Erinnerungskultur:Ein Platz für Hans-Jochen Vogel

Hans-Jochen-Vogel-Platz, 2021

Fortan erinnert im Olympiapark eine Gedenktafel an Hans-Jochen Vogel.

(Foto: Robert Haas)

Am ersten Todestag des beliebten Politikers benennt die Stadt einen kleinen Teil des Olympiaparks nach dem Alt-Oberbürgermeister. Manch einem ist das zu wenig, doch die Familie betont: Mehr hätte der Verstorbene selbst nie gewollt.

Von Anna Hoben

Bei Google Maps findet man ihn noch nicht, dafür in echt, mit Straßenschildern und allem drum und dran: München hat nun einen Hans-Jochen-Vogel-Platz. Wer demnächst im Olympiapark unterwegs ist, etwa weil er beim Sommer in der Stadt eine Runde mit dem Riesenrad drehen oder ein Konzert auf der Bühne im Olympiastadion erleben will, der wird mit ziemlicher Sicherheit auch jene Freifläche überqueren, die nun nach Münchens ehemaligem Oberbürgermeister benannt ist und den größten Teil des bisherigen Coubertinplatzes einnimmt. Am Montag, Vogels erstem Todestag, ist der Platz mit einer Gedenktafel der Öffentlichkeit übergeben worden. Die Tafel zeichnet die Lebensstationen des SPD-Politikers nach.

Einen Platz im Herzen der Münchnerinnen und Münchner habe Vogel schon immer, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bei der Veranstaltung. "Er ist, war und bleibt der verehrte Alt-Oberbürgermeister - das muss man erst mal hinkriegen in dieser schnelllebigen Zeit." Nun gibt es auch einen physischen Platz, der Vogels "enorme Bedeutung" für die Stadt symbolisiert, wie Reiter sagte. Vogel war es, der München zu einer modernen, weltoffenen Metropole entwickelte und die Olympischen Spiele 1972 in die Stadt holte.

Als Zuschauer am Rande des Länderspiels BR Deutschland gegen die UdSSR v li NOK Präsident Willi D; Serie "Auf der Siegerstraße", Sport Region

Hans-Jochen Vogel (rechts mit seiner markanten Brille) 1972 mit dem Architekten des Olympiageländes, Günter Behnisch

(Foto: imago)

Manchen war die Würdigung im Vorfeld nicht weit genug gegangen. Zu den Alternativvorschlägen gehörte die Umbenennung des kompletten Olympiageländes. Dies entsprach jedoch nicht dem Wunsch von Vogels Familie. "Ich bin mir ganz sicher, dass das nie für ihn in Frage gekommen wäre", sagte Vogels Witwe Liselotte der SZ am Montag. Schließlich sei er nicht der einzige gewesen, sondern "einer unter mehreren", die sich für die Olympischen Spiele in München eingesetzt hätten. Sie ist überzeugt, dass die realisierte Lösung seinem Wunsch entspräche. Für Liselotte Vogel war der Montag auch insofern ein besonderer Tag, als ihr Mann genau ein Jahr zuvor gestorben war. 48 Jahre waren die beiden verheiratet. "Nach so langer Zeit ist das wie eine Amputation", sagte sie. "Es ist ein anderes Leben, das muss man erst mal lernen."

Bei der Veranstaltung anwesend war auch Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) - er habe aufgegeben nachzurechnen, die wievielte Nachfolgerin von Vogel sie in dem Amt sei, scherzte OB Reiter. Hans-Jochen Vogel hatte nach seiner Zeit als Münchner Oberbürgermeister eine Reihe von politischen Spitzenämtern innegehabt. Er war Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Bundesjustizminister und im Jahr 1981 Regierender Bürgermeister von Berlin. Von 1987 bis 1991 war er Parteivorsitzender der SPD.

Auch Alt-Oberbürgermeister Christian Ude würdigte seinen Vor-Vor-Vorgänger in einer Rede. Er sei im vergangenen Jahr oft gefragt worden, ob es ein Denkmal für Vogel geben werde. Seine Antwort: Es gebe ja schon jede Menge Denkmäler - vom Olympiaturm und dem Olympiastadion über die U-Bahn, die Fußgängerzone und den Altstadtring bis zu den Stadtvierteln Hasenbergl, Neuperlach oder Fürstenried. All dies entstand in Hans-Jochen Vogels Amtszeit. Damals, so Ude, seien die Olympischen Spiele ein Fest der Völkerverständigung gewesen, ein Fest, das in der ganzen Stadt gefeiert wurde. Wenn heute etliche Menschen über Olympia sagten, sie wollten mit diesem Kommerz nichts zu tun haben, dann müsse man vielleicht einmal über die Entwicklung der Spiele nachdenken - dies, so glaubt Ude, wäre auch im Sinne Vogels gewesen.

OB Reiter war in seinem Beitrag noch ganz persönlich geworden, als er sagte: "Ich habe Hans-Jochen Vogel immer bewundert." Und dann erzählte er, wie leidenschaftlich Vogel auch in hohem Alter noch war, wie er auf den Tisch oder eher mit dem Gehstock auf den Boden hauen konnte, wenn ihm etwas wichtig war. So war das vor allem beim Thema Bodenrecht, hier machte sich Vogel bis zuletzt für eine Reform stark. "Man kann ihm nur immer wieder recht geben", sagte Reiter. "Ohne eine Reform wird es bezahlbares Wohnen nicht geben."

© SZ vom 27.07.2021/syn
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