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Internetverbindung:Herausforderungen beim Ausbau des Glasfasernetzes

Wenn die Straße aufgerissen ist, kommen die Kabel in den Boden, und dann muss noch die Glasfaser eingeblasen werden.

Eine ziemliche Fummelarbeit: Wenn die Straße aufgerissen ist, kommen die Kabel in den Boden, und dann muss noch die Glasfaser eingeblasen werden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Seit Dienstag sind in München nun eine halbe Million Haushalte und Betriebe an das Glasfasernetz der Münchner Stadtwerke angeschlossen.
  • Glasfaser gilt als technologischer Standard der Zukunft, weil es Übertragungsraten im Gigabitbereich ermöglicht.
  • Der Ausbau ist aufwendig: Bis 2021 sollen 70 Prozent aller Haushalte - die Stadtwerke gehen von etwa 825 000 aus - am Glasfasernetz teilhaben.

Clemens Baumgärtner wischt sich den Staub von der dunklen Hose, eine Baustelle ist kein guter Ort für einen Anzug. Der Wirtschaftsreferent der Stadt München steht in der Kainzenbadstraße in Berg am Laim und beugt sich über eine Baugrube. Ein Teil des Gehwegs ist aufgebaggert worden, unten in der Grube liegen die Kabel, die die Zukunft in die Kainzenbadstraße bringen sollen.

Ein Arbeiter im grauen Pullover hält drei Kabelenden in der Hand, blau, grün, weiß, eins für jedes Haus. "Da wird die Glasfaser eingeblasen", sagt der Mann. Dann sind die Hausnummern 1, 3 und 5 endlich zukunftsfähig. Dann kann das Internet in Höchstgeschwindigkeit durch die Leitung rauschen, und das Glasfasernetz in München ist wieder eine Masche dichter. Seit Dienstag sind offiziell 500 000 Haushalte und Betriebe angeschlossen. "Eine ziemliche Fummelarbeit", sagt der Arbeiter mit den Kabeln. Wirtschaftsreferent Baumgärtner nickt.

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Seit zehn Jahren bauen die Stadtwerke München (SWM) zusammen mit der Tochtergesellschaft M-Net das Glasfasernetz aus, vom Zentrum in die Peripherie. Die Innenstadt ist schon lange versorgt. Gerade werden die Gebiete jenseits des Mittleren Rings erschlossen. Bis 2021 sollen 70 Prozent aller Haushalte - die Stadtwerke gehen von etwa 825 000 aus - am Glasfasernetz teilhaben. 190 Millionen Euro will die SWM in das Vorhaben investieren. Fummelarbeit kostet. Der Dienstag markiert mit dem Überschreiten der 500 000er Schwelle eine Art Etappenziel, das laut Baumgärtner gefeiert werden müsse. Bis alle Münchner am Netz hängen, komme keine rundere Zahl mehr.

Das Münchner Glasfasernetz sei "einzigartig", sagt Florian Bieberbach, Vorsitzender der SWM-Geschäftsführung. Die Kabel, dünn wie Haare, gelten als technologischer Standard der Zukunft. Die Verlegung ist allerdings aufwendig, weil Straßen aufgerissen und kilometerlange Leitungen gezogen werden müssen. Vor allem die letzten Meter zu jedem Gebäude gelten als schwierig. Viele Internetanbieter legen deshalb Glasfaserkabel nur in die allgemeinen Verteilerkästen - und nutzen für die letzten Meter ältere Kupfertechnik, durch die das Internet langsamer fließt. Wer nur im Internet surft, Filme streamt und E-Mails verschickt, kommt damit problemlos zurecht. Doch gerade Unternehmen und Betriebe, die regelmäßig riesige Datenpakete verschicken müssen, sind zunehmend auf Übertragungsraten im Gigabitbereich angewiesen. Sie brauchen also Glasfaser.

In Bayern, so hat es die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft vor Kurzem ausgerechnet, sind nur zwölf Prozent der Haushalte direkt ans Glasfasernetz angeschlossen. Ganz Deutschland hinke bei dem Thema hinter den Hightechstaaten wie Südkorea oder Skandinavien her, findet auch Baumgärtner. Im Grunde könne nur München mithalten, hier sind inzwischen rund 60 Prozent der Haushalte angedockt.

Trotzdem gibt es noch weiße Flecken. Immer wieder klagen vor allem am Stadtrand gelegene Bezirke über zu langsames Internet. Der SWM-Chef Bieberbach vergleicht den Ausbau am Dienstag mit einer Bergbesteigung: Es gebe ein Tal, ein Hochplateau, das die Stadt aus seiner Sicht soeben erreicht hat, und einen Gipfel - "am Gipfel sind wir noch nicht."

Ein Problem: Der Ausbau wird weniger profitabel, je weiter man sich vom dicht besiedelten Zentrum entfernt. Es braucht viel längere Kabel, um dieselbe Zahl Haushalte zu erreichen. "Technisch ist es allerdings leichter, in Aubing oder Trudering zu bauen als in der Maxvorstadt", sagt Baumgärtner.

Die bisherigen Planungen laufen bis 2021. Anschließend dürfte es kleinteiliger weitergehen. Welche Gebiete als nächstes ans Netz angeschlossen werden, wie viel der weitere Ausbau kostet, wann das Glasfasernetz ganz München umspannt - all diese Fragen seien noch offen, sagt Baumgärtner. Die Fummelarbeit dürfte wohl noch eine Weile weitergehen.