9. November:Welche Gedenkveranstaltungen in München geplant sind

Der 9. November gilt als Schicksalstag der Deutschen. In München wird neben dem 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls auch an Georg Elser erinnert, den Schreiner, der vor 80 Jahren Adolf Hitler töten wollte.

Von Martin Bernstein

Ausrufung der Weimarer Republik 1918 und Hitlerputsch 1923, Pogromnacht 1938 und Mauerfall 1989. Spätestens seit jenem letzten Ereignis ist oft die Rede vom 9. November als dem "Schicksalstag" der Deutschen. Doch auch wenn man keine höheren Mächte bemüht, zeigen die Tage um den 9. November wie in einem Brennglas entscheidende Wendepunkte deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert. In München wird in mehreren öffentlichen Veranstaltungen an diese Ereignisse erinnert.

Am 8. November vor 80 Jahren versuchte der Schreiner Georg Elser, mit einer Bombe im Bürgerbräukeller Adolf Hitler zu töten, um den Krieg zu stoppen. Das Attentat schlug fehl, Hitler hatte den Saal ungeplant früh verlassen, der Widerstandskämpfer wurde gefasst und im April 1945 im Konzentrationslager Dachau ermordet. Die Stadt und das NS-Dokumentationszentrum erinnern am Donnerstag (19 Uhr, Alter Rathaussaal, Eintritt frei) mit einer Podiumsdiskussion an Elser. Der Historiker und Autor Sascha Lange, die Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung Stefanie Schüler-Springorum und der US-amerikanische Historiker Alan E. Steinweis diskutieren. Ein dokumentarisches Puppenspiel behandelt am Freitag (20 Uhr, Stadtmuseum, Kartenvorverkauf) die Rolle, die Elser für Historiker und diverse politische Strömungen eingenommen hat. Ebenfalls am Freitag (19 Uhr, Aula des Wilhelmsgymnasiums) lädt Hella Schlumberger von der Elser-Initiative zu einer literarisch-politischen Collage ein.

Oberbürgermeister Dieter Reiter, die Münchner Ehrenbürgerin und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Charlotte Knobloch und der Publizist Michel Friedmann sprechen beim Gedenkakt zum 81. Jahrestag der Pogromnacht am Samstag (19.00 Uhr, Alter Rathaussaal, Teilnahme ohne Voranmeldung möglich). Am Sonntag (11.30 bis 14.30 Uhr am Gedenkstein der ehemaligen Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße hinter dem Künstlerhaus) verlesen prominente Münchner und Vertreter gesellschaftlicher Institutionen Kurzbiografien jüdischer Bürgerinnen und Bürger, die vor und während der NS-Zeit für demokratische Werte einstanden, die den Grundwerten der republikanischen Verfassung treu blieben und Widerstand leisteten. Diese Münchner fielen der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zum Opfer; nur wenige überlebten. Weitere Lesungen finden in mehreren Stadtvierteln statt (www.gedenken9nov38.de).

Eine Plakatausstellung auf zwei Litfaßsäulen am Odeonsplatz illustriert noch bis zum Montag das gesellschaftliche Klima im München der frühen Zwanzigerjahre, das von wachsendem Antisemitismus bis hinein in die Mitte der Gesellschaft geprägt war und so erste staatliche Unterdrückungsmaßnahmen gegen Juden in Bayern und den Hitlerputsch vom 9. November 1923 ermöglichte.

Eine weitere Plakatausstellung erinnert im Foyer des Landratsamts (Mariahilfplatz 17, ebenfalls bis Montag, nur werktags, Eintritt frei) an den Mauerfall vor 30 Jahren. Einen Abend mit berührenden Werken zeitgenössischer Komponisten in der Emmauskirche Harlaching (Samstag, 19 Uhr, Kartenvorverkauf) widmet der Münchner Konzertchor den Opfern an der innerdeutschen Grenze.

© SZ vom 07.11.2019/tah
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB