Bundestagswahl:"Keine halben Sachen mehr"

Lesezeit: 2 min

Wahlveranstaltung mit Annalena Baerbock, 2021

Hoffen auf die Grüne Welle: Annalena Baerbock bei ihrer Rede auf dem Professor-Huber-Platz.

(Foto: Robert Haas)

Annalena Baerbock, die Kanzlerkandidatin der Grünen, macht auf ihrer Wahlkampftour Station in München. Der Bundesregierung wirft sie vor, sich weg zu ducken.

Von Anna Hoben

"Stillstand und Weiterwursteln" oder Aufbruch, das sei die Wahl am 26. September, ruft Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag, ins Mikrofon. Just in dem Moment rollt der grüne Bus auf den Professor-Huber-Platz vor der Ludwig-Maximilians-Universität zu, der für die Partei den Aufbruch symbolisiert: der Bus von Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock.

Die Nachmittagssonne knallt vom Himmel herab, auf der Bühne hat gerade eine Gute-Laune-Band auf Englisch ein grünes Blatt an einem grünen Baum besungen; ein Bandmitglied trägt ein flauschiges Krokodilkostüm, unter dem es recht warm sein muss. Schulze und Katrin Habenschaden, Münchens Zweite Bürgermeisterin, geben die Einheizerinnen für die Frau, auf die alle warten. Es haben sich viele Menschen versammelt, aber es hätten schon noch mehr Menschen Platz.

Habenschaden freut sich, "dass so viele gekommen sind, die wissen, dass es so nicht mehr weitergehen kann". Thomas Gottschalk oder Bibi und Tina würden im Verkehrsministerium nicht mehr kaputt machen als die CSU, frotzelt sie, Armin Laschet und Olaf Scholz wären beide "fürs Klima verheerend", und überhaupt Scholz: Der ärgere sie, mit seinem Kurs, "seit Wochen niemanden zu belästigen mit Inhalten" und einen auf "Merkel 2.0" zu machen. Vor Krisen dürfe man sich nicht wegducken, man müsse sie anpacken, "und das wird Annalena Baerbock tun, davon bin ich felsenfest überzeugt".

Die beginnt ihre Rede mit der Solidarität, die in der Corona-Pandemie zu spüren gewesen sei: "So, wie viele Menschen im letzten Jahr über sich hinausgewachsen sind, gilt es jetzt, dass die Politik über sich hinauswächst." Baerbock spricht über faire Löhne in der Pflege und eine "echte Bürgerversicherung", Bildung, Vermögenssteuer, europäische Werte und Afghanistan: Das Wegducken der Bundesregierung habe dazu geführt, dass man nun die Katastrophe dort zu verantworten habe.

Defensiv wirkt sie, als sie einräumt, andere hätten mehr Regierungserfahrung, aber: "Das hat uns in eine Sackgasse geführt." Eine gute Viertelstunde redet sie schon, als sie zum ersten Mal den Klimaschutz nennt, das große Wahlkampfthema der Grünen, das Thema, bei dem sie am meisten Applaus bekommt. "Keine halben Sachen mehr", fordert die Kanzlerkandidatin, "das ist die Frage unserer Zeit".

Um die richtigen Weichen für die Klimaneutralität zu stellen, müsse die nächste Regierung grün angeführt sein, aber dafür brauche es ehrlicherweise noch "ein paar mehr Stimmen". Die Umfragen sind für die Grünen nicht berauschend, aber in München ist alles offen. Wie hatte der Direktkandidat Dieter Janecek zu Beginn auf der Bühne gesagt: "Vier Klimaschutz-Direktmandate, die würden der CSU am meisten weh tun." Ein paar Fragen aus dem Publikum noch, dann muss Baerbock wieder zum Bus.

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