McGraw-Kaserne Container für 300 Flüchtlinge

Auf dem Gelände der ehemaligen McCraw Kaserne soll eine Flüchtlingsunterkunft entstehen.

(Foto: Claus Schunk +49 1716039668)

"Es muss alles stehen, bis es anfängt zu schneien": Auf dem Gelände der früheren McGraw-Kaserne soll eine Flüchtlingsunterkunft enstehen. Weil es schnell gehen muss, soll Innenminister Herrmann Einwände des Bauamts sogar abgebügelt haben.

Von Andreas Glas, Stefan Mühleisen und Bernd Kastner

Nach wochenlangen Diskussionen haben sich der Freistaat und die Stadt München darauf geeinigt, auf dem Gelände der früheren McGraw-Kaserne eine Flüchtlingsunterkunft einzurichten. Wie Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) der Süddeutschen Zeitung am Montag bestätigte, sollen auf dem Giesinger Areal Wohncontainer für insgesamt 300 Menschen aufgebaut werden. Der Entscheidung war in der vergangenen Woche ein Treffen zwischen dem Münchner Oberbürgermeister und dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) vorausgegangen.

Reiter zeigte sich "sehr zufrieden damit, dass mein Gespräch mit dem Ministerpräsidenten dazu geführt hat, dass es jetzt mit Nachdruck vorangeht". Die Einigung kam bei einem Ortstermin am Montagnachmittag auf dem Kasernenareal zustande. An dem Treffen nahmen Reiter und Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sowie Leiter von Stadt- und Staatsbehörden teil.

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Das insgesamt elf Hektar große Gelände östlich und westlich des McGraw-Grabens gehört weitgehend dem Freistaat; im Westteil sind Verwaltungsstellen des Polizeipräsidiums einquartiert, mittelfristig sollen dort die Kripo-Kommissariate konzentriert werden. Im Ostteil dümpelt eine 19 000 Quadratmeter große Brachfläche vor sich hin. Dort, am südöstlichen Zipfel, will das Innenministerium nun die Container hinstellen - als Zweigstelle der Erstaufnahmeeinrichtung in der Bayernkaserne. Und zwar möglichst schnell, wie Minister Herrmann bei dem Treffen deutlich gemacht haben soll. "Es muss alles stehen, bis es anfängt zu schneien", zitiert ein Teilnehmer den Minister. Dieser habe mehrfach betont, es müsse verhindert werden, dass für Flüchtlinge in der Stadt Zelte aufgestellt werden müssten.

Die Runde war nach SZ-Informationen ziemlich groß und hochkarätig besetzt: Neben OB Reiter saßen Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD), Cornelius Mager, der Leiter der Lokalbaukommission, sowie Regierungspräsident Christoph Hillenbrand, Polizeivizepräsident Robert Kopp und Vertreter des staatlichen Bauamtes und der staatlichen Immobilienverwaltung mit am Tisch. Nach SZ-Informationen mahnte Herrmann alle Versammelten zur Eile. Er soll auch Einsprüche von Beamten des Bauamts abgebügelt haben, die die Notwendigkeit von Genehmigungs- und Ausschreibungsverfahren betont hatten. "Dafür haben wir keine Zeit", soll Herrmann geantwortet haben. Das hochrangig besetzte Treffen fand unmittelbar vor einer Sitzung des bayerischen Kabinetts an diesem Dienstag statt, bei dem die Flüchtlingssituation diskutiert werden soll.

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Unterdessen hält der Zustrom von Flüchtlingen nach München weiter an, obwohl die Erstaufnahmeeinrichtung in der Bayernkaserne wegen der Masernfälle seit Mitte August keine neuen Asylsuchenden aufnimmt. Gebäude in der Baierbrunner Straße oder in der Funkkaserne, die als Dependancen der Bayernkaserne dienten oder geplant waren, wurden vorübergehend zu Notaufnahmestellen umfunktioniert. Dort nächtigten am Wochenende etwa 550 Flüchtlinge. Sie werden laut Florian Schlämmer, Sprecher der Regierung von Oberbayern, registriert und nach ein oder zwei Nächten in andere Bundesländer weitergeschickt.

In der Bayernkaserne selbst sind derzeit 1800 Flüchtlinge untergebracht, dazu kommen 200 in der verbliebenen Dependance in der St.-Veit-Straße. Ab Freitag soll die Erstaufnahme wieder Flüchtlinge aufnehmen, inzwischen sind die meisten Asylsuchenden dort gegen Masern geimpft. Die Regierung bereitet sich auf eine große Umzugsaktion vor: Die meisten der Flüchtlinge dort werden in den Tagen darauf in andere Unterkünfte geschickt, sodass Platz für Hunderte Neuankömmlinge ist.