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München:Drogen aus dem Uni-Labor

Wenn ein Uni Labor Ort für geheime Machenschaften wird.

(Foto: Collage SZ.de)
  • Ein Mitarbeiter der Chemie-Fakultät steht im Verdacht, in einem Labor der Ludwig-Maximilians-Universität Drogen auf ihre Reinheit getestet zu haben.
  • Der 27-Jährige soll auch versucht haben, selbst mit Amphetamin und Ecstasy zu handeln.
  • Zollfahnder nahmen den Verdächtigen in der Uni fest. Nun sitzt er in Untersuchungshaft.

Von Sebastian Krass, Kathrin Stein und Susi Wimmer

Drogenlabor in der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU): Ein Mitarbeiter der Chemie-Fakultät steht im Verdacht, an seinem Arbeitsplatz verschiedene verbotene Rauschmittel auf ihre Reinheit getestet zu haben. Ende Juli wurde der 27-Jährige aus Fürstenfeldbruck in der LMU festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Entsprechende Informationen der Süddeutschen Zeitung bestätigt Peter Preuß, Sprecher der Staatsanwaltschaft München I. "Der Tatvorwurf ist: Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge."

Wie Zollfahnder dem Mann auf die Spur kamen

Der Verdächtige soll im Auftrag eines Geschäftspartners aus Berlin "mehrmals größere Mengen Amphetamin, Methamphetamin (Bestandteil von Crystal Meth, d. Red.) und Kokain labormäßig untersucht und eine Expertise erstellt haben". Außerdem wird dem Festgenommen vorgeworfen, Amphetamin und Ecstasy bestellt zu haben, um diese Drogen selbst zu verkaufen. Es sollen jeweils "Mengen im dreistelligen Grammbereich" gewesen sein, sagt Preuß.

Zollfahnder kamen dem Mann im Zuge von Ermittlungen gegen einen mutmaßlichen Drogenhändler aus Berlin auf die Spur. Bei der Untersuchung von dessen Kontakten tauchte die Verbindung in den Raum München auf.

Wie die Ermittlungen nun weitergehen

Am 30. Juli rückten Zollfahnder auf dem Hightech-Campus der LMU in Großhadern und Martinsried an und fanden den Verdächtigen bei der Arbeit. Die Ermittler beschlagnahmten seinen Dienstrechner und Labordaten. Außerdem stellten sie beim Verdächtigen zu Hause "diverse elektronische Geräte sicher, darunter Laptops, die nun ausgewertet werden", erklärt Preuß.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurden die Drogenproben per Post von Berlin in den Raum München geschickt, die Laboruntersuchungen in der LMU sollen zwischen Anfang November 2014 und Anfang Januar 2015 vorgenommen worden sein. Die Angaben könnten sich im Lauf der Ermittlungen aber noch ändern, betont der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ob der 27-Jährige Komplizen in München hatte, ist noch offen.

Die Ermittler gingen zunächst davon aus, dass der Verdächtige Student sei. Er selbst sagte bei einer Vernehmung, er sei Mitarbeiter der LMU. Der Lehrstuhl führt ihn online als "M.Sc.", demnach hat er einen Master-Abschluss. Weitere Angaben machte der Chemiker bei den Vernehmungen bisher offenbar nicht. Ob er selbst Drogenkonsument ist oder war, wird noch untersucht.

Wie LMU-Verantwortliche reagieren

Der Vorfall erinnert an die US-Serie "Breaking Bad", in der ein Chemielehrer zum Drogenproduzenten wird. Wie bewertet die LMU den Fall? "Die Uni ist informiert worden", erklärt der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Allerdings kam die Information intern längst nicht bei allen Verantwortlichen an. Der Dekan der Fakultät für Chemie und Pharmazie, Karl-Peter Hopfner, erfuhr nach eigenen Worten erst durch einen Anruf der SZ von dem ungewöhnlichen Vorfall. Deshalb könne er dazu keine Auskunft geben, sagte er am Montagmittag. Allerdings erklärte er grundsätzlich, dass die private Nutzung von Laboreinrichtungen in jedem Dienstvertrag untersagt sei. Natürlich würde die Nutzung der Anlagen auch überwacht. Es sei "kriminelle Energie" nötig, um zu verbergen, dass man die Labore für Drogenuntersuchungen nutze.

Auch die Uni-Leitung habe von der Festnahme auf dem Campus nichts gewusst, erklärt eine LMU-Sprecherin. Allerdings sei jemand aus der Rechtsabteilung über die Sache informiert gewesen. Die Sprecherin betont, der Verdächtige sei kein fester Mitarbeiter, sondern "eine wissenschaftliche Hilfskraft, deren Vertrag am 15. September dieses Jahres ausläuft".

Kollegen des Verdächtigen wollten sich nicht zu dem Fall äußern. Sie verwiesen auf den Inhaber des Lehrstuhls, der aber am Montag nicht erreichbar war.

© SZ vom 11.08.2015/sekr

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