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Allach/Untermenzing:Streit ums "Evers"

Baustelle Einkaufszentrum Evers am Oertelplatz in Allach

Große Konkurrenz für die Kleinen? Das neue Einkaufszentrum "Evers" am Allacher S-Bahnhof wird in einigen Wochen eröffnet.

(Foto: Florian Peljak)

Noch hat das neue Einkaufszentrum am Oertelplatz nicht geöffnet, da wird es von Lokalpolitikern als Konkurrenz für den örtlichen Einzelhandel schon wieder grundsätzlich in Frage gestellt

Kurz vor der Eröffnung des Einkaufszentrums "Evers" am Oertelplatz gibt es Unstimmigkeiten unter den Lokalpolitikern über die Belegung der Geschäfte. Grünen-Sprecher Falk Lamkewitz befürchtet eine Kannibalisierung und Verdrängung kleinteiliger, schützenswerter und alteingesessener Betriebe. Er sprach von "unanständigen Nötigungsversuchen", einzuziehen, da man sonst branchengleiche Wettbewerber nehme. Dabei habe der Bezirksausschuss (BA) in dem Genehmigungsverfahren zum Bebauungsplan seinerzeit darauf bestanden, dass bei der erheblichen Ausweitung der Einzelhandelsflächen darauf geachtet werde, den Einzelhandel in Allach dadurch nicht zu beeinträchtigen.

Mit Hinweis auf das Zentrenkonzept der Landeshauptstadt München habe die Verwaltung wortreich dargestellt, dass auf eine ausgewogene Handelsstruktur geachtet werde, fuhr Lamkewitz fort. Er finde es sehr bedenklich, wenn Konstellationen geschaffen würden, die nicht im Interesse der Bürger und der Stadt sein können. Der Einzelhandel stehe sowieso wegen des Online-Handels unter erheblichem Druck, sodass man unsinnige Konkurrenzsituationen keinesfalls fördern sollte. Er wolle wissen, ob und mit welchen Maßnahmen die Behörden die Einhaltung der damaligen Forderungen und Auflagen des Bezirksausschusses und des Münchner Forums überwachten und in welcher Weise sie überhaupt auf den Investor einwirken könnten.

"Das hätten Sie eigentlich früher in das Verfahren einbringen sollen", sagte die CSU-Stadträtin und BA-Vorsitzende Heike Kainz. Auch sie habe mit Inhabern umliegender Geschäfte gesprochen. Ein Grund, nicht in das Evers zu ziehen, seien höhere Mietpreise als in den bisherigen Gebäuden. Doch es seien nicht nur die Preise, sondern auch die Öffnungszeiten bis 20 Uhr, die nicht alle schafften. Ein Geschäft sei aus Altersgründen aufgegeben worden. Und zu Beginn der Planung habe es ja auch Gutachten über die Verträglichkeit gegeben. Mit dem Ergebnis: "Bei uns hätte man keine Pasing Arcaden hinstellen können, aber die Planung deckt in etwa den Bedarf", sagte Kainz. Die Untersuchung habe auch ergeben, dass mehr als 50 Prozent der Allacher Kaufkraft in andere Viertel flössen, was bedeute, dass vorher eine Unterversorgung bestanden habe, wies Heike Kainz hin. Und was die Konkurrenz betreffe: Grundsätzlich profitierten umliegende kleinere und auch spezialisierte Geschäften von solchen Centern.

Henning Clewing (FDP) sagte, es sei jetzt zwecklos weiter zu diskutieren. Das Subzentrum sei von vornherein eine "Schnapsidee" gewesen und "überflüssig". Der Stadtbezirk habe Geschäfte genug und brauche kein zusätzliches Zentrum am Oertelplatz. Widerspruch kam von allen Seiten. "Wir hatten dort jahrzehntelang eine Brache, und jetzt ist der Platz endlich entwickelt worden", sagte SPD-Sprecher Pascal Fuckerieder. Sein Fraktionskollege Friedrich Schneller (SPD) wies darauf hin, dass es in Untermenzing so gut wie keine Geschäfte gebe. "Wir sind unterversorgt und freuen uns auf die große schöne Auswahl."

Und Ingrid Haussmann (parteifrei) erinnerte daran, dass man nicht nur ein kommerzielles Zentrum, sondern mit der Außenstelle des Alten- und Service-Zentrums (ASZ), der Volkshochschule (VHS) und dem Bücherschrank auch ein gesellschaftliches Zentrum, das einen großen Mehrheit für die Bürger bedeute. "Ohne die Geschäfte, wären dort kein ASZ und keine VHS hingekommen", bekräftigte Heike Kainz. Lamkewitz betonte, es gehe ihm prinzipiell um die Frage, wie der Bezirksausschuss Aussagen im Bebauungsplan trauen könne. Das sei auch wichtig für andere Projekte. Das "Evers" habe er "nur zum Anlass dafür genommen".