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Sammel-Band:Wo Jim Morrison mit "Graf Porno" Weißbier schlürft

Vor 40 Jahren starb Jim Morrison

Jim Morrison starb 1971 in Paris. Bis heute rätselt die Welt über die Umstände.

(Foto: dpa)

Im Stadtteilkrimi "Mordsmäßig Münchnerisch" werden tote Rocklegenden lebendig oder treiben Leichen im Stadtbach. Auch an das leibliche Wohl wird gedacht.

Liegt Jim Morrison wirklich in seinem Grab auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise? Oder hat der Frontmann der Doors, mit 27 jung und unter nie ganz geklärten Umständen verstorben, seinen Tod nur vorgetäuscht, seiner Fans und dieses ganzen hysterischen Rummels überdrüssig?

Vor einigen Jahren waberte das Gerücht durchs Netz, der einst exzessive Rockstar, inzwischen in seinen Mittsiebzigern, lebe friedlich unter Sonne und Palmen auf den Seychellen. Und schlürft dort sein Weißbier zum Sonnenuntergang, so strickt Moses Wolff, Autor mit Sinn für Fallhöhe, an der Legende weiter - mit Alois Brummer.

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Dem doch 1984 verblichenen Regisseur und Produzenten Brummer, auch bekannt als "Graf Porno", dessen Pasinger Villa oft als Set diente für seine Sexfilmchen wie "Dr. Fummel und seine Gespielinnen", "Mei Hos is in Heidelberg geblieben" oder "Gestatten, Vögelein im Dienst". "Die Spur des Grafen" heißt Wolffs schräger Fall, eine von 20 Kurzgeschichten in "Mordsmäßig Münchnerisch", einem Stadtteilkrimi-Buch, erschienen im kleinen Hirschkäfer-Verlag von Martin Arz.

Steckte man eine Nadel auf die Landkarte für jeden Regionalkrimi-Schauplatz, wäre Bayern und speziell Oberbayern ganz schön dicht bespickt. In Rosenheim, Berchtesgaden und Garmisch, in der niederbayerischen Provinz und im Allgäu, in Wörth an der Donau und im Altmühltal, am Tegernsee und Starnberger See gehen sie auf Verbrecherjagd, die Kommissare Kluftinger und Dimpfelmoser, Jennerwein und Morgenstern.

Die Zahl der zwischen Buchdeckel gepressten Morde dürfte die reale Polizeistatistik schon überflügelt haben. Vor allem die Szene der in München spielenden Krimis ist kaum mehr überschaubar. Wer sich dort erfolgreich abheben will von der Konkurrenz, muss entweder besonders mitreißend erzählen, eine ausgefallene Hauptfigur - beliebt etwa: ein Kommissar mit Migrationshintergrund - erfinden, oder aber das Ganze einfach noch weiter runterbrechen. Auf Stadtviertel-Ebene.

Auch im Mikrokosmos der Großstadt, zwischen dem Hotel Vier Jahreszeiten und dem Hofbräuhaus, zwischen Max-Weber-Platz und Bordeauxplatz, in den urban-uniformen Wohnblöcken der Messestadt Riem, im teils unterirdisch dahineilenden Stadtbäche-Netz oder im Licht- und Lautsprecher-Georgel der Wiesn lassen sich die bekannten Motive ansiedeln: Eifersucht. Liebe. Geldgier. Gestörte Psyche.

Semmelschmarrn am Ende des Kapitels

Auch das Motiv der Vergeltung, der - gar gerechten? - Strafe findet sich in mehreren Geschichten: "die Riemerling", die sich nicht ungesühnt in aller Supermarkts-Öffentlichkeit eine "blahde Blunzn" nennen lässt; der Geizkragen, der es nicht mag, wenn seine Weiber Sperenzchen machen und sein "hart verdientes Geld zum Fenster hinausschmeißen", der sich aber dann mächtig verrechnet; oder der Steuerfahnder, ein Widerling und Erpresser, den seine Vergangenheit einholt.

Insgesamt 19 Autorinnen und Autoren hat Ingrid Werner, Herausgeberin und Autorin des Haidhausen-Kapitels, für "Mordsmäßig Münchnerisch" um sich versammelt, darunter zum Beispiel Iris Leister und Thomas Kastura, beide Friedrich-Glauser-Preisträger in der Sparte Kurzkrimi; Manuela Obermeier, seit 20 Jahren im Hauptberuf - ja wirklich - Polizistin und andere, die regelmäßig, ob auf literarischer Kurz- oder Langstrecke, munter morden. Wie in jeder Anthologie sind manche der Texte überzeugend, schaffen trotz der Beschränkung auf zehn Seiten eine dichte Geschichte, lebendige Charaktere, einen witzigen oder unerwarteten Plot; andere fallen dagegen ab.

Und nicht jedem gelingt es, so nah dran zu sein an seinem Viertel wie Moses Wolff, dem in Pasing aufgewachsenen und diesem Stadtteil nach eigenem Bekenntnis "auf ewig verpflichteten" Schreiber, Schauspieler, Schwabinger Schaumschläger und Schwabinger Kunstpreisträger, der seinen rotschädeligen Polizeiobermeister Zettlmayr das geliebte saure Lüngerl im traditionsreichen "Schweizer Hof" an der Planegger Straße verspeisen lässt, derweil er grantelt über "den schlimmsten Schandfleck im Münchner Westen, die sogenannten Pasing-Arcaden", die sinnfreie Schleife der Tram 19 durch die Gleichmannstraße, ja überhaupt die ganze "schwachsinnige Verkehrsberuhigung", die Pasing in den vergangenen zehn Jahren des Umbaus zum Verdruss seiner Einwohner über sich ergehen lassen musste. Manche Autoren werfen nur ein paar Straßennamen hin, um das Lokalkolorit herzustellen, oder einen Biergarten - ein bisschen Magerkost.

Immer üppig ist der Nachgang zu den Kriminal-Happen. Am Ende jedes Kapitels steht ein Rezept, für Semmelschmarrn und Schweinshaxe, Reherl und Reiberdatschi, Hollerkücherl und Dradiwixpfeiferl. Und für Leberknödelsuppe. Da könnte man einen Kloß im Hals kriegen. Denn in Martin Arz' "Glockenbach-Getöse" spielt in einer rituellen Tötung ein gewisses inneres Organ eine wesentliche Rolle.

"Mordsmäßig Münchnerisch - 20 Stadtteilkrimis & Rezepte", herausgegeben von Ingrid Werner, Hirschkäfer-Verlag, 12,90 Euro.

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