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Fahrradfreundliche Kommune:Sicher zum See

Radfahrer zur Zeit der Corona-Krise in München, 2020

Auf dem Furtweg haben Radler künftig Vorrang.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Furtweg in Unterschleißheim wird als Fahrradstraße ausgewiesen. Autofahrer müssen künftig auf der Fahrbahn auf Radler Rücksicht nehmen, und Fußgänger haben den Gehweg für sich alleine

Von Bernhard Lohr, Unterschleißheim

Unterschleißheim bekommt seine erste Fahrradstraße. Auf dem Furtweg haben Radler von der Straße Am Weiher bis zum Unterschleißheimer See künftig Vorrang. Damit sollen vor allem im Sommer die Ausflügler geschützt werden, die mit Kindern zum Freizeitgelände oder auf der dort verlaufenden überörtlichen Fahrradroute unterwegs sind. Die Radler dürfen weder gefährdet noch behindert werden. Ein "Anlieger frei"-Schild ermöglicht die Anfahrt zum See mit dem Auto, wobei Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit gilt.

Die Entscheidung war umstritten. Vor einem Jahr waren die Grünen noch damit gescheitert, den Furtweg als Fahrradstraße auszuweisen. Auch diesmal stimmten CSU und Freie Bürgerschaft dagegen. Die Polizei hatte in ihrer Stellungnahme gewarnt, es könnte dort zu gefährlichen Situationen mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen kommen, weil die Verkehrssituation im Bereich der Brücke über die Autobahn schwer zu überblicken sei. Auch seien keine Unfälle mit Radfahrern dort bekannt. Es könne also alles so bleiben, wie es ist, empfahl die Polizei.

Die Grünen allerdings erhoffen sich von der Einrichtung der Fahrradstraße ein Signal, dass in der Stadt insgesamt mehr Leute aufs Rad steigen sollen. Den erneuten Antrag begründeten sie mit der Novelle der Straßenverkehrsordnung im April diesen Jahres und mit Beteuerungen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), dass Fußgänger und Radfahrer als die "schwächeren Verkehrsteilnehmer" besser geschützt werden müssten.

Die Fahrradbeauftragte im Unterschleißheimer Rathaus, Alisa Utz, befürwortete unter anderem mit diesem Argument wie schon vor einem Jahr, den Furtweg als Fahrradstraße auszuweisen. Die rechtlichen Voraussetzungen seien dort erfüllt. Dieser sei Teil "einer überörtlichen Route des touristischen Radverkehrs". Auf dem Weg zum See seien verschiedene Radfahrergruppen unterwegs, insbesondere auch Familien mit Kindern, schreibt Utz. Auch werde so vermieden, dass der Gehweg von Fahrradfahrern genutzt werde. Am Furtweg mit der Brücke steht eine Sanierung an, in deren Folge der Geh- und Radweg auf vier Meter verbreitert werden soll. Bis es soweit sei, findet Utz, könne die Fahrradstraße als kostengünstige Übergangslösung dienen.

Der Furtweg zum Unterschleißheimer See soll künftig als Fahrradstraße ausgewiesen werden.

(Foto: privat)

Seit November vergangenen Jahres darf sich Unterschleißheim als fahrradfreundliche Kommune bezeichnen. Bei einer Tour durch die Stadt, bei der Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen (AGFK) Defizite bewerteten und Potenziale auszumachen suchten, hieß es schon, es könnte ein "sinnvolles Mittel" sein, den Furtweg vor allem dann als Fahrradstraße auszuweisen, wenn sich dieser in das Netzkonzept der Stadt einfüge. Die Route ist im Radwegenetz tatsächlich als Hauptroute klassifiziert und in der Netzplanung der Stadt Unterschleißheim als überregionale Freizeitroute in Richtung Allershausen und Haimhausen eingestuft.

Die Stadt Unterschleißheim hat sich getreu dem Ziel, eine fahrradfreundliche Kommune zu sein, vorgenommen, den Radverkehr zu fördern. Grundlage ist eine Studie aus dem Jahr 2013 auf der aufbauend im Jahr 2018 eine "Handlungsstrategie Radverkehr" entwickelt wurde. Was dort vorgegeben sei, werde kontinuierlich umgesetzt, heißt es aus dem Rathaus. So wurde jetzt auch beschlossen, die Zahl der Fahrradabstellplätze am Lohhofer S-Bahnhof zu erhöhen.

Der viel genutzte Zugang an der Südseite am Hollerner Weg wird von vielen Radlern angesteuert, die dort aber nur 48 überdachte, jedoch unbeleuchtete und veraltete Stellplätze vorfinden. Dort könnte es je nach Ausbauvariante bald 120 Stellplätze geben. Auch für den Bereich des Bahnsteigzugangs auf der Nordseite wird über Verbesserungen nachgedacht. Der Umwelt- und Verkehrsauschuss des Stadtrats stimmte der Fahrradbeauftragten Alisa Utz zufolge zu, das so weiterzuverfolgen. Im Dezember ist eine Ortsbegehung mit Vertretern der Deutschen Bahn am S-Bahnhof anberaumt.

© SZ vom 25.11.2020
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