Eulenspiegel Flying Circus:Die Münchner Open-Air-Saison beginnt

Claudia Koreck

Die Traunsteiner Singer-Songwriterin Claudia Koreck tritt beim "Flying Circus" in Passau und München auf.

(Foto: Gunnar Graewert)

Von Claudia Koreck bis Josef Hader: Im Innenhof des Deutschen Museums startet die Live-Saison vor Publikum. Zahlreiche Musiker und Kabarettisten treten hier auf, etliche Premieren sind zu sehen.

Von Oliver Hochkeppel

Déjà-vu-Erlebnisse hatte man als Kulturfreund ja so einige im vergangenen Jahr. Wieder und wieder wurden die meisten Vorstellungen oder Konzerte verschoben und verlegt, dann keimte Hoffnung auf, bis wieder verschoben oder schließlich ganz abgesagt wurde. Eines der wenigen angenehmen Déjà-vus durfte man jetzt im Innenhof des Deutschen Museums haben.

Wie vor fast einem Jahr luden dort Münchens Kleinkunst-Oberveranstalter Till Hofmann und Generaldirektor Wolfgang M. Heckl zu einer Pressekonferenz unter der großen Museumsuhr. Damals stand ein gutes Dutzend Kabarettisten, Musiker und Wissenschaftler Spalier, um die neue Kooperation des Technikmuseums mit der Kleinkunstszene vorzustellen, die einen Weg aus dem ersten Lockdown und der anhaltenden Unbespielbarkeit der Bühnen und Clubs weisen sollte: Die Kombination von "Science Summer", mittäglichen Vorführungen und Experimenten, die unter Corona-Bedingungen im Museumsinneren nicht mehr möglich waren, und dem "Eulenspiegel Flying Circus", Hofmanns Kultur-Wanderbühne, auf der hier abends Kabarett, Comedy, Literatur und Musik ein Refugium fanden.

Diesmal waren nur drei Zugpferde des Programms gekommen. Gitarrist, Filmmusik-Professor und Milla-Mitbetreiber Gerd Baumann, der mit seiner mit Bananafishbone-Sänger Sebastian Horn so erfolgreich installierten Band Dreiviertelblut die Bühne fünf Mal und damit mit am häufigsten bespielen wird. Singer/Songwriter-Star Claudia Koreck, die mit ihrem neuen Album "Perlentaucherin" - ihrem ersten Coveralbum mit Lieblingssongs aus dem Great German Songbook - gerade die Charts stürmt. Und erneut Comedian Michael Mittermeier, der es mit seinem - als erstes von vielen anderen erschienenen - Corona-Tagebuch auch zum Bestseller-Autor gebracht hat.

Deren Beitrag beschränkte sich im Wesentlichen auf Interviews, auch die Einführungsreden fielen kurz und knapp aus. War diesmal doch alles selbsterklärend: Weder den "Science Summer" noch den "Flying Circus" musste man diesmal vorstellen. Beide, insbesondere der mehrfach bis zum ultimativen Sommerende verlängerte Flying Circus wurden tragende Säulen des Veranstaltungskalenders 2020, Letzterer schwang sich bis zu einem gewissen Grad zum Leuchtturm der gebeutelten hiesigen Kleinkunstszene auf. Die Fortsetzung im Sommer 2021 war dementsprechend seinerzeit bereits beschlossen und angekündigt.

Eulenspiegel Flying Circus

So war's im vergangenen Jahr, so wird's ab Freitag wieder sein: die Bühne des "Flying Circus" neben der Turmuhr des Deutschen Museums.

(Foto: Flo Huber)

Man ist kein Pessimist, wenn man feststellt, dass der Flying Circus auch heuer der Kristallisationspunkt der großen Kleinkunst im Münchner Raum sein wird. Vor Herbst wird keine der kleinen Brettl oder Bühnen indoor einen wirtschaftlich tragfähigen Dauerbetrieb aufziehen können. Dementsprechend ungeduldig saß Till Hofmann bereits in den Startlöchern, um die Kleinkunst-Sommersaison wie im vergangenen Jahr mit dem Flying Circus im Deutschen Museum zu eröffnen.

Eigentlich sollte es schon vor einer Woche losgehen. Doch bei den Öffnungsszenarien der Ministerien und Ämter wurde die Open-Air-Kultur (wieder einmal) vergessen. So mussten die ersten sieben Termine noch einmal verschoben werden. Inzwischen sind sie alle schon wieder eingeplant, samt der nun auf den 24. August gelegten Eröffnungs-Mixed-Show "Gästeliste Geisterbahn".

So wird jetzt am Freitag das frisch mit dem Bayerischen Kabarettpreis dekorierte Musikkabarett-Duo Suchtpotenzial mit Julia Gámez Martin und Ariane Müller das eröffnen, was man ein einziges großes Kleinkunst-Festival nennen könnte. Bis zum 30. September geht es Schlag auf Schlag und Tag für Tag weiter, nur ganz wenige Abende sind noch nicht verplant.

Eulenspiegel Flying Circus: Auftakt mit "Suchtpozenzial": Das gleichnamige Duo ist kürzlich mit dem Bayerischen Kabarettpreis ausgezeichnet worden.

Auftakt mit "Suchtpozenzial": Das gleichnamige Duo ist kürzlich mit dem Bayerischen Kabarettpreis ausgezeichnet worden.

(Foto: Thorsten Goltz)

Alles, was in der Szene Rang und Namen hat, gibt sich die Ehre. Die Kabarett-Palette reicht von Lokalmatadoren wie Luise Kinseher, Maxi Schafroth, Simon Pearce oder Max Uthoff bis zu nationalen Größen wie Horst Evers, Sebastian Pufpaff oder dem Ensemble des Düsseldorfer Kom(m)ödchen. Etliche Premieren werden zu sehen sein, unter anderem von Christian Springer, Torsten Sträter, Stefan Leonhardsberger, Rainald Grebe, Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig, Helge Schneider, Jan-Philipp Zimny, Abdelkarim, und Christian Ehring. Comedians sind ebenso dabei wie Musikkabarettisten aller Art, seien es die CubaBoarischen oder die Chansonniers Pigor & Eichhorn. Und natürlich liegt ohnehin viel Musik in der Luft, von Werner Schmidbauer oder Hans Söllner bis zu Bernadette La Hengst oder einem Jazz Organ Summit.

Auch der enge Bezug Hofmanns zur Wiener Szene schlägt sich deutlich nieder: Von Josef Hader, Alfred Dorfer und Gunkl über Roland Düringer und Robert Palfrader bis zu Stermann & Grissemann, den Staatskünstlern, Maschek oder den Science Busters sind die bekanntesten Kabarettisten an Bord, und auch die üblichen musikalischen Verdächtigen vom Nino aus Wien, Ernst Molden oder Voodoo Jürgens bis zu Wolfgang Ambros sind vertreten.

All das passiert zunächst vor 250 geimpften oder getesteten Zuschauern - praktischerweise befindet sich im Deutschen Museum ein Testzentrum. "Wir hoffen, bald auf 400 Zuschauer gehen zu können wie zuletzt," sagt Hofmann. Außerdem setzt er auf das Pop-Festival-Modell: "Wir wollen bei jedem Wetter spielen." Schließlich beschränkt sich der Flying Circus auch nicht auf den Innenhof des Deutschen Museums. Wie im vergangenen Jahr bespielt Hofmann mit dieser Marke und unter diesem Namen auch den Domplatz und die Ortsspitze in Passau sowie - als echte Wanderbühne - die schönsten Plätze in ganz Bayern, von Bärnau und Niederalteich bis Hauzenberg und Bodenmais.

Und in München finden nicht nur die Cabaret-Soiréen der Lach- und Schießgesellschaft wieder im Garten der Seidlvilla statt, Hofmann hat - nicht zuletzt anlässlich mehrerer Haus-Jubiläen - auch weitere Spielorte in Schwabing aufgetan, in denen es erst in den kommenden Wochen losgeht. Zwei wunderschöne, allgemein kaum bekannte Innenhof-Parks nämlich: den der Katholischen Akademie vor dem Schloss Suresnes, und dem des Institut français in der Kaulbachstraße. Aber das ist eine andere Geschichte.

Eulenspiegel Flying Circus, Freitag, 21. Mai, bis Donnerstag, 30. Sept., Innenhof des Deutschen Museums, www.eulenspiegel-flying-circus.de

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