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Kindermedizin:Kleine Patienten lohnen sich nicht

Die von der Schließung bedrohte Kinder- und Jugendpsychosomatik des Rechts der Isar ist auf dem Areal des Klinikums Schwabing untergebracht.

(Foto: Catherina Hess)
  • Die Abteilung Kinder- und Jugendpsychosomatik des Klinikums rechts der Isar steht vor dem Aus, da sie Verluste macht.
  • Zwei ihrer Tageskliniken wurden bereits geschlossen.
  • Unter dem steigenden ökonomischen Druck leiden auch alle anderen Kinderkliniken.
  • Die medizinische Versorgung von kranken Kindern ist zunehmend gefährdet.

Der Abteilung für psychisch kranke Kinder und Jugendliche des TU-Uniklinikums rechts der Isar droht die Schließung. Dabei ist die Nachfrage in München groß, die Wartelisten sind lang und der Bedarf wächst weiter. Doch die Kinder- und Jugendpsychosomatik macht Verluste. Zwei ihrer Tageskliniken wurden bereits geschlossen. Derzeit gibt es noch eine Ambulanz, in der Familien beraten werden, sowie eine Tagesklinik für Vorschulkinder und eine für Jugendliche. "Die Klinikleitung hat uns mitgeteilt, dass unsere gesamte Abteilung geschlossen wird, weil wir zu teuer sind. Wir sollen den Familien sagen, dass wir nicht wissen, wie lange wir sie noch betreuen können", berichten mehrere Mitarbeiter der SZ. Keiner von ihnen möchte mit Namen genannt werden.

Die Behandlung von kranken Kindern ist zeit- und personalintensiv, egal ob psychisch oder chronisch krank, ob in der Notfallambulanz oder Onkologie. Der Mehraufwand wird aber nicht angemessen bezahlt im deutschen Gesundheitssystem. Das führt dazu, dass in München nicht nur am Rechts der Isar Angebote für Kinder abgebaut werden. Alle Kinderkliniken leiden unter dem steigenden ökonomischen Druck und den damit verbundenen Sparmaßnahmen. Die medizinische Versorgung von kranken Kindern ist zunehmend gefährdet.

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In die Psychosomatik am Rechts der Isar kommen Kinder und Jugendliche, die schwer traumatisiert sind, unter Bindungsstörungen oder Depressionen leiden. "Es sind die Schwächsten der Schwachen", sagt ein Mitarbeiter. Wer ihnen helfen will, muss auch ihre Familien unterstützen. Zu dem Behandlungskonzept gehörte daher auch eine Tagesklinik für Eltern, in der die Erwachsenen intensiv mit eingebunden werden. Doch diese Tagesklinik wurde im Sommer 2019 geschlossen. Der Flurtrakt mit fünf Zimmern steht leer. Auch die Zahl der Fachkräfte sei immer weiter reduziert worden, berichten Mitarbeiter. Die Abteilung ist 2017 von der Biedersteiner Straße auf das Gelände des Klinikums Schwabing gezogen und wurde dabei vergrößert. Ausgelegt sind die Räume neben der Ambulanz offenbar für 36 Tagesklinikplätze. Belegt werden nur noch 14.

Es ist unklar, wo die Kinder und ihre Eltern nach einer Schließung stattdessen behandelt werden können. Auch in anderen Einrichtungen gibt es lange Wartezeiten. Zudem bietet die Abteilung ein ganz spezifisches Angebot, das in dieser Form einmalig ist in München. Einige der Mitarbeiter haben daher vor zwei Wochen in Briefen den bayerischen Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) und Wolfgang Herrmann, den Präsidenten der Technischen Universität, aufgefordert, die Abteilung innerhalb der Universität unbedingt zu erhalten.

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Das Klinikum rechts der Isar bestätigt, dass die Kinder- und Jugendpsychosomatik "in der aktuellen Form leider nicht weitergeführt werden" könne. Derzeit würden aber verschiedene Szenarien geprüft. Es gebe Gespräche mit der städtischen München Klinik, um die Angebote aufrechtzuerhalten und zu bündeln. "Betriebsbedingte Kündigungen können wir ausschließen", teilt eine Sprecherin mit. Als Grund für die "Weiterentwicklung des Bereichs" nennt sie die "ungünstige Kosten-Erlös-Struktur". Zur Höhe des Defizits äußert sie sich nicht.

Der SZ liegt aber ein Bericht vor, in dem ein Arzt, der Professor an einer anderen Uniklinik ist, im Juli 2019 Empfehlungen für die Abteilung am Rechts der Isar erarbeitet hat. Darin heißt es, dass in diesem Jahr mit einem Defizit von 700 000 Euro für die Abteilung gerechnet wird. Der Autor des Berichts plädiert trotzdem für ihre Fortführung, da sie "in wissenschaftlicher als auch in klinischer Hinsicht von großer Bedeutung" sei.