bedeckt München

Wetter-Jahresrückblick:2158,3 sonnige Stunden

Baden an der Isar

Nicht nur am 1. August, dem mit 34,2 Grad heißesten Tag des Jahres, sonnten sich viele Münchner trotz Corona an der Isar.

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Wenigstens meteorologisch betrachtet war 2020 alles andere als düster. Zwar wurde mitten im schönsten Superfrühling der Corona-Katastrophenfall ausgerufen, aber das Wetter hat sich davon nicht beeindrucken lassen.

Von Thomas Anlauf

Es gibt einen Lichtblick in diesem durch das Coronavirus so dunklen Jahr. Was heißt da einen: Genau 2158,3 Lichtblicke! So viele Stunden strahlte nämlich die Sonne über München. Lediglich 2003 und 2018 gab es noch etwas mehr Sonnenschein (2171 und 2165,7). 2020 wird als das drittsonnigste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in München eingehen.

Das Jahr ging auch schon gut los, zumindest was das Wetter angeht. Im Januar schien die Sonne fast doppelt so häufig wie im langjährigen Mittel zwischen 1961 und 1990, nämlich 122,9 Stunden lang, hat Uwe Zimmermann vom Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in München errechnet. Im Winter, der in der Meteorologie aus statistischen Gründen von Dezember bis Ende Februar dauert, schien die Sonne insgesamt um 60 Prozent häufiger als im Durchschnitt. Und dann diese milden Temperaturen! Bereits am 9. Januar saßen viele Münchner bei bis zu 14,5 Grad vor den damals noch geöffneten Lokalen. Die Nachrichten von einem neuartigen Virus waren noch exotisch, die Münchner genossen die Wintersonne, die eigentlich schon Frühling verhieß. Die außergewöhnlich milde Witterung steigerte sich sogar noch im Februar. Insgesamt war der zweite Monat dieses Jahres um 5,2 Grad wärmer als ein Durchschnitts-Februar eigentlich sein sollte. Lediglich im Jahr 1966 gab es einen noch milderen Winterabschluss in München.

2020 war eines der sonnigsten und wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen: Im Januar herrschten bereits frühlingshafte Temperaturen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Milde Temperaturen bedeuten aber nicht automatisch auch trockenes Wetter: Im Februar fielen 241,1 Prozent mehr Regen als sonst im langjährigen Mittel. Es gab aber noch ein weiteres Wetterphänomen im vergangenen Winter: An keinem einzigen Tag fielen die Temperaturen ganztägig unter den Gefrierpunkt. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in München vor 65 Jahren gab es zuvor noch nie einen Winter ohne Eistag.

Mit dem meteorologischen Frühlingsbeginn stiegen nicht nur die Temperaturen weiter an, sondern auch die Zahl der Corona-Fälle, nachdem Ende Januar im Münchner Vorort Stockdorf bundesweit die ersten Fälle bekannt geworden waren. Der Kommunalwahlkampf in München wurde deshalb so gut wie eingestellt, während die Münchnerinnen und Münchner das sonnige und milde Frühlingswetter im Freien genossen. Als am 15. März die Menschen den neuen Stadtrat und den Oberbürgermeister wählten, stiegen die Temperaturen in München auf 14,5 Grad, fünf Tage später waren es knapp 20 Grad.

Einen Tag später rief Ministerpräsident Markus Söder für Bayern den Corona-Katastrophenfall aus: Ausgangsbeschränkungen mitten im Superfrühling. Die Temperaturen stiegen weiter und die Verunsicherung der Menschen wuchs: Was darf man im Freien überhaupt tun? Ist Frisbeespielen im Bavariapark erlaubt, darf man sich auf eine Parkbank in die Sonne setzen und ein Buch lesen? Auch Polizisten und Sicherheitsdienste waren sich anfangs nicht ganz sicher und scheuchten selbst Menschen, die allein in der Sonne saßen, nach Hause.

Viel zu viel Regen gab es im Februar 2020.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Wetter zumindest hielt sich nicht an Vorgaben, am 6. April stieg die Temperatur erstmals im Jahr auf mehr als 20 Grad (21,4 Grad Celsius). Die Wärmeperiode dauerte bis 27. April. Insgesamt war der April um 3,9 Grad zu warm, die Sonne schien mehr als doppelt so häufig wie üblich (209,2 Prozent) und es fiel an lediglich einem Tag nennenswerter Regen. Der Münchner Frühling 2020 geht damit als drittsonnigster in die Wetterstatistik ein, lediglich 2011 und 2007 schien noch häufiger die Sonne. Der trockenste Frühling war im Rekordjahr 2003, allerdings war es im zurückliegenden Frühjahr auch so trocken, dass es in der Statistik Rang sechs belegt.

Das glich allerdings der Sommer wieder aus. Im Juni schüttete es an zwölf Tagen und es fielen 207,2 Liter Regen pro Quadratmeter. Das sind 56,1 Prozent mehr als in einem durchschnittlichen Juni. Doch dann wurde es richtig warm. Am 23. Juni wurde in München die 30-Grad-Marke geknackt (31,0), der heißeste Tag war am 1. August mit 34,2 Grad, auch am 21. August stieg das Thermometer noch mal auf 34,1 Grad. Den Hitzerekord stellte München allerdings am 27. Juli 1983 auf, damals war es 37,5 Grad heiß.

Im Herbst fiel nicht nur die Wiesn aus (das Wetter hätte durchaus mitgespielt, aber das Coronavirus nicht), sondern auch der "goldene Oktober". Der war diesmal trüb und nass, es fielen zwei Drittel mehr Regen als üblich und die Sonne schien nur zu 70 Prozent über München. Dafür präsentierte sich der November von seiner sonnigen Seite und es fielen nur 28,7 Prozent der durchschnittlichen Regenmenge. Uwe Zimmermann vom DWD hat ein klares Fazit: "Es war deutlich zu warm und sehr sonnenreich." Wie in den vergangenen Jahren auch - der Klimawandel ist längst Alltag auch in München.

© SZ vom 31.12.2020/kbl
Zur SZ-Startseite
Kommunalwahl in Bayern

Das politische Jahr 2020 in München
:Das große Knirschen in der Koalition

Statt sich um die ökologisch-soziale Wunschthemen kümmern zu können, muss Grün-Rot seit der Kommunalwahl im Krisenmodus agieren.

Von Heiner Effern

Lesen Sie mehr zum Thema