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Kaffeerösterei Vogelmaier:Hier ist weniger mehr - außer beim Kaffee

In der Haidhauser Kaffeerösterei Vogelmaier wird der Kaffee von ausgebildeten Baristi zubereitet.

(Foto: Gino Dambrowski)

Die Frühstückskarte der Kaffeerösterei Vogelmaier in Haidhausen ist klein, aber fein. Umso größer ist die Kaffee-Auswahl. Die Bohnen werden vor Ort frisch geröstet.

Von Katharina Federl

Nach dem Aufstehen eine kleine Tasse frisch aufgebrühter Filterkaffee - das ist für Stefan Vogelgesang "purer Genuss". Seine Frau Christiane Maier trinkt morgens zwar lieber Tee, ist jedoch nicht weniger leidenschaftlich, wenn es um Kaffee geht. Den trinke sie "eigentlich schon immer", "zwar nicht viel, aber immer guten".

Was guter Kaffee ist, das wird klar, wenn man die Kaffeerösterei Vogelmaier in der Einsteinstraße besucht. Elf Jahre lang sei die Idee einer eigenen Rösterei in ihren Köpfen gereift, erzählt die 54-jährige Maier, die wie ihr Mann ursprünglich in der IT-Branche tätig war. Bis zur Eröffnung im August 2016 haben sie die Zeit genutzt, um an Messen und Workshops teilzunehmen, sich in Berlin und Ecuador ausbilden zu lassen und in Ursprungsländer wie Äthiopien, El Salvador und Ruanda zu reisen. Dort lernten sie nachhaltig arbeitende Produzenten kennen, von denen sie bis heute ihre Kaffeebohnen beziehen.

Christiane Maier und Stefan Vogelgesang rösten die Kaffeebohnen selbst.

(Foto: Gino Dambrowski)

Die Bohnen werden im hinteren Teil des Cafés geröstet - kein Wunder also, dass einem schon beim Eintreten der Duft von frischem Kaffee in die Nase steigt. Und auch die Innengestaltung lässt wenig Zweifel, worauf im Vogelmaier der Fokus liegt: Eine alte Kaffeemühle ziert das Wandregal, eine Kaffeepflanze den Tisch und verschiedenes Kaffeezubehör ist am Eingang zum Verkauf ausgestellt. Eingerichtet ist das Vogelmaier in einem - wie die Inhaber es beschreiben - "modernen Alpinstil", der schlichtes Design mit viel Holz verknüpft.

Was gibt es da und was kostet es?

Wer seine Bohnen nicht online bestellen, sondern selbst abholen und noch etwas am "Lieblingsplatz" - so haben Maier und Vogelgesang den Tisch direkt neben der Röstmaschine genannt - verweilen will, dem wird zusätzlich zum leckeren Kaffee eine kleine, aber feine Frühstückskarte geboten.

So gibt es etwa Kuchen, Croissants, Brezn und belegte Semmeln aus der Bäckerei um die Ecke. Das "Kleine Frühstück" kostet 4,50 Euro und besteht aus einem Croissant mit Butter, Marmelade und frischem Orangensaft. Außerdem zu empfehlen ist das Müsli mit Beeren, Milch und Yoghurt für 3,80 Euro. Außerdem kann man sich ein Stück New York Cheesecake für 3,50 Euro vom Café Fräulein bestellen oder eine Zimtschnecke aus der Zimtschneckenfabrik in Giesing für 2,50 Euro, die es wahlweise auch mit Apfel gibt

Das "Kleine Frühstück": ein Croissant mit Butter, Marmelade und frischem Orangensaft.

(Foto: Gino Dambrowski)

Große Auswahl gibt es hingegen bei den Kaffeevariationen. Acht verschiedene Espressi-Sorten aus acht verschiedenen Ländern werden angeboten, egal ob als Espresso für zwei Euro, Cappuccino je nach Größe für drei oder vier Euro, Latte Macchiato oder Flat White für 3,50 Euro. Je nach Jahreszeit kommen "saisonale Schmankerl" dazu, seit vergangenem Winter gibt es etwa den beliebten "Gipfelstürmer", der Kaffebohnen aus Kolumbien, Peru und Brasilien vereint. Extra für das Viertel wurden außerdem die Filterkaffee-Mischungen "Haidhauser" und "Einstein 125" hergestellt - benannt nach der Adresse des Vogelmaier.

Mit einem Schmunzeln verrät Vogelgesang dann seine speziellste Kreation: den "Schlabber-Café", für den er einen Espresso-Shot Filterkaffee in der Siebträgermaschine zubereitet und anschließend aufgeschäumte Pflanzenmilch hinzugibt. Den mixt der 55-Jährige jedoch nur für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die alle selbst ausgebildete Baristi sind. Wer also noch nicht weiß, ob er seinen Kaffee lieber mild, schokoladig oder fruchtig haben möchte, kann sich ausgiebig beraten lassen. Unter der Leitung von Maier und Vogelgesang gibt es ein- bis zweimal pro Monat auch Schulungen für Kunden. Außerdem wird einige Male im Jahr ein "Kaffee-Genussseminar" angeboten.

Wer geht da hin und wie lange bleibt man?

Knapp eineinhalb Jahre habe es gedauert, bis das Vogelmaier von den Münchnern angenommen wurde, sagen die Betreiber. Mittlerweile freue man sich jedoch über einen "sehr hohen Stammkundenanteil". Viele verbringen nur wenige Minuten im Café, um ein paar Worte mit den auffallend netten Mitarbeitern zu wechseln und eine Packung frische Bohnen mitzunehmen. Einige kommen aber auch mit Laptops zum Arbeiten oder für einen kleinen Snack.

In der Kaffeerösterei ist immer was los.

(Foto: Gino Dambrowski)

Zwar ist die Kaffeerösterei in der Einsteinstraße kein typischer Ort für ein ausgedehntes Frühstück am Samstagvormittag, gerade auch, weil dort stets viel Betrieb herrscht. Doch wem guter Kaffee wichtiger ist als eine üppige Mahlzeit, der ist hier genau richtig. Und klingt das nicht einladend? Mit einer Tasse frischem "Haidhauser"-Kaffee am Lieblingsplatz zu sitzen, beim Rösten und Verpacken der Bohnen zuzuschauen und für ein paar Minuten oder Stunden die Zeit zu vergessen.

Kaffeerösterei Vogelmaier, Einsteinstr. 125, 81675 München, Öffnungszeiten: Di. bis Fr. 9 bis 16 Uhr, Sa. 9 bis 14 Uhr, kaffeeroesterei-vogelmaie.jimdo.com

© SZ.de/amm

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