Münchner Bundestagskandidaten im Porträt:Noch mal auf Loos

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Münchner Bundestagskandidaten im Porträt: Am Olympiapark schätzt Bernhard Loos die Ruhe. Als Student lebte er in einem Bungalow im Olympischen Dorf.

Am Olympiapark schätzt Bernhard Loos die Ruhe. Als Student lebte er in einem Bungalow im Olympischen Dorf.

(Foto: Stephan Rumpf)

Um erneut in den Bundestag zu kommen, muss der 66-jährige Bernhard Loos für die CSU den "schwierigsten Wahlkreis in ganz Bayern" gewinnen. Er will die technologische Transformation vorantreiben

Von Anna Hoben

Als Treffpunkt hat Bernhard Loos das Riesenrad im Olympiapark ausgesucht. Freilich nicht, weil der Platz hier gerade nach dem großen Sozialdemokraten Hans-Jochen Vogel benannt worden ist. Sondern weil ihn mit dem Olympiapark viel verbindet. Er kommt gern her, "nach einem schweren Tag oder zum Nachdenken". Er schätzt die Stille, die hier abends meist herrscht, anders als im Englischen Garten, der näher an seiner Wohnung in der Maxvorstadt, aber oft überlaufen ist.

Als Student wohnte er eine Zeit lang in einem Bungalow im Olympischen Dorf, "da hat gewissermaßen meine Freiheit begonnen". Die Freiheit eines jungen Mannes aus dem Allgäu, dessen Vater einst zu ihm gesagt hatte, Studieren sei nicht drin. Der später Unternehmer wurde und noch später als Direktkandidat der CSU für den Münchner Norden in den Bundestag einzog. 2017 war das, mit 62 Jahren war Loos einer der Neulinge im Parlament.

Im Olympiapark hat man sich mit ihm nun in einem kleinen überdachten Biergarten niedergelassen, beim "Sommer in der Stadt". Die Besucher der Fahrgeschäfte trotzen tapfer diesem Sommer, der sich gerade zum nächsten Dauernieselregen anschickt. Kein Wunder, dass Loos beim Haustürwahlkampf schon darauf angesprochen wurde, dass er beim letzten Mal, 2017, aber besser gebräunt gewesen sei.

Und, wie war die erste Legislaturperiode? Loos spricht von "Riesenspaß", aber auch von Arbeitstagen, die nicht vor Mitternacht enden. Von Berlin habe er außer seinem Büro und seiner Wohnung in der Abgeordneten-Schlange, einem 500 Meter langen, geschwungenen Bau nahe dem Kanzleramt, nicht viel gesehen. An den Wochenenden stand Wahlkreisarbeit in München an. Er berichtet von Unterlagenstapeln für den Petitionsausschuss, die täglich eingingen, "so hoch", oberhalb des Tischs hält er die Hand auf Kinnhöhe. Das gewaltige Pensum habe er "vielleicht etwas unterschätzt". Das viele Lesen - manchmal habe er sich gefühlt wie im Studium: alles rein in den Kopf und dann wieder Platz schaffen für das Nächste. Alles in allem aber: "hochinteressant".

Und deshalb will er es noch einmal machen. Mit 66 Jahren in den Ruhestand, das ist seine Sache nicht. Er habe noch viel Energie und einige Projekte. Allen voran: "Die Wirtschaft auf die richtige Spur bringen", nach der Pandemie und mit Blick auf den Wandel in der Arbeitswelt. Als Mitglied im Wirtschaftsausschuss spricht er mit Leidenschaft von der technologischen und digitalen Transformation, wobei es ihm vor allem um die kleineren Mittelständler gehe. Die Klimakrise sehe er als Chance. "Vorgaben und Verbote bringen nichts." Man müsse mehr in Forschung investieren und offen sein für verschiedene Technologien, etwa bei der Mobilität: "Wasserstoff wird ein großes Thema sein."

Loos' Herzensthema aber ist seit jeher die berufliche Bildung, das lebenslange Lernen. Dass er daran mitwirken konnte, dass es nun einen Fortbildungsabschluss gibt, der sich Master Professional nennt, darüber freut er sich. Die Reform der Berufsbildung, 2019 beschlossen, war Loos wichtig. Nicht für jeden sei die universitäre Bildung das Richtige, sagt er, die berufliche Bildung müsse genauso Perspektiven bieten. Von Chancen spricht er immer wieder, und seine eigene Biografie ist ein gutes Beispiel: Er hat in seinem Leben die Chancen ergriffen, die sich ihm boten.

