"Perle":Lang leben die WG-Partys!

"Perle": Alte Sessel treffen auf abgewetzte Teppiche: Die Einrichtung der "Perle" ist WG-mäßig zusammengewürfelt.

Alte Sessel treffen auf abgewetzte Teppiche: Die Einrichtung der "Perle" ist WG-mäßig zusammengewürfelt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Laim hat eine hippe neue Bar: In der "Perle" werden Erinnerungen an Studentenzeiten wach, nur dass sich unter die Besucher auch mal ältere Semester mischen.

Von Johannes Korsche

Es ist einer dieser Abende Anfang Dezember, an denen München wegen - grob überschlagen - ein paar Milliarden Schneeflocken lahmgelegt ist. Die Agnes-Bernauer-Straße in Laim ist deswegen auch ungewöhnlich leer und still, selbst die 19er-Tram, die hier normalerweise entlang rattert, ist im Depot geblieben. Alles in allem würden einem an diesem Abend viele Gründe einfallen, die dafür sprechen, sich daheim in Decken eingehüllt auf die Couch zu legen.

Aber nichts da mit Decke und Filmgucken: Man stapft ja gerade, mit der Abendplanung hadernd - so ehrlich sollte man schon sein -, durch den Schnee, schließlich ist man in einer Bar verabredet. Immerhin, der Name des Ziels verspricht Großes und ein bisschen auch wärmende Südsee-Gefühle, wo man im warmen Meer und nicht im kalten Schnee untergeht: "Die Perle".

Mit einer Schnellreise in die Südsee wird zwar nicht belohnt, wer sich durch den Schnee zur Bar an der Agnes-Bernauer-Straße gekämpft hat. Aber dafür mit dem vielleicht Nächstbesten: einer grundentspannten, wunderbar wohnzimmerigen Bar. Die Einrichtung ist WG-mäßig zusammengewürfelt: Alte Sessel und schmale Hocker stehen auf abgewetzten Teppichen. Dazu noch ein paar Möbel vom Vormieter - in dem Fall: das Asia-Restaurant "Asia Perle" -, und fertig ist das WG-Party-Gefühl. Nur dass das Alter der "Perlen"-Besucher etwas gemischter ausfällt als auf den meisten Studenten-Partys. Zwischen den Beanie-Mützen sieht man hier auch mal graue Haare durchblitzen.

An der Bar herrscht dann wieder gut-sortierte Studentenauswahl, die natürlich beim klassischen Bier (0,5 Liter Augustiner, 4,50 Euro) anfängt. Ausgefallene Cocktails gibt es hier nicht, kaum ein Drink hat mehr als drei Zutaten, was die Wartezeiten an der Bar angenehm verkürzt. Trotzdem kann man etwas Neues probieren, etwa die "Rhabarber 43" (9 Euro), bei der Licor 43 (ein preisgekrönter Likör aus 43 geheimen Zutaten) mit einer Rhabarber-Limo gemischt wird. Oder die "Susi Spezial" (9 Euro), bei der Averna und Orangen-Limo zusammenkommen. Eine Mischung, die man in WG-Küchen bisher leider zu selten ausprobiert hat.

"Perle": Ausgefallene Cocktails gibt es nicht, die meisten Drinks haben nicht mehr als drei Zutaten.

Ausgefallene Cocktails gibt es nicht, die meisten Drinks haben nicht mehr als drei Zutaten.

(Foto: Stephan Rumpf)
"Perle": Die Zwischennutzung in der Agnes-Bernauer-Straße läuft bis Mitte 2024.

Die Zwischennutzung in der Agnes-Bernauer-Straße läuft bis Mitte 2024.

(Foto: Stephan Rumpf)
"Perle": Früher befand sich in den Räumen ein chinesisches Restaurant.

Früher befand sich in den Räumen ein chinesisches Restaurant.

(Foto: Stephan Rumpf)

Weil die Barkeeper auch bei den Basic-Drinks sehr viel richtig machen, wie beim Wodka Soda (9 Euro) oder beim Kiew Mule (Moskau Mule-Substitut, 9 Euro), ist die "Perle" einen Besuch wert - auch wenn man nicht direkt in Laim wohnt. Vor allem im Sommer, wenn die Außenterrasse mehr sein dürfte als ein doch recht trauriger und rutschiger Raucherbereich.

Vielleicht erklärt sich der Name "Perle" ja auch gar nicht durch den Vormieter, sondern schlicht aus der Tatsache, dass es in Laim - Laimer mögen diese Beobachtung verzeihen - bisher ähnlich viele hippe Bars gegeben hat, wie man in Miesmuscheln gemeinhin Perlen finden konnte. Das jedenfalls hat die "Perle" nun geändert. Zumindest für eine gewisse Zeit, bis Mitte 2024 läuft die Kooperation zwischen dem Mucbook-Clubhaus und dem Steinchen-Kulturcafé. Bis dahin jedenfalls haben Münchner einen Grund mehr, sich nicht auf der eigenen Couch zu verkriechen.

Zur SZ-Startseite

SZ Plus"DNA" im Werksviertel
:So divers war die Eröffnung von Münchens neuestem Techno-Club

Jung und Alt, Hipster und Unscheinbare: Das "DNA" lockt ein gemischtes Publikum an. Wie kommen Sound und Einrichtung an?

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: