Münchner Arbeitsmarkt:Deutlicher Rückgang bei den Ausbildungszahlen

Lesezeit: 2 min

Ausländische Berufsabschlüsse

Nachwuchs nach wie vor dringend gesucht: Das Handwerk bemüht sich um Fachkräfte.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Die Corona-Pandemie hat nach Einschätzung der Agentur für Arbeit dem Stellenangebot lediglich eine "Delle" verpasst. Gleichwohl entscheiden sich immer weniger junge Menschen für eine Lehre.

Von Catherine Hoffmann

Die Corona-Krise hat zu einem deutlichen Rückgang der Ausbildungszahlen geführt. Bei der Agentur für Arbeit München gingen bis Ende September 9776 Ausbildungsstellen ein, das waren zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. Vor allem Branchen, die direkt vom Lockdown betroffenen waren, wie das Hotel-und Gaststättengewerbe, Veranstalter oder Dienstleister wie Friseure und Kosmetikerinnen boten weniger Stellen als üblich an. Noch stärker ging die Zahl der Bewerber zurück - um 13,2 Prozent auf 6074. Lediglich 178 Schülerinnen und Schüler fanden nicht den gewünschten Ausbildungsplatz, zugleich blieben 1131 Lehrstellen unbesetzt. Damit liegt der Engpass - wie schon in den vergangenen Jahren - eindeutig auf Seiten der Bewerberinnen und Bewerber. "Gerade Hotellerie und Gastronomie suchen händeringend Fachkräfte, die werden mit Sicherheit wieder verstärkt ausbilden", sagt der Chef der Agentur für Arbeit München, Wilfried Hüntelmann. Die Pandemie habe dem Ausbildungsmarkt lediglich eine "Delle" verpasst.

Dass sich immer weniger junge Menschen für die duale Ausbildung entscheiden, hat verschiedene Gründe: Seit vielen Jahren gibt es einen ungebrochenen Trend zu weiterführenden Schulen, immer mehr Schulabgänger entscheiden sich auch für ein Studium. Erschwerend kommt hinzu, dass durch den demografischen Wandel die Zahl der Schulabgänger sinkt. Zudem haben in der Pandemie viele Betriebe keine Schülerpraktika angeboten, Ausbildungsmessen fielen aus. Digitale Angebote wie Online-Messen, Online-Beratung, Beratung via Youtube oder virtuelle Berufsorientierungswochen konnten den persönlichen Kontakt nicht eins zu eins ersetzen, sie waren aber immerhin eine Möglichkeit, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Trotzdem bleibt die Bilanz enttäuschend. "In diesen besonderen Jahren mit Home Schooling und Distanzunterricht gab es eine gewisse Unentschlossenheit, vor allem bei den Jüngeren unter 20 Jahre", sagt Hüntelmann. Die machten immerhin zwei Drittel aller Bewerber aus. "Bei denen über 20 sehen wir sogar steigende Zahlen."

"Mia san Zukunft" heißt die jüngste Ausbildungsoffensive der Handwerkskammer

Der Chef der Arbeitsagentur hofft, dass sich die Corona-bedingte Unsicherheit im kommenden Jahr legt. Er weiß: nicht nur ein Studium bietet Perspektiven, auch eine duale Ausbildung eröffnet viele Möglichkeiten, weiterzukommen. Die Fortbildung zum Meister, Techniker oder Fachwirt steht vielen nach der Ausbildung ebenso offen wie ein Studium. Und den Betrieben im Handwerk und der Industrie sei durchaus bewusst, "dass die Ausbildung das wichtigste Mittel ist, um dem Fachkräftemangel und Nachwuchssorgen zu begegnen", so Hüntelmann. Im Handwerk gibt es deshalb seit Jahren Kampagnen, die Jugendliche von den vielfältigen Berufschancen in seinen Betrieben überzeugen sollen. "Mia san Zukunft" heißt die jüngste Ausbildungsoffensive der Handwerkskammer für München und Oberbayern, die um junge Menschen wirbt: "Starten statt warten: wir bilden weiter aus" heißt ein Slogan, ein anderer: "Trotz Corona wissen, wie es weitergeht"

Doch so einfach ist das nicht: Die Berufswünsche von Schülerinnen und Schülern decken sich nicht unbedingt mit den Bedürfnissen von Unternehmen. So treffen im Bereich Verkehr und Logistik knapp 300 Bewerberinnen und Bewerber auf doppelt so viele Stellen. Noch größer ist der Unterschied in Handel, Vertrieb und Tourismus, wo rund 1300 Bewerber auf 3300 Ausbildungsstellen stoßen. Auch im Bereich Gesundheit, Soziales und Erziehung verzeichnet die Agentur für Arbeit mehr offene Ausbildungsplätze als Interessenten. Es gibt also nach wie vor viele freie Stellen in München, unter anderem in medizinischen Praxen, im Verkauf - insbesondere im Lebensmittelverkauf - und im Einzelhandel. Wer noch keinen Ausbildungsplatz hat, hat durchaus noch Chancen, auf den letzten Metern einen zu bekommen. "Da geht noch was", sagt Hüntelmann. Auch im November könne man eine Ausbildung anfangen.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusArbeitswelt
:Neue Jobs für den Klimaschutz

Die Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit verändert die Arbeitswelt. Sechs Münchnerinnen und Münchner erzählen, wie sie sich beruflich für die Umwelt einsetzen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB