Sanierung in Schwabing "Eine echte Mietervertreibung"

Es könnte ungemütlich werden und teuer dazu: Die Mieter des Anwesens Krumbacherstraße 6 und 6 a befürchten, dass nach der Sanierung und dem Umbau ihre Miete deutlich steigt.

(Foto: Catherina Hess)
  • In Schwabing soll ein Gebäude mit 20 Wohnparteien aufgestockt und modernisiert werden. Es gehört der GBW-Gruppe - das beunruhigt einige Lokalpolitiker.
  • Den Bewohnern stehen nicht nur Mietsteigerungen bevor, sondern auch gravierende Umbauten.
  • Der Bezirksausschuss lehnt das Projekt ab.
Von Ellen Draxel

"Das ist das erste Mal, dass wir von den Bauabsichten für unser Haus hören", erklärten die Mieter der Krumbacherstraße 6 und 6a den Stadtteilvertretern Westschwabings in deren jüngster Sitzung. Gerade deshalb hatte der Bezirksausschuss die Bewohner per Posteinwurf zu der BA-Sitzung eingeladen. Denn das Gebäude mit 20 Wohnparteien in einer ruhigen Einbahnstraße nahe dem Nordbad gehört der GBW-Gruppe und soll aufgestockt und modernisiert werden - der Antrag dazu lag dem Gremium bereits vor.

Beim Vermieter-Namen GBW aber schrillen bei Westschwabings Bürgervertretern sämtliche Alarmglocken. War es doch in ihrem Viertel, als vor fünf Jahren die Vermarktung der 32 000 GBW-Wohnungen in Bayern begann, nach der Übernahme der früheren Landesbank-Tochter durch ein Konsortium unter Führung des Augsburger Immobilienkonzerns Patrizia AG. "Dies ist erst der Beginn der Versuche, die es bald in ganz München geben wird", hatte damals Bezirksausschuss-Chef Walter Klein (SPD) prognostiziert. Und ergänzt: "Dem sollten wir uns entgegenstellen."

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Das wollen die Lokalpolitiker jetzt im Falle der Krumbacherstraße erneut tun. Geplant ist nach Aussage der GBW "eine umfangreiche energetische Modernisierung" des Anwesens, man plant eine Wärmedämmung sowie eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach. Zudem sollen Balkone und ein Außenaufzug angebaut sowie das Garagengebäude mit Duplexparkern erweitert werden. Da Modernisierungskosten nach Inkrafttreten der Mietrechtsreform Anfang kommenden Jahres in Regionen wie München, in denen bezahlbarer Wohnraum besonders knapp ist, dauerhaft zu acht Prozent auf die Jahresmiete umgelegt werden dürfen, müssen die Mieter mit höheren Mietzahlungen rechnen. Bisher lag diese Modernisierungsumlage noch höher - bei elf Prozent.

Der Bauantrag der GBW für die Krumbacherstraße beinhaltet aber noch mehr. Vorgesehen ist auch die Aufstockung des Dachgeschosses: Eine neue Wohnung mit einer Nutzfläche von knapp 180 Quadratmetern soll dort geschaffen werden. "Solch eine Größe ist ein enormer Luxus und lindert nicht die Wohnungsnot in München", kritisieren die BA-Mitglieder. Sie fänden es besser, zwei familiengerechte Apartments zu errichten. Besonders problematisch ist aus Sicht des Bezirksausschusses vor allem, dass der Bau dieser Großwohnung Umbauten in den Bestandswohnungen erfordert. "Damit die Wohnung unterm Dach attraktiv wird, braucht es eine Versorgungs-Steigleitung", erklärt Mietexperte Albrecht Schmidt (SPD). Dafür müssten die Wände zwischen Küche und Bad in den bestehenden Wohnungen versetzt werden. Das bestätigt auch die GBW: Es sei "korrekt, dass Grundrissveränderungen beziehungsweise -optimierungen in den Wohnungen geplant sind", lässt das Unternehmen auf Anfrage verlauten.

Den Bewohnern prognostiziert Schmidt, dass sie "von diesen Umbauten nichts haben - nichts außer Dreck, Lärm und Ärger". Das Projekt sei daher "eine echte Mietervertreibung". Der Sozialdemokrat ist seit Langem im städtischen Mieterbeirat aktiv: Er kennt die Methoden, mit denen Mieter aus ihren Wohnungen vertrieben werden. Die GBW hingegen erklärt, man "präferiere Maßnahmen, die unsere Bestandsmieter am wenigsten belasten". Sollte sich bei den Planungen "ergeben, dass die Mieter während einzelner Maßnahmen in andere Wohnungen ausweichen müssen, stellen wir allen Mietern Ausweichwohnungen im Haus zur Verfügung".

Die Betroffenen wollen sich nun auf Anraten Albrecht Schmidts zu einer Mietergemeinschaft zusammenschließen. Denn "gegen diesen Bauherren", sagt der Mietexperte, "ist es nötig, sich zu wehren". Der Bezirksausschuss Schwabing-West hat den Bauantrag einstimmig abgelehnt.