber half der Rentner der Polizei. Einsatzkräfte konnten den Abholer, einen 33-Jährigen aus dem Landkreis Erding, festnehmen.

Rund 80 derartige Taten haben Betrüger in diesem Jahr in Stadt und Landkreis schon begangen. Knapp vier Millionen Euro konnten die Mafiosi dabei erbeuten. Laut Chloupek nimmt die Zahl der Taten zu, die dabei ergaunerten Geldsummen pro Fall sind jedoch niedriger als früher. Die Täter haben erkannt, dass zu hohe Summen oft Misstrauen erregen.

Freilich gilt das nicht immer. Eine Frau aus Harlaching überwies nach Anrufen falscher Polizisten jüngst knapp 100 000 Euro auf zwei Konten in Deutschland und der Türkei. Auch für diesen Betrug dürfte laut Chloupek die türkische Bande verantwortlich sein. Er setzt nun auf die gute Zusammenarbeit mit seinen türkischen Ermittlerkollegen.

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