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Corona-Hobbies:Haustiere aus dem Topf

Da drin könnten sie leben, die einfach zu pflegenden, aber doch ganz schön lästigen Haustiere.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Pandemie hat die Nachfrage nach tierischen Begleitern sprunghaft steigen lassen. Zeit, sich mit unkonventionellen Ideen anzufreunden.

Glosse von Philipp Crone

Ein Haustier zu halten, muss nicht schwer sein. Überlegungen zur voraussichtlichen langfristigen Gassi-Disziplin, zum Ertragen vom Duft nassen Fells, zu Kratz-Katzen und deren unerwiderter Liebe, die kann man sich alle sparen. Und dabei geht es nicht um Ziervögel jedweder Art, die in vergoldeten Käfigen rumflöten sollen. Auch nicht um Fische.

Denn die koten zwar nicht wie alle anderen vorgenannten Viecher so, dass der Halter handeln muss, dafür ist beim Aquarium schon immer der größte Trugschluss, dass man da nichts zu tun hätte und sich einfach nur die niedlich rumblubbernden Tierchen zur Entspannung anschauen kann. Nein, für einfachste Haustier-Unterhaltung muss man sich eigentlich nur eine Topfpflanze besorgen.

Trauermücken, die man bei artgerechter Haltung dann automatisch dazubekommt, wie die Floristik-Experten bestätigen, sind einfach wunderbar. Sie sind normalerweise nicht so penetrant im Anflug wie die sommerlichen Fruchtfliegen, sondern hocken oft eher faul irgendwo rum. Das ist doch gerade derzeit besser als nichts, wenn sich wenigstens in der Küche tierisch was rührt.

Der Florist erklärt, dass die Mücken ihre Eier in den Substraten von Topfpflanzen ablegen und die geschlüpften Larven sich dann vor dem ersten Flug erst einmal an der sie umgebenden Biomasse ordentlich sattfressen. Wenn nun der ein oder andere mehr Trauermücken domestiziert hat als bisher oder erwünscht, kann das auch am Lockdown liegen. Mehr daheim, mehr Zeit zum Gießen und schon sind die Pflanzen völlig übergossen, was die Pflanze blöd und die Mücke toll findet.

Noch ein Vorteil beim Haustier Trauermücke ist neben der Fähigkeit zur Selbstfütterung der Insekten und dem selbständigen Gassi-Fliegen in der Wohnung, dass man sie jederzeit auch wieder abgeben respektive ausrotten kann. Wer die Brutalo-Methode namens Gelbtafeln voller Leim umgehen möchte, kann auch einfach eine kleine (einen Zentimeter dicke) Sandschicht in seine Pflanzentöpfe gießen. Sieht ein bisschen aus wie Karibik - und die Larven verhungern ganz klammheimlich.

© SZ vom 10.02.2021/infu
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