Münchner Grüne:Ein neues Duo führt die größte Fraktion im Stadtrat

Lesezeit: 3 min

Grüner Vorstand Rathaus

Die neuen Spitzen der Grünen: Mona Fuchs, 34, und Dominik Krause, 31.

(Foto: Catherina Hess)

Eine Quereinsteigerin und ein Physiker: Mona Fuchs und Dominik Krause rücken an die Spitze der Grünen-Fraktion. Die beiden stehen für einen Generationenwechsel, der ins ganze Rathaus hinein wirken soll.

Von Anna Hoben

Die größte Stadtratsfraktion hat nur zwei Jahre nach der Kommunalwahl eine neue Spitze. Bei einer Klausurtagung am Ort des Nachhaltigkeitsprojekts Community Kitchen in Neuperlach haben die Grünen am Donnerstag Mona Fuchs und Dominik Krause als neue Vorsitzende gewählt. Beide waren bisher stellvertretende Fraktionschefs.

Die Stadträtinnen und Stadträte stellten sich mit äußerst breiter Mehrheit hinter die beiden Kandidaten: Für Fuchs stimmten nach Informationen der SZ 21 Mitglieder, drei votierten gegen sie. Krause erhielt 22 Stimmen, zwei votierten gegen ihn. Gegenkandidaten waren nicht angetreten. Die beiden folgen Anna Hanusch und Florian Roth nach, die jeweils ihren Verzicht auf eine erneute Kandidatur erklärt hatten.

Münchner Grüne: Hatte Ende April angekündigt, nicht mehr kandidieren zu wollen: die bisherige Fraktionsvorsitzende Anna Hanusch.

Hatte Ende April angekündigt, nicht mehr kandidieren zu wollen: die bisherige Fraktionsvorsitzende Anna Hanusch.

(Foto: Andreas Gregor/oh)
Münchner Grüne: Machte seinen Rückzug als Co-Vorsitzender bereits im Dezember öffentlich: Florian Roth.

Machte seinen Rückzug als Co-Vorsitzender bereits im Dezember öffentlich: Florian Roth.

(Foto: Stephan Rumpf)

Dominik Krause, 31, gilt seit Jahren als großes Talent der Münchner Grünen. Seit 2014 sitzt er im Stadtrat, damals war er der Jüngste in dem Gremium. 2017 wurde er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Von 2019 bis 2020 führte er als Vorsitzender der Münchner Grünen zusammen mit Gülseren Demirel seine Partei in die Kommunalwahl.

Krause hat Physik studiert. Neben Klimaschutz und dem Umstieg auf erneuerbare Energien gehören die Stärkung von Bürgerrechten und Demokratie, der Kampf gegen Rechtsradikalismus und die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender zu seinen politischen Schwerpunkten.

Mona Fuchs, 34, ist seit 2020 Stadträtin, seitdem hat sie einen steilen Aufstieg hingelegt. Bei der Wahl wurde sie von Platz 17 der Liste auf Platz 7 vorgehäufelt. Ihre Fraktion wählte sie damals prompt zur stellvertretenden Vorsitzenden. Fuchs hat ohne Berufsausbildung als Quereinsteigerin in verschiedenen Bereichen gearbeitet: erst in der Gastronomie, "von der Rock'n'Roll-Kneipe bis zum Fine Dining", wie sie sagt, dann in der Gewerbeimmobilienwirtschaft.

Später entwickelte sie freiberuflich Kongresse, Workshops und Seminare zu den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz für Kommunen und Vereine. Neun Jahre lang war sie Geschäftsführerin des Vereins Netzwerk Klimaherbst. Mit ihrem Einzug in den Stadtrat gab sie dieses Amt auf.

Als bisherige Stellvertreter stünden sie für eine "gewisse Kontinuität", sagt Krause, für die Fraktion werde sich nun nicht alles ändern. Die bisherigen Vorsitzenden Roth und Hanusch hinterließen "große Fußspuren". Nun gebe es einen Generationenwechsel - und den sieht Krause auch als Zeichen ins Rathaus hinein und an andere Fraktionen, die "deutlich hierarchischer" organisiert seien. Er müsse immer ein bisschen schmunzeln über den sogenannten Ältestenrat, in dem die Fraktionsvorsitzenden grundsätzliche Abläufe besprechen. Und in dem nun - semantisch etwas paradox - zwei der jüngsten Stadträte sitzen.

Der Generationenwechsel erstreckt sich indes auch auf die zweite Ebene. Die neue stellvertretende Fraktionschefin Clara Nitsche ist 25 Jahre alt, sie erhielt bei der Wahl nach SZ-Informationen die Stimmen aller 24 Mitglieder. Für den neuen Stellvertreter Sebastian Weisenburger, 39, stimmten 22 Mitglieder, zwei votierten gegen ihn.

Münchner Grüne: Die neue stellvertretende Fraktionschefin: Clara Nitsche, 25.

Die neue stellvertretende Fraktionschefin: Clara Nitsche, 25.

(Foto: oh)
Münchner Grüne: Der neue stellvertretende Fraktionschef: Sebastian Weisenburger, 39.

Der neue stellvertretende Fraktionschef: Sebastian Weisenburger, 39.

(Foto: Robert Haas)

Inhaltlich liegt ein großer Berg Arbeit vor dem neuen Fraktionsvorstand. Zu den aktuellen Herausforderungen - Folgen der Corona-Pandemie, steigende Energiekosten, Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine - kommen die Dauerbrenner Wohnungsnot und Verkehrswende. Diese und die ambitionierten Klimaziele der Stadt sieht Mona Fuchs an erster Stelle.

Und so dürften die neuen Vorsitzenden künftig noch öfter erklären müssen, warum sie bezüglich eines Tunnelbaus im Münchner Norden das Abweichen der Regierungspartnerin SPD vom Koalitionsvertrag dulden. Krause findet dies "sehr bedauerlich, neue Autotunnel sind nicht das Richtige für die Zukunft der Stadt". Es sei aber "das Recht der SPD, sich so zu positionieren". Fuchs verweist darauf, dass noch viel Zeit ins Land gehen werde, bis es konkret werde - "aber die Planungskosten hätten wir uns gern gespart".

Die bisherige Fraktionsvorsitzende Anna Hanusch hatte Ende April angekündigt, nicht mehr kandidieren zu wollen. Sie begründete ihren Rückzug damit, dass sie sich als Stadträtin künftig wieder mehr ihren inhaltlichen Herzensthemen Stadtentwicklung, Architektur, Bauen und Wohnen widmen wolle. Außerdem plane sie, wieder ihrem Beruf nachzugehen. Und schließlich ist sie auch noch Vorsitzende des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg.

Zudem musste Hanusch erst kürzlich einen frustrierenden Karriererückschlag hinnehmen. Die Grünen hatten sie als neue Leiterin des städtischen Baureferats vorgeschlagen, die CSU hatte jedoch Zweifel an ihrer Qualifikation angemeldet und die Regierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde eingeschaltet. Diese entschied im Februar, dass der Posten hätte ausgeschrieben werden müssen; Hanusch zog ihre Bewerbung daraufhin zurück.

Ihr Co-Vorsitzender Florian Roth hatte seine Entscheidung für einen Rückzug von der Fraktionsspitze bereits im Dezember öffentlich gemacht. Er macht kein Geheimnis daraus, dass er gern Kulturreferent werden möchte, und will in den Jahren bis zu dieser Wahl an seiner Qualifikation dafür arbeiten.

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