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Moosach/Allach/Untermenzing:"Da müssen wir jetzt durch"

Von September an wird die Ludwigsfelder Straße in drei Abschnitten ausgebaut. Nun macht sich die Angst vor einem Verkehrskollaps breit

Betroffene Autofahrer sprechen schon jetzt von einem Verkehrskollaps. Dabei hat die eigentliche Ausbauphase zur erstmaligen Herstellung der Ludwigsfelder Straße noch gar nicht richtig begonnen. Diese wird, nachdem die Sparten verlegt sind und die Baustraße hergestellt ist, im September folgen und etwa ein Jahr dauern. Nach der Öffnung für den Verkehr werden bis Ende 2019 noch Geh- und Radweg sowie die Anschlüsse von Straßen und Zufahrten auf der Südseite gemacht.

Gebaut wird von September an in drei Abschnitten von Ost nach West: ab etwa 250 Meter westlich der Einmündung zur Straße Am Neubruch bis auf Höhe Storchenweg, vom Storchenweg bis zur Zufahrt von Krauss-Maffei und von Krauss-Maffei bis etwa in Höhe des Grundstücks Ludwigsfelder Straße 32, wo der bereits bestehende Rad- und Fußweg verläuft.

Die jeweiligen Abschnitte der knapp 1,6 Kilometer langen Strecke werden für den Durchgangsverkehr in beiden Richtungen gesperrt sein. Der Anliegerverkehr soll in Richtung Westen über eine Einbahnregelung auf der Baustraße aufrechterhalten werden, für die umgekehrte Richtung, also von Westen nach Osten, erfolgt eine Umleitung über die Eversbusch- und Otto-Warburg-Straße zur Dachauer Straße.

Schwerlasttransporte zu den Unternehmen können nur in Absprache mit dem Kreisverwaltungsreferat und begleitet von der Polizei von 20 bis 4 Uhr von Westen nach Osten über die Baustraße passieren.

Seit der Verkehrsfreigabe am 8. Juli 1957 ist die Ludwigsfelder Straße in diesem Abschnitt ein zum Teil nur 5,40 Meter breites, schadhaftes Provisorium ohne Geh- und Radweg und ausreichende Entwässerung. Trotzdem donnerten über diese Route zwischen Dachauer Straße und Eversbuschstraße schwere Laster, Transporter, Fahrdienste und Pendler. Für Radfahrer war die Strecke fast unzumutbar: Bei Gegenverkehr konnten sie kaum überholt werden, was oft zu ungeduldigem Hupen bis hin zu gewagten Vorbeifahr-Manövern führte. Ausweichmöglichkeiten gab es vor allem nachts kaum, wollte man nicht mutterseelenallein durch die Grünanlage am Rangierbahnhof radeln.

Eine Verkehrsprognose der Stadt für 2025 ergibt in einzelnen Bereichen eine Zunahme von bis zu 23 Prozent auf 14 700 Kraftfahrzeuge pro Tag in dem am meisten belasteten Abschnitt zwischen Betonwerk und Neubruch, zehn Prozent davon sind Lastwagen - im Vergleich: im Jahr 2009 waren es der Analyse folgend insgesamt 12 000 Fahrzeuge. Zudem gibt es kaum Linksabbiegespuren zu den Werken, was den Verkehrsfluss weiter hemmte. Und abgesehen von der zunehmenden Wohnbebauung ist die Ludwigsfelder Straße in der Fortschreibung der Radfahrverbindungen 2005 als Fahrradhauptroute in West-Ost-Richtung vorgesehen.

Ausgebaut wird die Fahrbahn auf 6,50 Meter Breite mit zwei Linksabbiegespuren. Hinzu kommt ein drei Meter breiter kombinierter Geh- und Zweirichtungsradweg auf der Südseite. Ein Grünstreifen wird künftig den Auto- vom Radverkehr und den Fußgängern trennen. Die bisher schwierigste Phase war dem Baureferat zufolge der Erwerb der nötigen Grundstücke. Seit Juli 2014 lag der Planfeststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern vor, der Stadtrat hatte das 7,7 Millionen Euro teure Projekt im April 2015 genehmigt. Doch der Baubeginn hatte sich immer wieder verzögert, zuletzt um ein Jahr, wegen schwieriger Grundstücksverhandlungen. Erworben werden mussten 16 000 Quadratmeter aus 39 Flurstücken von 13 verschiedenen Eigentümern.

Anwohnern und Pendlern steht der schwierigste Teil noch bevor. Im Bezirksausschuss Allach-Untermenzing und in der dortigen Bürgerversammlung äußerten Betroffene schon erste Befürchtungen über weite Umwege und Rückstaus, die bis in die Eversbusch- und Georg-Reismüller-Straße reichten. "Die Verkehrsteilnehmer sind mittlerweile so genervt, dass nicht mehr auszuschließen ist, dass hier einmal etwas passiert", schrieb ein Allacher der SZ. Er sprach von "ungeeigneten Straßenbau-Maßnahmen", die das sowieso schon vergiftete Straßenklima weiter verschärften. Auf der anderen Seite hatten Lokalpolitiker aus Moosach und Allach-Untermenzing seit Jahren den Ausbau gefordert. "Da müssen wir jetzt durch", hieß es in Allach-Untermenzing.