Auer Dult:Duftendes Wunderland

München feiert den goldenen Oktober und die Eröffnung der Kirchweihdult auf dem Mariahilfplatz. 4500 Besucher freuen sich über das Kinderkarussell, die Schiffschaukel und den Steckerlfisch - ein Rundgang.

Von Thomas Anlauf (Text) und Leonhard Simon (Fotos)

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MUENCHEN: Auer Dult

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Nora rennt. Nun ja, ein wenig wacklig ist das kleine Mädchen in ihren Windeln schon noch auf den Beinen, aber Nora hat etwas Wunderbares entdeckt: das Sternenland. Es dreht sich, Kinder sitzen in Feuerwehr- und Polizeiautos, ein gelber Hubschrauber ist auch dabei. Schon steht Nora an der großen Drehscheibe des Kinderkarussells, als ihr Papa sie plötzlich hochhebt und sie unter tränenreichem Protest wieder zurück an den Biertisch vor der Fischer-Vroni trägt. Die Wut der kleinen Nora ist verständlich: Schließlich ist es die erste Auer Dult in ihrem Leben, ein buntes duftendes Wunderland.

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Nicht nur für die kleinen Münchnerinnen und Münchner ist diese Kirchweihdult, die am Samstag bei sonnigem Herbstwetter begonnen hat, etwas ganz Besonderes. Zwei Wiesn sind während der Corona-Pandemie abgesagt worden, die Jakobidult im Juli war zwar ein erstes Signal für eine langsame Rückkehr zur Normalität, aber da durften nur 1500 Besucher auf einmal den Markt auf dem Mariahilfplatz besuchen, diesmal sind es immerhin 4500.

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Schon am Mittag strömen viele Münchnerinnen und Münchner in Tracht oder Kleidung, die sie dafür halten, in Richtung Mariahilfkirche, doch dann gerät die Sache erst einmal ins Stocken. Am südlichen Eingang beim Landratsamt stauen sich die Menschen in zwei Schlangen. Jeder wird genau kontrolliert, ob er geimpft, genesen oder aktuell getestet ist. Einige scheitern am harten Dult-Tor: Eine Familie, die keine Nachweise hat, muss wieder umdrehen. Ein Vater mit seinem kleinen Bub auf den Schultern fragt die Kontrolleurin leise, ob sie weiß, wo hier die nächste Teststation ist. Sie zuckt nur mit den Schultern, schließlich sollte die 3-G-Regel nach Wiedereröffnung von Lokalen, Theatern und Kinos im Sommer eigentlich keine große Überraschung mehr sein.

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Auch auf dem eingezäunten Gelände tragen die meisten Dultbummler Masken, außer im Biergarten der Fischer Vroni (im Bild) oder am Würstelstand in der Tandlergasse. Kurze Pause, eine Rote in der Semmel, bitte. Die kostet eigentlich vier Euro, aber weil sie schon ein bisschen dunkel gebraten ist, gibt es die Wurst zur Dult-Eröffnung für nur Zweifünfzig - und ein Lächeln der Verkäuferin gratis dazu.

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Vorn beim Kasperltheater Trollmann ist gleich die nächste Vorstellung, vor dem Eingang zur kleinen Bühne hat sich eine kleine Schlange gebildet. Leonie zappelt aufgeregt an der Hand ihrer Mutter, während ihr älterer Bruder Max lässig an seiner Zuckerwatte zupft. Auch hier gibt es natürlich Corona-Regeln. Aber immerhin: "Kinder unter sechs Jahren sind von der Maskenpflicht befreit", hat der Kasperl auf eine Tafel über der Tür geschrieben.

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Vor allem für Kinder ist die Dult ein großes Wunderland. Peter Ehrhardt steht vor seiner Schiffschaukel und lächelt hinter seine Maske. "Wir sind schon vierzig Jahre hier, immer nur auf der Sommerdult", sagt er. "Jetzt sind wir zum ersten Mal auch auf der Herbstdult. Man ist ja um jeden Euro froh."

Er freut sich besonders für die Kinder, die hinter ihm heute besonders lange schaukeln dürfen. "Die Kinder haben ja so viel durchgemacht in Corona, da sollen's hier a bisserl a Freud' haben." Das haben die Kleinen, immer höher schaukeln sie in den blauen Himmel, die Ahornbäume leuchten in Rot, Gelb und Grün.

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Am Nachmittag ziehen die ersten Dult-Besucher wieder weiter. Unten an der Isar genießen Hunderte die letzten Sonnenstrahlen über dem Fluss. An der Corneliusbrücke feiert der Kulturstrand die letzten Tage, bevor er für dieses Jahr schließen muss. "Last days of Sommer" lautet dort das Motto auf Deutsch-Englisch. Der Gärtnerplatz liegt schon im Schatten. Trotzdem ist das Rondell voller Menschen. Vor den Cafés rund herum gibt es keine freien Plätze, obwohl es nur noch höchstens zehn Grad hat. In der Fußgängerzone herrscht beinahe ein Treiben wie im Advent, nur die Budengassen mit Glühwein und Würstelständen fehlen noch. Aber dafür gibt es ja die Kirchweihdult, in der München den goldenen Oktober feiert.

© SZ/sonn
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