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Online-Kriminalität:Abgezockt von der vermeintlich großen Liebe

Symposium - Internetkriminalität

Betrüger geben sich beim Online-Dating als US-Soldaten, Geschäftsleute oder Ingenieure aus und machen ihren Opfern große Versprechen.

(Foto: dpa)
  • Love-Scamming, zu Deutsch soviel wie Liebesschwindel, nennt sich die Masche, mit der Betrüger Geld von vermeintlichen Dates erschleichen.
  • Vor Gericht müssen sich seit Donnerstag zwei Männer verantworten. Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge sollen sie insgesamt 485 247 Euro ergaunert haben.
  • Am meisten betroffen ist eine Adlige aus Starnberg. Von ihr sollen die Angeklagten 380 900 Euro erhalten haben.

Die Täter geben sich als US-Soldaten aus, als Geschäftsleute oder Ingenieure, und sie versprechen ihren Opfern, meist Frauen, das Blaue vom Himmel. Den Kontakt stellen die Betrüger über Datingportale im Internet her. Gelingt dies, chatten die vermeintlichen Soldaten und Geschäftsleute so lange mit ihren Opfern, bis sie deren Vertrauen gewonnen haben. Nach einer Weile geben sie vor, sie brauchten dringend Geld und überreden ihre Chat-Partner, es ihnen zu überweisen. Love-Scamming, zu Deutsch Liebesschwindel, nennt sich die Masche, mit der die Betrüger arbeiten.

Zwei Männer, die auf diese Weise drei Personen in Deutschland um große Teile ihres Vermögens gebracht haben sollen, müssen sich seit Donnerstag vor der 9. Strafkammer am Landgericht München I verantworten. Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge sollen die mutmaßlichen Liebesschwindler insgesamt 485 247 Euro ergaunert haben. Am meisten betroffen ist eine Adlige aus Starnberg. Von ihr sollen die Angeklagten 380 900 Euro erhalten haben. Zum Auftakt des Verfahrens machten die unter anderem wegen bandenmäßigen Betrugs angeklagten Männer, ein Koch und ein Elektroingenieur aus Ghana, keinerlei Angaben zu den Vorwürfen aus der Anklage.

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Im Februar 2016 sollen Desmond T., 29 und Samuel E., 37, auf einem Dating-Portal den Kontakt zu ihrem Opfer in Starnberg über den Account eines laut Staatsanwaltschaft "nicht existenten US-Soldaten" namens Thomas Stabler hergestellt haben. Nach mehreren Wochen soll sich der vermeintliche Soldat das Vertrauen der Starnbergerin erschlichen haben. Eines Tages habe er mitgeteilt, er werde sie besuchen und Diamanten im Wert von einer Millionen Euro mitbringen. Allerdings koste der Transfer der Diamanten nach Deutschland viel Geld.

Bei einem Treffen im Oktober 2016 mit zwei mutmaßlichen Komplizen von Desmond T. und Samuel E. hatte die Starnbergerin im Hotel Bayerischer Hof 128 000 Euro übergeben. Einer der beiden inzwischen vor dem Landgericht München I verurteilten Männer hatte sich der Frau als Anwalt von Thomas Stabler vorgestellt, der andere als Sicherheitsdienstmitarbeiter. Zwischen Mai und Oktober 2016 hatte die Starnbergerin zur angeblich notwendigen Finanzierung des Diamanten-Transfers schließlich 380 900 Euro auf verschiedene Konten im In- und Ausland überwiesen.

In dem Prozess gegen die mutmaßlichen Komplizen von Desmond T. und Samuel E. im Oktober vergangenen Jahres hatte die Frau als Zeugin ausgesagt. Nachdem sie begriffen hatte, dass sie betrogen wurde, war sie in eine schwere Krise geraten und hatte sich für mehrere Wochen in einer psychiatrischen Klinik behandeln lassen. Eine andere Frau, die rund 125 000 Euro überwiesen hatte, berichtete in dem Verfahren, "die Art", wie sie in den Chats mit Worten "berührt" worden sei, sei "aufregend gewesen."