bedeckt München 13°

Unterföhring:Quaddeln nach dem Baden

Im warmen Wasser des Feringasees lauern wieder Saugwürmer.

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Fast jeden Sommer das gleiche Spiel: Weil im Feringasee in Unterföhring offenbar wieder Zerkarien ihr Unwesen treiben, sollen an den Ufern des bei Besuchern äußerst beliebten Gewässers Informationstafeln aufgestellt werden, um vor einem eventuell auftretenden Juckreiz nach dem Schwimmen zu warnen. Das hat am Mittwochnachmittag eine Sprecherin des Landratsamtes bestätigt. Ein Badeverbot sei aber nicht geplant, heißt es aus der Kreisbehörde.

Wenn die Wassertemperaturen von Seen und Weihern auf 20 Grad oder mehr steigen, dann kann es nach dem Bad zu lästigem Hautausschlag und juckenden Quaddeln kommen, die Mediziner auch Badedermatitis nennen. Verursacht wird diese durch mikroskopisch kleine Larven von Saugwürmern, die sich in die Haut bohren. Als natürliche Endwirte gelten verschiedene Arten von Wasservögeln wie Enten, Gänse und Schwäne. Am Feringasee ist seit Wochen eine große Population von Graugänsen zu Hause. Die Tiere scheiden die Eier der Würmer mit dem Kot im See aus, wo dann die Larven schlüpfen und in Wasserschnecken eindringen, ehe sie sich zu Zerkarien entwickeln, die frei schwimmend den Menschen befallen.

Der Mensch als Fehlwirt

Dort werden sie in der Regel schnell durch das Immunsystem des Menschen abgetötet, der generell als "Fehlwirt" im Entwicklungszyklus der Saugwürmer gilt, weil sich der Parasit weder länger halten noch weiterentwickeln kann, wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit mitteilt. Erstinfektionen verliefen meist ohne klinische Symptome, es könne jedoch gelegentlich schon wenige Minuten nach dem ersten Kontakt vorkommen, dass die Haut juckt und sich kleine rote Flecken bilden. Meist würden diese Stellen nach zehn bis 20 Tagen abheilen. Nur wenn sie sich entzünden, weil sie aufgekratzt wurden, sei ein Arztbesuch ratsam.

Wer sich vor den Bohrlarven schützen will, ohne dabei auf das Baden in einem betroffenen Gewässer zu verzichten, dem rät das Bayerische Gesundheitsamt, ein paar Regeln zu befolgen: So sollten vor allem längere Aufenthalte im flachen Uferbereich gemieden werden, wo die Zerkarien es vor allem auf Kinder abgesehen haben können; Gleiches gilt für Bereiche, in denen es viele Wasserpflanzen gibt. Nach dem Schwimmen sollten die Badesachen zügig gewechselt werden. Sinnvoll ist es zudem, den Körper mit einem Handtuch gut abzureiben, weil Zerkarien schnell austrockneten, so das Gesundheitsamt. Falls möglich, könne auch eine Quallenschutzlotion verwendet werden.

Der Feringasee ist seit mittlerweile acht Jahren immer wieder von den lästigen Parasiten befallen, doch auch in anderen Weihern der Region können sie vorkommen. Eine Möglichkeit, die Saugwürmer einzudämmen, besteht nach Angaben des Landratsamtes darin, Enten und andere Wasservögel von Badeseen fernzuhalten. Besucher sollten in jedem Fall aufhören, Wasservögel zu füttern, so die Kreisbehörde. Dies helfe, das Risiko eines Befalls mit Zerkarien zu verhindern, und sei auch aus hygienischen Gründen wünschenswert, weil dann die Liegewiesen an den Seen sauber blieben.

© SZ vom 06.08.2020/belo

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite