Winterfreuden, Winterfrust Kein Ende in Sicht

Freiwillige der Feuerwehr Helfendorf räumen das Dach eines Supermarktes in Aying.

(Foto: Claus Schunk)

Feuerwehrler und Bauhofmitarbeiter sind auch an diesem Wochenende weiter gefordert - und räumen, räumen, räumen

Von Stefan Gallerund Sabine Wejsada

Glatte Straßen, unter Schneelast ächzende Bäume und Dächer, auf denen sich der Schnee türmt: Die seit Tagen andauernden Schneefälle bescheren Winterdiensten und Feuerwehren Einsätze rund um die Uhr. Eine Verschnaufpause ist für die vielen Helfer auch an diesem Wochenende nicht in Sicht, wie die Meteorologen prognostizieren. Vor allem die zu erwartenden Regenfälle am Sonntag dürften die Situation im Landkreis München noch verschärfen.

Hektisches Treiben herrscht seit dem heftigen Wintereinbruch in der Feuerwehreinsatzzentrale im Landratsamt, wo die Aktivitäten der 45 Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis koordiniert werden.

"Wir müssen alle Problemobjekte auflisten."

Bis zum Freitagnachmittag stellten die einzelnen Gemeinden Listen zusammen, welche öffentlichen Gebäude durch die Schneelasten womöglich einsturzgefährdet sein könnten. "Wir müssen alle Problemobjekte auflisten und dann einen Plan erstellen, sie freizuräumen, das ist derzeit unsere absolute Priorität", sagte Kreisbrandinspektor Erwin Ettl der SZ.

Kreisbrandrat Josef Vielhuber ergänzte, dass am Freitag Sauerlach und Ottobrunn Schwerpunkte der Arbeit gewesen seien. Vor allem in Ottobrunn gebe es viele Flachdächer; fünf Gebäude, die Turnhalle der Schule III und vier Kindergärten, seien "akut gefährdet" gewesen, so der Kreisbrandrat, weshalb man sogleich mit der Räumung der Dächer begonnen hätte.

Am Nachmittag kamen die Spitzen der Kreisbrandinspektion zu einer Krisensitzung zusammen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Anschließend konnte Vielhuber vorsichtig Entwarnung geben: "Die Lage im Landkreis hat sich etwas entspannt, es steht jedoch zu befürchten, dass da am Wochenende noch einiges nachkommt."

Unterdessen sind die Freiwilligen Feuerwehren im Dauereinsatz. Sie sind nicht nur mit der Räumung von Dächern beschäftigt, sondern unterstützen auch die gemeindlichen Mitarbeiter bei Straßenräumungen und der Beseitigung der Schneemassen. "Wir helfen dem Bauhof dabei, die Busverbindungen und Hauptstraßen frei zu bekommen", sagt Hannes Bußjäger, Kommandant in Grasbrunn.

Das gilt laut Bußjäger für viele andere Wehren, etwa jene in Ottobrunn, Grünwald oder Planegg. "Wir bekommen über den Funk mit, dass überall die Feuerwehren auch mit der Beseitigung des Schnees auf den Straßen beschäftigt sind."

Die Ausnahmesituation fordert den Kommunen alles ab, Einfallsreichtum ist gefragt, das verdeutlicht Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern (CSU): "Bereits seit Montag lassen wir von externen Firmen einen Teil der Schneemengen abtransportieren." Am Freitag habe man zusätzlich drei Landwirte beauftragt, unterstützend einzugreifen, um der Massen Herr zu werden.

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Das Wochenende dürfte jedenfalls für kommunale Mitarbeiter und für die Feuerwehren sehr arbeitsreich werden: "Wir haben eine Liste von Gebäuden, die wir abräumen sollen", sagt Bußjäger. "Aber wir können nur mit kleinen Einheiten arbeiten, schließlich müssen wir auch für andere Einsätze wie Brände oder Unfälle gewappnet sein." Am Freitag hatten Bußjägers Leute die gemeindliche Turnhalle und den Kindergarten vom Schnee befreit.

Auf der A 99 wird es eng

Wenig Probleme gibt es zumindest in Grasbrunn derzeit noch mit Bäumen, die unter den Lasten umzustürzen drohen. "Da ist die Lage bei uns nicht dramatisch", sagt der Kommandant. Praktisch alle Wehren aus dem Landkreis sind mit derlei Arbeiten beschäftigt: So musste die Freiwillige Feuerwehr Helfendorf am Donnerstag zwei Bauernhäuser vom Schnee befreien. Am Nachmittag räumten die Einsatzkräfte dann das Dach eines Supermarktes frei, wie Kommandant Hans-Peter Huber berichtet.

Auf viel Arbeit dürften sich auch die für die Autobahnen zuständigen Autobahnmeistereien in Freimann, Hohenbrunn und Riem einstellen, die dafür verantwortlich sind, dass der Verkehr auf den fünf Autobahnen im Landkreis (A 8, A 9, A 94, A 99, A 995) halbwegs fließen kann. Eine besondere Herausforderung für die Räumdienste stellt dabei die A 99 dar - wegen der großen Baustellen. "Da haben wir freilich einen erhöhten Aufwand", sagt Josef Seebacher, Sprecher der Autobahndirektion Südbayern.

Wegen der verengten Fahrspuren könnten nicht die üblichen Räumwagen Dienst tun. "Wir fahren im Konvoi", so Seebacher. Bis zu vier Räumer, die in den Engstellen die Seitenpflüge einklappen können, sind versetzt unterwegs. "Das ist wie beim Formationsflug." Trotz der Witterung ruht die Baustelle zum achtstreifigen Ausbau der A 99 zwischen Autobahnkreuz München-Nord und Aschheim nicht. An den beiden Brücken über den Mittleren Isarkanal und über die Staatsstraße zwischen Ismaning und Unterföhring werden weitere Abbrucharbeiten vorgenommen - im Schneetreiben.