Filmprojekt:Schöne Symbiosen

Lesezeit: 2 min

Filmprojekt: Sophie Kompe mal nicht im Wald, sondern im Studio bei Dreharbeiten mit Greenscreen.

Sophie Kompe mal nicht im Wald, sondern im Studio bei Dreharbeiten mit Greenscreen.

(Foto: Marion Custred/Alpensektor)

Wenn es darum geht, ihre poetisch fließenden Texte in laufende Bilder umzusetzen, ist Sophie Kompe als Darstellerin hart im Nehmen. Ihren neuen Film hat sie mit einer Ottobrunner Agentur gedreht.

Von Udo Watter, Unterschleißheim

Die Poetin Sophie Kompe ist kein Weichei, geschweige denn eine Warmduscherin. Für ihren Poetry-Clip "Eiszeit", mit dem sie im Februar vergangenen Jahres die Filmreihe "Dreh-Durch-Donnerstag" der Regenschirmpoeten eröffnete, ging sie baden - im winterlichen, von Eisplatten bedeckten Unterschleißheimer See. Tauchte den Kopf mitsamt Mütze komplett unter.

In ihrem neuesten, noch aufwendiger gestalteten, Film "Schön oder schön" rennt sie bei Minusgraden barfuß durch das Unterholz, über den gefrorenen Waldboden, am Körper nur ein dünnes Nachthemd. Weil mit Drohnen gefilmt wurde, hatte sie keine Schuhe dabei, da rund um den Drehort nichts Deplatziertes den Blick stören sollte. "Meine Füße waren so kalt, mir war so kalt, dass ich irgendwann gar nicht mehr klar denken konnte", erinnert sich die 36-Jährige. Nach den mehrstündigen Dreharbeiten hat sie dann mit der Pinzette Dornen aus ihren Füßen gezogen, die sie sich während des Quer-Feldein-Laufes eingezogen hatte.

Sophie Kompe, Leiterin der Unterschleißheimer Regenschirmpoeten, mit denen sie 2021 einen Tassilo-Hauptpreis der SZ gewonnen hat, liebt es aber, aus der Komfortzone auszubrechen, Intensität zu spüren - vor allem, wenn es darum geht, ihre poetisch fließenden Texte in laufende Bilder umzusetzen. "Ich mag solche Grenzerfahrungen", sagt sie. Der Film, den sie im Januar in einem Wald bei Ottobrunn mit der Agentur Alpensektor drehte, ist beeindruckend professionell geworden. Optik, Schnitt und Tempo sind packend. "Manche Menschen haben ihr Glück irgendwo im Wald vergraben, und wussten, dass sie absichtlich die Koordinaten aufgaben", heißt es in dem gut fünfminütigem Poetry-Clip, der online zu sehen ist (https://youtu.be/mpT8ILq5z3I) aber auch als aktueller Beitrag der Dreh-Durch-Donnerstags-Reihe im Lohhofer Programmkino "Capitol" gezeigt wird - Kinobesitzer Stefan Stefanov ist ebenfalls Tassilo-Preisträger.

Bewerbung bei internationalem Wettbewerb

Kompe will sich mit "Schön oder schön" (sowie ihren anderen beiden Dreh-Durch-Clips "Eiszeit" und Metamaskose meines Mannes") nun bei einem internationalen Poetry-Filmwettbewerb in Weimar bewerben. Die Zusammenarbeit mit der in Ottobrunn ansässigen Agentur Alpensektor und speziell dem für Kamera und Schnitt verantwortlichen Stephan Jäger war befruchtend (und kostenfrei). Text und Bild gehen eine merkwürdig-schöne Symbiose ein, der Wald wird ein bisschen zum magischen Ort, auch im Studio wurde mit Greenscreen gearbeitet. Es geht einerseits um Menschen, die das Glück fassen, die den Unbilden des Daseins begegnen und andererseits um diejenigen, welche gleichsam unfähig zum Glück sind, die es sich in ihrer Schwermut einrichten. "Es kommt immer darauf an, wie wir mit Situationen umgehen", so Kompe.

Man muss im Clip nicht jeden Reim perfekt finden, aber der poetische Ton trifft Herz und Hirn. Und weckt sogar Assoziationen zu aktuellen Geschehnissen. Der unglückliche Mensch (Andrea Kaltenbach), der im Video sein in der Erde vergrabenes Glück sucht und den Kompe trifft, hat eine Tarnjacke an und wirkt nicht nur seelisch verwundet ("Die Finger zerschunden, an seinen Armen offene Wunden"). Im Film gibt's ein Happy End, am Ende singt Sophie Kompe ein Lied, das der Unterschleißheimer Musiker und "Lichtblicke"-Organisator Benjamin Straßer komponiert hat. Kompe ist vielleicht nicht die einzige, die ihr Werk beim Weimarer Poetryfilm-Festival einreicht, sie hat auch die jüngeren Mitglieder der Regenschirmpoeten - Schüler des Unterschleißheimer Gymnasiums - ermuntert, das zu tun. Der nächste Dreh-Durch-Clip, der an diesem Donnerstag im "Capitol" anläuft, ist von Lucie Berkholz ("Warten").

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB