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Haidhausen:Länger flanieren

Weiter geht's: Über den Weißenburger Platz hinaus könnte die Fußgängerzone künftig reichen, die 1975 als eine der ersten eingerichtet wurde.

(Foto: Robert Haas)

Auch wenn die Stadt Bedenken angemeldet hat, fordern Stadtteilpolitiker die Ausweitung der Fußgängerzone bis zum Pariser Platz. Fahrradfahren soll dort dann allerdings erlaubt bleiben

Von Patrik Stäbler, Haidhausen

Die Fußgängerzone zwischen Rosenheimer und Weißenburger Platz gehört zu den ältesten ihrer Art in München. Nur drei Jahre nach Eröffnung der ersten Flaniermeile vom Marienplatz zum Stachus 1972 wurde der kaum 200 Meter lange Abschnitt zum auto- und fahrradfreien Gebiet erklärt - als erstes "außerhalb des City-Bereichs", wie es Oberbürgermeister Georg Kronawitter bei der Einweihung formulierte. Gut 45 Jahre später könnte die Mini-Fußgängerzone in Haidhausen verlängert werden. So hat sich der Bezirksausschuss (BA) Au-Haidhausen nun mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, Fahrzeuge in der Weißenburger Straße bis hin zum Pariser Platz zu verbannen - wiewohl das Fahrradfahren dort erlaubt bleiben soll.

In den vergangenen Jahren hatte der BA mehrmals eine Verlängerung der Fußgängerzone beantragt, war damit aber bei der Stadt abgeblitzt. Nun jedoch kommt offenbar Bewegung in die Sache. Infolge eines SPD-Antrags aus dem Jahr 2019, der eine fußgängerfreundliche Umgestaltung der Einkaufsstraße anregte, hat das Referat für Stadtplanung und Bauordnung im Januar drei Varianten dargelegt, wie dies erreicht werden könnte. Erstens, eine Ausweitung der Fußgängerzone bis zum Orleansplatz - was die Behörde jedoch als "derzeit nicht umsetzbar" erachtet. Zweitens, eine Verlängerung bis zum Pariser Platz, was zu mehr Verkehr in den umliegenden Straßen sowie dem Wegfall von circa 50 Parkplätzen führen würde, so das Planungsreferat. Die Behörde rät daher zur dritten Variante, nämlich "kleinräumliche Teilmaßnahmen" - etwa zusätzliche Fußgängerübergänge sowie das Einrichten einer Lieferzone und eines verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs.

Eine Mehrheit im BA will sich mit der Empfehlung des Planungsreferats aber nicht begnügen. Vielmehr votierte das Gremium - gegen drei Stimmen der CSU - für eine "Variante 2 b". Damit ist die Verlängerung des autofreien Bereichs bis zum Pariser Platz gemeint, wobei Radfahren - anders als in der bestehenden Fußgängerzone - erlaubt bliebe. Auf dieser Basis soll das Planungsreferat nun ein Konzept ausarbeiten, mit dem sich der BA dann erneut beschäftigen wird. Und auch eine "richtige Bürgerbeteiligung" müsse es geben, betonte Nina Reitz (SPD). Sie berichtete von einer "kleinen, nicht repräsentativen Umfrage" ihrer Fraktion in der Weißenburger Straße. "Viele haben gesagt, dass sie gerne eine Fußgängerzone hätten, gerne mit mehr Grün, mehr Sitzplätzen und mehr Radabstellplätzen. Aber: Das Radeln muss weiter möglich sein." Ähnlich äußerten sich die Grünen, für die BA-Vorsitzender Jörg Spengler sagte: "Man muss etwas tun in dieser Straße, das ist längst überfällig." Ihm zufolge sei die Verlängerung der Fußgängerzone bis zum Pariser Platz "realistischer". Langfristig könne er sich aber durchaus eine Ausweitung bis zum Orleansplatz vorstellen.

Gegen eine größere Fußgängerzone sprach sich derweil die CSU-Fraktion aus. "Ich sehe da ein massives Problem mit der Belieferung der Läden", warnte Andreas Micksch. "Ich denke auch, dass eine Einkaufsstraße wie die Weißenburger Straße den Verkehr braucht." Barbara Schaumberger ergänzte: "Wir haben hier überwiegend Kurzzeitparkplätze für Geschäfte. Und nach meinen Beobachtungen kommen die Leute, parken und kaufen dann auch ein." Die Mahnungen der CSU ließen die übrigen Fraktionen jedoch unbeeindruckt. Und so fiel die Entscheidung letztlich mit 19 zu 3 Stimmen für eine Ausweitung der Fußgängerzone.

© SZ vom 09.03.2021
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