Defizit in Lochhausen:Sport im Klassenzimmer

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Defizit in Lochhausen: Viel Freiraum, aber wenig Infrastruktur: Die Lochhausener sehen im Zuzug Anlass genug, diese Situation zu verbessern.

Viel Freiraum, aber wenig Infrastruktur: Die Lochhausener sehen im Zuzug Anlass genug, diese Situation zu verbessern.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Das kleine Wohnquartier im Münchner Westen ist als Reservoir für den Wohnungsbau begehrt. Doch während der Zuzug bereits feststeht, hinkt die schulische und soziale Infrastruktur eklatant hinterher.

Von Ellen Draxel

Die Lochhausener wollen nicht länger vertröstet werden. Fast sieben Jahre ist es her, da formulierte die Bürgervereinigung Lochhausen-Langwied erstmals ein Schreiben an die Stadt mit der Bitte, in ihrem Stadtteil doch eine Dreifachturnhalle zu bauen, die auch als Mehrzweckhalle genutzt werden könnte. Zugleich wurde die Verwaltung gebeten, angesichts der steigenden Schülerzahlen eine zweite Grundschule im Stadtteil zu errichten. Die Begründung, seinerzeit unterstützt von Aubings Lokalpolitikern: der eklatante Mangel an sozialer Infrastruktur.

In Lochhausen gab es nur eine kleine Einfachturnhalle, lediglich eine Grundschule, keinen Supermarkt, keinen Kinder- und Jugendtreff, keine Pflegeeinrichtung und keine Veranstaltungsräume. Zum Einkaufen fuhren die Münchner ins benachbarte Gröbenzell. Inzwischen ist zwar geplant, die Nahversorgung zu verbessern, auch ein "generationenübergreifendes Angebot" ist laut einer Beschlussvorlage, die im Dezember dem Sozialausschuss des Stadtrats vorgelegt werden soll, im Neubauquartier an der Henschelstraße vorgesehen. Eine größere Sporthalle und eine zweite Grundschule aber sind nicht in Sicht. Dabei, argumentiert die Bürgervereinigung, werde sich die Einwohnerzahl in Lochhausen und Langwied in den kommenden zehn Jahren von derzeit rund 7000 auf dann knapp 13 000 nahezu verdoppeln.

Für die Fußballjugend entfallen im Herbst und Winter 70 Prozent des Trainings

In die Siedlungen Henschelstraße, Spatzenwinkel und Osterangerstraße ziehen einmal rund 3200 Menschen, außerdem werden bestehende Wohngebiete mehr und mehr verdichtet. Und bis 2031 sollen an der Keltenafferstraße und nördlich der Lochhausener Straße weitere Wohnquartiere mit etwa 3820 neuen Zuzüglern entstehen. Diesem Wachstum gelte es, Rechnung zu tragen. Schon heute, so die Bürger, liege die Belegungsrate der Grundschul-Turnhalle am Schubinweg in der Zeit von 8 bis 21.30 Uhr bei 99,25 Prozent. Schulsport sei nur eingeschränkt möglich, zum Teil müssten die Mädchen und Jungen mangels Raumkapazitäten "Sport in ihrem Klassenzimmer absolvieren". Der Sportverein Lochhausen könne mangels Hallenkapazitäten keine Angebote für Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren in das Programm aufnehmen. Und für die Fußballjugend entfielen im Herbst und Winter 70 Prozent des Trainings.

"Der Verein hat keine Möglichkeiten, die steigende Nachfrage nach Sportangeboten zu decken", monieren die Lochhausener. Und das, obwohl sich in den Reihen des SV "ausreichend Übungsleiter" fänden, die sich ehrenamtlich engagieren würden. Eine Dreifachhalle würde diese Probleme lösen und wäre auch "eine Bereicherung" für das rege Vereinsleben im Stadtteil. Denn einen Bürgersaal oder einen anderen größeren Versammlungsraum gibt es nicht. Die Forderung der Bürgervereinigung: "zeitnah" solch eine Halle zu errichten. Und parallel "umgehend" mit der Vorplanung und Umsetzung eines zweiten Grundschulstandorts zu beginnen.

Grundschule am Schubinweg 3 (ist eine Grundschule) in Lochhausen.

Die Grundschule am Schubinweg ist die einzige im Wohnquartier.

(Foto: Florian Peljak)

Noch verfügt die Grundschule am Schubinweg dank einer Pavillonanlage über ausreichend Platz. Aber mit dem Bevölkerungswachstum steigen auch die Schülerzahlen. Während die Stadt für das Schuljahr 2026/27 von rund 475 Erst- bis Viertklässlern im Viertel ausgeht - derzeit sind es 345 -, glauben die Bürger, dass die Zahl deutlich höher ausfällt. Bewohner von Neubaugebieten seien schließlich häufig Familien mit Kindern. Die Planung der Kommune, zunächst die bestehende Grundschule fünfzügig auszubauen, hält die Bürgervereinigung deshalb für den falschen Weg. Bei dieser Variante müsse zwangsläufig Fachunterricht entfallen, Förderbedarf könne nicht bedient werden, und die Mittagsbetreuung mit 136 Plätzen würde "drastisch dezimiert" werden müssen anstatt ausgebaut zu werden. Von der Umsetzung des von 2026 an geltenden Rechtsanspruchs auf eine Ganztagesbetreuung ganz zu schweigen.

Als möglichen zweiten Schulstandort schlagen die Ortskenner das Gelände der ehemaligen Papierfabrik Manzinger an der Ziegeleistraße südlich der Bahnlinie der S-Bahn-Linie S 8 vor - auch das eine bereits seit Jahren von Bürgern und Bezirksausschuss ins Auge gefasste Fläche. Die Begründung des Planungsreferats, diese Ecke sei ungeeignet, weil auf dem Areal seltene Schmetterlinge und die europarechtlich streng geschützte Zauneidechse leben, lassen die Bürger nicht gelten: Selbst bei einem Schulneubau könne "mehr als die Hälfte der ökologischen Vorrangfläche bestehen bleiben".

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