Giesing:So soll der neue Grünspitz aussehen

Lesezeit: 3 min

Giesing: Eingang an der "Spitze", links ist die Martin-Luther-Straße zu sehen. Simulation: raumzeug - Atelier für Landschaftsarchitektur

Eingang an der "Spitze", links ist die Martin-Luther-Straße zu sehen. Simulation: raumzeug - Atelier für Landschaftsarchitektur

Das Baureferat stellt seine Pläne für die beliebte Erholungsfläche in Giesing vor. Der bisherige Charakter soll trotz einiger baulicher Veränderungen erhalten bleiben. Nicht alle im Viertel sind davon begeistert.

Von Ilona Gerdom

Kurz nach zwei am Freitagnachmittag: Ein paar Männer sitzen unter den Kastanien am Giesinger Grünspitz. Daneben stehen etwa 20 Menschen um ein weißes Zelt herum. Aufgestellt hat es das Baureferat, um die neuen Pläne für den öffentlichen Platz vorzustellen. Auf den ersten Blick wird sich durch die Umgestaltung nicht viel ändern. Darüber sind die einen erleichtert, die anderen entsetzt.

"Was ist da jetzt neu?", fragt ein Bürger ratlos. Ein anderer findet: "Da ändert sich ja nix." Man könnte denken, dass Landschaftsarchitekt Felix Lüdicke nun gekränkt ist. Stattdessen freut er sich. Das sei das erhoffte Feedback. "Es soll nicht alles total neu sein", erklärt er. Ein paar Dinge ändern sich aber trotzdem. Das Plateau wird um circa 400 Quadratmeter zur Tegernseer Landstraße und zur Spitze im Süden hin vergrößert. Geplant sind eine neue Treppe, ein barrierefreier Zugang, eine kleine Mauer und eine Hecke, um den Ort von der Martin-Luther-Straße abzuschirmen. Etwas von seinem "alternativen Charme" - so nennt es ein Giesinger - wird der Platz einbüßen, indem die Sitzgelegenheiten ersetzt werden. Wenn das Areal an das Baureferat übergeht, ist es auch für den Unterhalt zuständig. Daher brauche man "ordentliches Mobiliar" - vor allem müsse es "vandalismussicher" sein, erläutert Eva Prasch vom Gartenbauamt. Laut ihr werde der Bezirksausschuss (BA) noch in diesem Jahr eine Beschlussvorlage zum Umbau bekommen.

Eine Stunde später. Eltern schieben Kinderwägen über den Schotter. Junge Leute sitzen in Liegestühlen. Dazwischen steht einer mit Sonnenbrille, das Gesicht zur Sonne gewandt. Seit 20 Jahren wohne er im Viertel. Nicht weit vom Grünspitz, den er ins Herz geschlossen hat: "Das hier ist ein schöner, alternativer Ort, um sich zu treffen." Die Ideen der Landschaftsarchitekten gefallen ihm. Christina Pirner von Green City stimmt zu.

Der Verein hatte 2014 im Zuge der Stadtteilsanierung damit begonnen, die Dreiecksfläche zu bespielen. Entwickelt hat sich ein Gemeinschaftsprojekt für die Nachbarschaft. Mit Ende der Städtebauförderung war die Finanzierung immer wieder kritisch. Bis Ende 2022 ist sie nun gesichert, ob Green City dann nochmal einspringt, bis das Baureferat seine Pläne verwirklicht, ist offen. Klar ist zumindest aus Priners Sicht: "Die Identifikation mit dem Platz ist groß." Das zeigte sich im vergangenen Jahr, als 4781 Menschen die Petition #jazumgrünspitz unterstützten.

Der Kiosk ist einigen Nachbarn ein Dorn im Auge

Einer, der bestimmt nicht unterschrieben hat, ist Robert Motschenbach. Ihn ärgert das Projekt wegen der Lautstärke: "Was wir auf jeden Fall nicht wollen, sind nächtliche Feiern." Gerade an Spieltagen im Grünwalder Stadion sei der Grünspitz "eine Partymeile". So oder ähnlich sehen es viele Anwohner. Ein paar wollen ein Alkoholverbot. Eine Frau, die in einem der oberen Stockwerke gegenüber wohnt, hatte sich eine Lärmschutzwand erhofft. Geplant ist so etwas aktuell nicht. "Der bauliche Aufwand, um wirklich einen Lärmschutz zu erzielen, würde den Charakter der Fläche völlig verändern", sagt Andreas Herrmann vom Baureferat.

Ein Dorn im Auge ist einigen auch der Kiosk, den es seit 2019 gibt. Ein paar Meter davor endet in Zukunft die öffentliche Grünfläche. Kiosk und Toilettenwagen befinden sich auf einer Fläche, die das Kommunalreferat verwaltet. Sie können vorerst bleiben. Allerdings gibt es für den nördlichen Teil des Areals einen Bebauungsplan. "Der Kiosk kann bleiben, solange die Bebauung nicht kommt", so Prasch.

Während die Nachbarn im Laden einen Störfaktor sehen, findet die Green-City-Vertreterin die Bude "superwichtig", denn Betreiber und Angestellte hätten neben dem Verein "ein Auge auf alles". Wer das künftig übernimmt, gehört zu den großen Fragezeichen. "Nur durch bauliche Umgestaltung ist nichts geklärt", sagt Pirner. So sieht es auch Carmen Dullinger-Oßwald (Grüne), Vorsitzende des BA: "So ein Platz funktioniert nicht einfach. Es muss jemand da sein." Deshalb forderte das Gremium jüngst eine "sozialpädagogische Betreuung". Wie die aussehen könnte, liegt nun beim Sozialreferat.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusWohnen in München
:So lebt es sich im Arabella-Hochhaus

Es ist eines der markantesten Gebäude in München: Im Arabella-Hochhaus wohnen Professorinnen und Sex-Beraterinnen, in der Sauna gibt es Tratsch - und zwischen den alten Mauern unzählige Geschichten. Ein Besuch.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB