Dachauer Straße Ein neues Viertel mit besonderem Flair

Seit vielen Jahren laufen die Planungen für das Kreativquartier, nun macht der Stadtrat den Weg für die Bebauung frei.

Von Sebastian Krass

Vor 15 Jahren hat die Stadt die Planung für das Kreativquartier an der Dachauer Straße aufgenommen, neu gebaut worden ist seitdem fast nichts. Doch nun stehen zwei wesentliche Fortschritte bevor. An diesem Mittwoch verabschiedet der Planungsausschuss des Stadtrats aller Voraussicht nach den Bebauungsplan für den Hauptteil des Quartiers, das sind die Teilbereiche "Kreativpark" mit dem zentralen öffentlichen Raum, der Tonnen- und der Jutierhalle, und "Kreativplattform" mit etwa 340 Wohnungen. Auf Basis dieses Bebauungsplans werden dann Grundstücke für die künftige Nutzung vergeben und Baugenehmigungen erteilt. Außerdem will der Stadtrat in der zweiten Hälfte dieses Jahres die Vergabe der Wohnbauflächen im nördlichen Teil des Quartiers, dem "Kreativfeld", starten - für das der Bebauungsplan schon seit fast zwei Jahren in Kraft ist. Dort sollen 385 Wohnungen entstehen.

Ein für München bisher einzigartiges "urbanes Stadtquartier, in dem Wohnen und Arbeiten mit Kunst, Kultur und Wissen verknüpft werden": Das soll nach dem Willen der Stadt auf dem L-förmigen Areal zwischen Dachauer Straße, Loth-, Schwere-Reiter-, Heß- und Infanteriestraße entstehen. Es ist 20 Hektar groß, das entspricht knapp 30 Fußballfeldern. Die Flächen gehören zum größten Teil der Stadt, den kommunalen Stadtwerken und dem Freistaat, was die Planung erheblich erleichtert. Der Weg zur Entstehung des Kreativquartiers ist ein besonderer, allerdings auch ein langwieriger.

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Im Jahr 2004 startete die Stadt mit dem Bebauungsplanverfahren zunächst nur für das Areal der früheren Luitpoldkaserne, das heutige "Kreativfeld". Dort und auf den umliegenden Arealen hatte sich über die Jahre ein ganz besonderer Kosmos aus Kulturschaffenden und sonstigen Kreativen gebildet. Als die Neuplanung Anfang dieses Jahrzehnts langsam konkreter wurde, war klar: Neben den dringend benötigten Bauten für Wohnen, Gewerbe und Hochschule sollte das spezielle Flair erhalten bleiben. Es entstand der Projektname "Kreativquartier" und das Vorhaben, die Bürger möglichst intensiv an der Planung zu beteiligen. Es gab Workshops und Podiumsdiskussionen, die Kreativen sollten selbst Konzepte ausarbeiten.

Parallel dazu lief ein städtebaulicher Ideenwettbewerb für das gesamte Areal, den 2012 das Berliner Architekturbüro Teleinternetcafé zusammen mit dem Büro TH Treibhaus Landschaftsarchitektur gewann. Von ihnen stammt auch die Unterteilung in die vier "Kreativ"-Bereiche: Feld, Labor, Plattform und Park. Besonders sensibel ist der Bereich des Labors. Die dortige freie kulturelle und soziale Szene, bestehend aus Ateliers, Tanzbühnen, Werkstätten, aber auch sozialen und ökologischen Start-ups soll behutsam entwickelt werden, deshalb wird es für das "Kreativlabor" noch einen eigenen Bebauungsplan geben.

Der "Kreativpark" soll die "zentrale öffentliche Schnittstelle" der Teilquartiere werden, heißt es im Bebauungsplan, über den der Stadtrat nun entscheidet. In einem öffentlichen Park zwischen Dachauer Straße und Heßstraße sind drei Spielplätze vorgesehen. Außerdem wird die Stadt die Industriedenkmäler Tonnenhalle und Jutierhalle sanieren und zu Zentren für die Produktion und auch die Präsentation kreativen Schaffens umbauen. 50 bis 70 Millionen Euro sind allein dafür eingeplant. Zudem soll im Park ein "Gründer- und Innovationszentrum (GIZ)" entstehen, in dem mehr als 250 Start-ups aus der Technologiebranche Platz finden. Betrieben wird es von der UnternehmerTUM, dem Gründerzentrum der TU München.

Auf dem Gebiet der "Kreativplattform", die von Süden kommend den Auftakt zum Quartier bildet, ist das zweite Wohngebiet geplant. Die Gebäude sollen im Anschluss an die Architektur an der Dachauer Straße als sogenannte Blockrandbebauung entstehen, mit Innenhöfen und Erdgeschossen, in denen Geschäfte und Büros sowie eine Kita unterkommen. In der Höhe sollen sie sich ebenfalls an der bestehenden Bebauung orientieren. Gegenüber der Tonnen- und Jutierhalle gibt es eine Ausnahme nach oben, mit einem achtgeschossigen "Gebäudekopf". Auch auf dem Areal der Plattform sind öffentliche Grün- und Spielflächen vorgesehen. Zur Plattform gehören ganz wesentlich auch Gebäude der Hochschule München. Am südlichen Ende, Adresse Lothstraße 17, ist bereits ein markanter denkmalgeschützter Bau saniert und erweitert und zur neuen Heimat der Design-Fakultät geworden. Ein weiterer Hochschulkomplex kommt noch hinzu.

Die Jutierhalle im Kreativquartier soll saniert und zu einem Zentrum für Künstler werden.

(Foto: Catherina Hess)

Die ersten Neubauten werden aber auf dem "Kreativfeld" entstehen. Die Stadt wird die Baufelder an die städtischen Wohnungsbauunternehmen GWG und Gewofag, an Baugenossenschaften, Baugemeinschaften und auch an private Bauherren vergeben, die sich den Regeln des Konzeptionellen Mietwohnungsbaus (KMB) unterwerfen. Dabei geht es um die Schaffung preisgedämpften Wohnraums für Menschen, die mit ihren Einkommen oberhalb der Grenzen von Förderprogrammen liegen. Wie die Aufschlüsselung auf die verschiedenen Bauherrenmodelle aussehen wird, könne man noch nicht sagen, erklärt das Planungsreferat, die Vorlage dazu werde noch erarbeitet.

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