Energiewende:Unterhaching will Windräder im Perlacher oder Grünwalder Forst

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Energiewende: Der Perlacher Forst liegt gleich gegenüber von Unterhaching an der A 995 und ist gemeindefreies Gebiet.

Der Perlacher Forst liegt gleich gegenüber von Unterhaching an der A 995 und ist gemeindefreies Gebiet.

(Foto: Claus Schunk)

Weil die Kommune selbst keine geeigneten Flächen hat, bringt sie den Bau auf gemeindefreiem Gebiet ins Spiel.

Von Patrik Stäbler, Unterhaching

Das Ziel ist klar, der Weg aber noch ungewiss: Bis zum Jahr 2030 soll Unterhaching klimaneutral werden, so hat es der Gemeinderat Ende 2021 beschlossen. Damit einher geht der Plan, die Stromversorgung im Ort ausschließlich mit erneuerbaren Energien abzudecken - wofür es wiederum Windkraft- und Photovoltaikanlagen brauchen wird. Als Standort für Letztere sollen nun drei kommunale Grundstücke an der Autobahn geprüft werden. Und bei der Windenergie will sich die Gemeinde in Ermangelung geeigneter Flächen im Ort für den Bau von Windrädern auf gemeindefreiem Gebiet im Perlacher und Grünwalder Forst einsetzen.

Für diese Marschrichtung hat sich der Bauausschuss einmütig ausgesprochen. Daher gilt es als wahrscheinlich, dass der Gemeinderat dieser Empfehlung folgen wird. Nicht einheitlich, aber mit klarer Mehrheit, lehnte der Ausschuss unterdessen einen Vorstoß der CSU ab, wonach der Bau eines Solarparks auf dem Autobahndeckel im Landschaftspark geprüft werden solle. Dies sei im dortigen Biotop rechtlich nicht möglich, erläuterte Rathausmitarbeiterin Cornelia Wiesmeier von der Stabsstelle Klimaresilienz in der Sitzung. Zudem sprächen "weiche Gründe" gegen eine solche Anlage - etwa die Gefahr durch Vandalismus und die Einschränkung des Erholungswerts. "Wir sollten den Bürgern dieses Freizeitgelände nicht wegnehmen", bekräftigte Gertraud Schubert von den Freien Wählern (FWU), während Harald Nottmeyer (SPD) warnte, dass der Landschaftspark durch eine solche Anlage "zerschnitten" würde.

Verhandlungen über Photovoltaikanlagen an der Autobahn sind bisher ohne Erfolg verlaufen

Anders sah das Franz Felzmann, der einen Solarpark auf dem Autobahndeckel "nicht von vornherein ausschließen" wollte. Neben diesem Prüfauftrag hatte seine CSU auch beantragt, dass die Gemeinde mit den Eigentümern der Äcker entlang der A 8 und der A 995 verhandelt - mit dem Ziel, dort Flächen zu pachten und Freiflächen-Photovoltaikanlagen zu errichten. Inzwischen hätten Gespräche stattgefunden, berichtete Cornelia Wiesmeier, "doch leider haben sie nicht zu einer Interessensbekundung geführt". Nun wolle man einen runden Tisch mit den Landwirten sowie Vertretern von Gemeinde, Agenda 21 und Bürger-Energie Unterhaching (BEU) einberufen. Parallel dazu habe das Rathaus die eigenen Flächen geprüft und dabei drei Grundstücke ermittelt, "die sich eignen könnten", sagte Wiesmeier. Sie liegen allesamt an der A 8 - zum einen nahe der Auffahrt Unterhaching-Ost, zum anderen weiter nördlich auf Höhe des Burgmaierwegs.

Für diese Gebiete soll nun eine vertiefte Prüfung erfolgen, ehe man bei einem positiven Ergebnis die planungsrechtlichen Voraussetzungen für einen Solarpark schaffen würde. Dass Freiflächen-Photovoltaik eine wichtige Rolle bei den Klimazielen Unterhachings spielen werde, stehe außer Frage, sagte Cornelia Wiesmeier. Aktuell gebe es in der Gemeinde drei dieser Anlagen, die alle von der BEU betrieben und zusammen drei Prozent des Strombedarfs im Ort abdecken würde. Die Klimaexpertin betonte: "Es ist bereits jetzt abzusehen, dass mindestens eine Verzehnfachung der Kapazitäten notwendig sein wird."

Beim Thema Windenergie - hier hatte die SPD den Bau eines Windrads im Perlacher Forst beantragt - habe Unterhaching auf eigener Flur "nur sehr begrenzte Möglichkeiten", sagte Wiesmeier. Daher müsse man über die Gemeindegrenze hinausblicken - in Richtung Perlacher und Grünwalder Forst. Sollte der Gemeinderat der Empfehlung des Bauausschusses folgen, wird das Rathaus dem Regionalen Planungsverband, dem Landratsamt und den Bayerischen Staatsforsten mitteilen, dass die Gemeinde am Bau von Windenergieanlagen im dortigen gemeindefreien Gebiet interessiert ist. Auf Rückfrage von Stefan König (Grüne), inwiefern bei künftigen Solarparks oder Windrädern eine Bürgerbeteiligung vorgesehen sei, sagte Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD): "Grundsätzlich wäre das das Ziel."

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