Möglicher Spitzenkandidat bei Landtagswahlen Ude erwägt Duell gegen Seehofer

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude schließt eine Spitzenkandidatur in Bayern plötzlich nicht mehr aus. 2013 tritt er möglicherweise für die SPD zu den Landtagswahlen an - gegen CSU-Amtsinhaber Horst Seehofer.

Von Peter Fahrenholz und Frank Müller

Wer erleben wollte, wie sich bei Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) feine Ironie in beißenden Sarkasmus verwandelt, musste mit ihm nur über die bayerische SPD reden. Ude konnte deren Zustand der Hoffnungslosigkeit stets auf gemeine, wenn auch unterhaltsame Weise schildern. Die Frage, ob nicht eigentlich nur er selbst in Betracht käme, die Misere seiner Genossen zu beenden, indem er sich als Spitzenkandidat für die Landtagswahl zur Verfügung stellt, hat Ude stets mit einem Heiterkeitsausbruch quittiert.

Auf dem Oktoberfest stoßen Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (li.) und der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer traditionell miteinander an: Doch werden sie sich bald duellieren?

(Foto: ddp)

Das hat sich plötzlich geändert. Ude kann sich nun durchaus vorstellen, 2013 gegen Horst Seehofer anzutreten. Dass er als möglicher SPD-Spitzenkandidat gehandelt wird, findet Ude jetzt ganz normal. "Es wäre ja komisch, wenn man den bekanntesten SPD-Politiker in Bayern nicht nennen würde", sagte er am Rande des Geburtstagempfangs für Grünen-Bürgermeister Hep Monatzeder am Freitag im Rathaus.

Und er schob keineswegs die übliche Absage hinterher. "Als Politiker soll man nie nie sagen", lautet Udes neue Parole und natürlich hat einer wie er nicht im Sinn, auf seine alten Tage noch mal die Oppositionsbank zu drücken. "Wenn, dann nur die Staatskanzlei", sagte Ude. Das hat sich seit den Tagen von Renate Schmidt kein Sozialdemokrat mehr getraut. Auch Edith von Welser-Ude machte keine Anstalten, das Gerücht aus der Welt zu schaffen. "Ich würde das jetzt mal so stehen lassen", riet sie ihrem Mann.

Wer sich unter führenden Genossen in München umhört, gewinnt den Eindruck, dass sich eigentlich niemand den vitalen Oberbürgermeister im Ruhestand vorstellen kann, zu dem er ab 2014 verdonnert wäre, weil er wegen der Altersgrenze nicht mehr als OB antreten darf. Für Ministerpräsidenten gibt es keine Altersgrenze. "Er ist ja noch fit", sagte die Zweite Bürgermeisterin Christine Strobl und SPD-Fraktionschef Alexander Reissl findet es "schon plausibel", wenn Ude über ein Weitermachen auf anderer Bühne nachdenken würde. Einer, der so lange mit so großer Intensität sein Amt wahrgenommen habe, könne nur schlecht plötzlich einfach aufhören, glaubt Reissl. Für alle Aufgaben geeignet - auch zum Uno-Generalsekretär SPD-Landeschef Florian Pronold hat Ude schon vor einiger Zeit als denkbaren Spitzenkandidaten genannt, ohne groß auf Beachtung zu stoßen.

Eine Personaldiskussion möchte Pronold jetzt keinesfalls lostreten, weswegen er die Sache als "Sommerlochdebatte" abtut. Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionschef im Landtag und selber ein denkbarer SPD-Spitzenkandidat, reagierte ironisch auf Udes unerwartete Bereitschaft. Ude sei stets für alle Aufgaben geeignet, "vom Uno-Generalsekretär bis zum SPD-Kanzerkandidaten". Auch für Ude könnte sich der Charme der Idee, es 2013 einfach mal zu versuchen, rasch verflüchtigen, wenn er die Risiken in den Blick nimmt. Die sind nämlich so groß wie eh und je.

Dass ein Sozialdemokrat in Bayern Ministerpräsident wird, ist äußerst unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Sache für die SPD wieder einmal schief geht. Ginge sie gründlich schief und die SPD würde trotz Ude in der deprimierenden Zone zwischen 15 und 20 Prozent verharren, würde ein dunkler Schatten auf Udes erfolgreiche OB-Zeit fallen. Würde Ude hingegen für einen spürbaren Schub sorgen, ohne dass es für den Umzug in die Staatskanzlei reicht, geriete er unter den Druck, die Konsequenzen zu tragen und in den Landtag zu wechseln - als Oppositionsführer.