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Aktionsplan:Ein kleines bisschen Freiheit

Bürgermeisterin Verena Dietl und der Behindertenbeauftragte Oswald Utz stellen die neuen Taxis vor.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Mit Fördergeld der Stadt sollen Taxiunternehmen ihre Autos rollstuhlgerecht umrüsten

Nachts spontan ein Taxi zu rufen, war Rollstuhlfahrern in München bisher kaum möglich. Wer seinen Rollstuhl nicht verlassen kann, musste Tage im Voraus einen Fahrdienst bestellen, doch die Fahrdienste sind oft ausgebucht. Oswald Utz, der Behindertenbeauftragte der Stadt, ist auf einen Rollstuhl angewiesen und weiß, wovon er redet. Mal raus zur Fröttmaninger Arena zu einem Fußballspiel? "Da muss man wochenlang vorher buchen", sagt er. Doch nun verbessert sich die Situation in München. Die Stadt fördert Taxiunternehmen bei der Umrüstung von Fahrzeugen mit bis zu 10 000 Euro pro Auto. Soviel kostet in etwa der Umbau, bei dem die Taxis mit Rampen und Sicherheitsausstattung ausgerüstet werden.

Entstanden ist das Förderprogramm durch den zweiten Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, den der Stadtrat im April 2019 beschlossen hat. Insgesamt stellt die Stadt 300 000 Euro bereit, verteilt auf drei Jahre. So können pro Jahr bis zu zehn Fahrzeuge mithilfe städtischer Mittel umgerüstet werden.

Am Freitag stellten Münchens Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD), Oswald Utz, Franz Göppel vom Behindertenbeirat sowie die Taxiunternehmer Florian Bachmann und Max Jung-Grundmann die ersten beiden mit Fördergeld umgebauten Wagen vor. Bachmann hat einen Nissan umrüsten lassen, Jung-Grundmann einen Toyota. Die Wagen sind an mindestens drei Abenden pro Woche bis Mitternacht in Betrieb, außerdem auch an Wochenenden und Feiertagen.

"Uns ist es wichtig, ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen", sagt Dietl. Nun könnten sich Rollstuhlfahrer und -fahrerinnen flexibel und unabhängig im Taxi befördern lassen, ohne den Rollstuhl verlassen zu müssen. "Das ist ein großer Fortschritt für die Stadt München", so Dietl.

Sozialreferentin Dorothee Schiwy appelliert an alle Taxiunternehmen, das Förderprogramm zu nutzen. Man wolle sicherstellen, dass die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben nicht nur auf dem Papier steht, sondern tatsächlich möglich ist. Was die generelle Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr betrifft, so hat sich laut Oswald Utz schon viel verbessert in den vergangenen Jahren. Doch es gibt noch immer einiges zu tun. Man müsse dabei berücksichtigen, sagt Utz, dass München eine Großstadt ist. Das gehe eben nicht von heute auf morgen.

© SZ vom 31.10.2020 / schub/van
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