Neue Fraktionsführung der Münchner Grünen:Wette auf die Zukunft

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Warum es gleichzeitig gewagt und gewieft ist, dass die Münchner Grünen ihre Fraktion einem sehr jungen Quartett anvertrauen.

Kommentar von Heiner Effern

Auf den ersten Blick irritiert der Personalwechsel bei den Grünen im Rathaus. Da holt die Partei bei der Stadtratswahl die meisten Stimmen, darf erstmals in ihrer Münchner Geschichte als stärkerer Partner eine Koalition führen - und dann werden schon nach zwei Jahren beide Fraktionschefs ersetzt? Sind diese so frustriert, sind die Grünen so zerstritten? Daran liegt es nicht. Die Gründe für den freiwilligen Rückzug von Anna Hanusch und Florian Roth liegen im Persönlichen. Mit ihrer Entscheidung machen sie früher als gedacht den Weg frei für einen Generationenwechsel, wie er so wohl nur bei den Grünen möglich ist.

Der Altersdurchschnitt der beiden neuen Fraktionschefs und ihrer zwei ebenso neuen Stellvertreter beträgt gerade einmal gut 32 Jahre. Wenn man weiß, wie vielschichtig die Arbeit in der Kommunalpolitik ist und wie strategisch die Regierenden in einer Großstadt wie München vorgehen müssen, dann bedeutet das erst mal auch ein Risiko und einen enormen Vertrauensvorschuss. Die Grünen schließen früh in der Legislaturperiode eine sehr entschiedene Wette auf die Zukunft ab: Das junge Quartett kann sich nun zwei Jahre etablieren, dann sollte es in seiner zweiten Amtsperiode die Partei in den Kommunalwahlkampf führen. Der Anspruch kann nur sein: wieder stärkste Fraktion werden und erstmals das Amt des Oberbürgermeisters holen.

So gewagt wie es die bloßen Zahlen ausdrücken ist die Wette auf die Zukunft aber auch wieder nicht. Dominik Krause ist zwar erst 31 Jahre alt, zog aber schon 2014 in den Stadtrat ein und konnte wie Mona Fuchs bereits Erfahrungen als Stellvertreter sammeln. Er gilt als durchsetzungsstark, versiert im Auftreten und denkt sich schon jetzt nichts dabei, Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zu reizen und ihm auch Paroli zu bieten. Auch Mona Fuchs kennt ihre Positionen, auf den Koalitions- und damit Dauerverhandlungspartner SPD könnten nach den zwei Jahren mit dem ruhigen und besonnenen Duo Hanusch/Roth etwas hitzigere Diskussionen zukommen.

Dazu hat die 25 Jahre alte Clara Nitsche erst in der jüngsten Vollversammlung wieder einmal bewiesen, wie wortgewandt und souverän sie auch vor vollem Haus sprechen kann. Und Sebastian Weisenburger, den seine Fraktion zum Senior des Quartetts gewählt hat, war auch schon Stadtvorsitzender seiner Partei. Mit Bürgermeisterin Katrin Habenschaden als Galionsfigur und voraussichtlich erneuten Kandidatin für das OB-Amt müssen sie nun beweisen, dass sie regieren können. Und dann wird sich zeigen, ob sie die Münchnerinnen und Münchner auch dafür begeistern können, bei der Kommunalwahl 2026 ihre Wette auf jung und grün abzuschließen.

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