Missbrauchsprozess in München:"Mir geht es auch nicht gut"

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Ein Mann missbraucht seine minderjährigen Nichten - über Jahre hinweg. Vor dem Landgericht will er eigentlich umfassend gestehen, doch das geht schief.

Von Susi Wimmer

Eine ganze Familie ist in Einzelteile zersplittert. Die beiden Töchter sind schwer traumatisiert, die Eltern schockiert und von Selbstvorwürfen gepeinigt, der Bruder des Vaters sitzt im Knast. "Wissen Sie, dass es ihren Nichten nicht gut geht", fragt Staatsanwalt Tobias Fleißner den angeklagten William D. "Ja", sagt der, und: "Mir geht es auch nicht gut."

William D. ist der Onkel der Mädchen. Er soll sie nacheinander im Alter von etwa jeweils 13 Jahren vergewaltigt, die jüngere über Jahre hinweg missbraucht und weiter vergewaltigt haben. Vor der elften Strafkammer am Landgericht München I will der 40-Jährige am ersten Verhandlungstag "alle Schuld" auf sich nehmen und ein Geständnis ablegen. Aber das geht schief.

William D. ist ein kleiner Mann mit Schnauzbart und grünem Parka, er hat keine üppige Schulbildung genossen. Wann er nach Deutschland gekommen sei, das wisse er nicht mehr so genau, teilt er dem Gericht mit. Er habe in Italien seinen Job verloren, sein Bruder habe ihm angeboten, zu seiner Familie nach München zu reisen.

William D. lebte in der Wohnung des Bruders, er sollte ab und an auf die beiden Mädchen aufpassen, wenn die Eltern außer Haus waren. Nach Ansicht von Staatsanwalt Fleißner aber hat D. die Situation ausgenutzt.

Auf die Frage nach dem Warum kommt wenig

Die Anklage wirft dem Mann vor, dass er zwischen Juli 2013 und Juli 2015 abends ins Kinderzimmer der damals 13 oder 14 Jahre alten Rosa (Namen geändert) geschlichen sei, die bereits im Bett lag. Er soll sie entkleidet und den Geschlechtsverkehr vollzogen haben. Erst als das Mädchen sagte, er solle aufhören, sonst werde sie es den Eltern erzählen, zog er sich an und ging wieder.

Im Jahr 2016 soll er die drei Jahre jüngere Schwester Antonella vergewaltigt haben. Im Laufe der weiteren Jahre soll D. die Jüngere "mindestens zwanzig mal" bei Fahrten in seinem Auto begrapscht und auch vergewaltigt haben. Antonella soll immer gesagt haben, dass sie das nicht möchte. Einmal soll sie ihn geohrfeigt haben.

"Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas mit meinen Nichten passieren könnte", meint der Angeklagte. Warum das passiert sei, will Richter Stephan Kirchinger wissen. "Ich weiß es selbst nicht", antwortet D.

Dann erzählt er, wie er ins Zimmer von Rosa ging, "um dort den Boden zu wischen". Dann habe er sich zu seiner Nichte ins Bett gelegt und den Geschlechtsverkehr vollzogen. Sie sei da sicher schon 16 Jahre alt gewesen. Sie habe sich nicht gewehrt und auch nichts dazu gesagt, behauptet er.

"Fast schon beleidigend" findet der Richter den Auftritt

"Es ist fast schon beleidigend, wenn sie uns unterstellen, dass wir das glauben sollen", sagt Kirchinger: Dass D. bei einer 16-Jährigen babysitten müsse, dass das Mädchen die ganze Zeit über geschwiegen habe. Dann erzählt D. noch, dass die jüngere Schwester ihn eines Tages um eine Massage gebeten habe, da sei es dann "passiert".

In einem Rechtsgespräch wird D. eine Freiheitsstrafe von viereinhalb bis fünfeinhalb Jahren in Aussicht gestellt bei einem umfassenden Geständnis. Denn bislang bestreite D. "entscheidungserhebliche Umstände", sagt seine Verteidigerin Claudia Enghofer.

D. aber will sich nicht auf den Deal einlassen und fordert, seine Nichten sollten vor Gericht aussagen. Ob die Kammer die traumatisierten jungen Frauen in den Zeugenstand holen will, blieb noch offen.

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