Nach dem Abitur machte er eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann bei Hertie am Münchner Hauptbahnhof. Eine Ausschreibung hatte es nicht gegeben, er war einfach da hineinspaziert und hatte nach der Personalabteilung gefragt. Ein Jahr lang verkaufte er Herrenbekleidung, dann ging er zur Bundeswehr und studierte schließlich doch: Wirtschafts- und Politikwissenschaften an der LMU. Das Studium finanzierte er sich mit Jobs auf dem Bau, bei Brauereien, als Taxifahrer und Eisenbinder. Am liebsten transportierte er Autos für BMW. In der Zeit begann er auch, sich in der CSU zu engagieren, und zog ein eigenes IT-Unternehmen auf.

Nach dem Studium wurde Loos Geschäftsführer beim Kolpingwerk, 1990 kam er in den Vorstand der privaten Wirtschaftsschule Sabel. In Leipzig baute er eine Fachschule für Technik und Wirtschaft auf. Später zog es ihn deutlich weiter gen Osten: Im chinesischen Shenyang half er beim Aufbau einer Stätte für berufliche Bildung.

In CSU-Kreisen war Loos gut bekannt, als er 2017 als Direktkandidat für den Münchner Norden als Nachfolger von Johannes Singhammer aufgestellt wurde. Außerhalb der Partei galt das nicht unbedingt. Was jedoch galt und noch gilt: Der Wahlkreis München-Nord, der das Hasenbergl ebenso umfasst wie Schwabing, ist "eine Herausforderung", wie Loos es ausdrückt, oder auch: "für die CSU der schwierigste Wahlkreis in ganz Bayern". Ein Wechsel-Wahlkreis, den mal die SPD, mal die CSU gewann. 2017 schaffte es Loos mit 32,2 Prozent der Erststimmen. Er weiß, dass es kein Selbstläufer wird, mittlerweile sind auch die Grünen stark. Aber: "Ich glaube, dass ich es wieder packe."

Auf Zoom-Termine haben viele keine Lust mehr, also klingelt Loos an Türen

Schwierig ist heuer auch der Wahlkampf. Präsenztermine gibt es kaum, Diskussionen finden online statt. Kürzlich hat Loos im Netz mit Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) über Ernährung gesprochen, Titel: "Das Gewissen isst mit?" Montag, 8.30 Uhr, ein anderer Termin ließ sich nicht finden. Dass nicht mehr als 30 Teilnehmer zuhörten, habe ihn dann doch ein bisschen gewundert, sagt Loos: "Die Leute gucken ja auch Frühstücksfernsehen." Er versteht aber, dass viele Menschen Zoom-müde sind.

Deshalb setzt er stark auf den Haustürwahlkampf. Vom Olympiapark geht es nun in Loos' Mercedes zur U-Bahn-Haltestelle Milbertshofen. Dort wartet schon ein Trupp von Unterstützern, ausgestattet mit Loos-Flyern, Loos-Kugelschreibern und Regenschirmen. Tür Nummer eins: "Grüß' Sie Gott, mein Name ist Bernhard Loos, ich bin Ihr Bundestagsabgeordneter und wollte Sie auf die Wahl am 26. September aufmerksam machen."

Auch an der zweiten Tür haben sie Glück. "Kommen Sie rein", sagt der ältere Herr, der aufmacht, freudig. Loos entgegnet: "Na, so umständlich wollten wir es nicht machen." Die Zeit ist kostbar, und es warten noch viele Türen. In den nächsten Stunden folgen kurze Einblicke in verschiedenste Lebensrealitäten. Von der jungen Home-Office-Frau in Bambi-T-Shirt und Jogginghose über den Mann ohne deutsche Staatsangehörigkeit, der gar nicht wählen darf ("Aber wenn Sie Merchandise loswerden wollen, nehm ich's gerne") bis zur Seniorin, die nur zögerlich die Tür aufmacht, weil sie Opfer von Trickbetrügern geworden ist. Den Namen seiner Partei nennt Loos dabei kein einziges Mal. Er setzt ganz auf seinen eigenen Namen: "Loos, wie das Los mit zwei o. Ganz einfach zu merken."

In der nächsten Folge der Bundestagskandidaten-Porträts: Florian Post (SPD).

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