Band der Woche:Beats statt Beziehung

Band der Woche: "Eigentlich haben wir uns getroffen, weil wir miteinander schlafen wollten. Aber dann haben wir gemerkt, dass es musikalisch ein bisschen besser funktioniert", sagt Kristina Paulini über die Bandgeschichte.

"Eigentlich haben wir uns getroffen, weil wir miteinander schlafen wollten. Aber dann haben wir gemerkt, dass es musikalisch ein bisschen besser funktioniert", sagt Kristina Paulini über die Bandgeschichte.

(Foto: Fliegende Haie)

Fliegende Haie wirken trashig, aber in ihren Songs widmen sie sich wichtigen geschlechterbezogenen Themen

Von Amelie Völker, München

Er - oberkörperfrei, rote Sporthose - kniet und trägt eine Leine um seinen Hals. Sie - lila Haare, weißes Outfit - steht und hält den Tragegriff zur Leine lässig in der Hand. Schon die Pressefotos der Fliegenden Haie verraten viel über die Band. Sie fallen auf. Kommen auf den ersten Blick etwas trashig daher. In ihren Songs widmen sie sich allerdings wichtigen geschlechterbezogenen Themen. In ihrem Lied "Venus" beispielsweise geht es um das allgegenwärtige Gefallen-wollen und Erotisieren. "Schau, mein Marmorgesicht. Auf Hochglanz poliert. Parfümiert. Alles für dich, gefalle ich dir nicht?", heißt es dort zum Beispiel. "Dieses Gefallen-müssen gilt ja für Frauen als auch Männer. Wie man sich anzieht, oder wie man sich im Beruf präsentiert", sagt Jan König. "Für uns als gemischtes Duo ist es natürlich besonders interessant, über Geschlechterrollen nachzudenken. Wenn ich alleine da etwas machen würde, käme ich mir selbst schon sehr einseitig vor."

Kristina Paulini aus Augsburg und Jan König aus München sind die Fliegenden Haie. Die Entstehungsgeschichte ist schnell und ehrlich erzählt: "Eigentlich haben wir uns getroffen, weil wir miteinander schlafen wollten. Aber dann haben wir gemerkt, dass es musikalisch ein bisschen besser funktioniert", sagt Kristina und lacht. Beide kamen aus unterschiedlichen musikalischen Richtungen - Jan aus dem Hip-Hop und Kristina aus dem Techno. Dennoch wollten sie gemeinsam den Popmusik-Weg einschlagen. Sie selbst nennen es Urban-Pop: poppige und elektronische Elemente zu klaren Basslines und Synthies. Die Drums erinnern teilweise an Trap. Darüber liegen bissige Lyrics, gesungen und gerappt. Die Fliegende Haie haben etwas zu sagen: "Es war uns beiden klar, dass wir auf Deutsch Musik machen wollen. Beim Englischen bin ich mir nicht sicher, das ausdrücken zu können, was wir ausdrücken wollen", sagt Kristina.

Schon der Bandname "Fliegende Haie" deutet auf den Perspektivwechsel hin, der in ihren Texten zu finden ist: "Die ganze Welt ist ja wie ein Haifischbecken", sagt Jan. "Und die Vorstellung, dass man als Hai plötzlich entdeckt, dass man die Flossen auch zum Fliegen verwenden kann, ist irgendwie geil." So könne man eine Vogelperspektive entwickeln, um auf das Haifischbecken hinunterzuschauen. Passt zu den Texten: Gesellschaftskritische Poesie, die aber nicht zu ernst daherkommt. Findet auch Jan: "Ein bisschen trashig ist der Name auch, das passt ja auch gut."

Fliegende Haie

  • Stil: Urban-Pop
  • Besetzung: Kristina Paulini (Gesang, Klavier/ Synthesizer), Jan König (Gesang, Klavier/ Synthesizer)
  • Aus: München, Augsburg
  • Seit: 2020
  • Internet: www.fliegendehaie.com
© SZ/mbr
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