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Unterföhring:Bauern fürchten Schutzgebiet

Moosgrund im Nordenwesten von München, 2019

Ausflugsziel in der Nähe des Heizkraftwerks: Die Unterföhringer Landwirte sorgen sich um ihre Äcker, wenn künftig noch mehr Spaziergänger durch das Landschaftschutzgebiet am Moosgrund laufen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Das geplante Landschaftsschutzgebiet "Moosgrund im Münchner Nordosten" könnte auch Auswirkungen auf die Gemeinde am Stadtrand haben - und vor allem auf die Arbeit der Landwirte

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Streng genommen ist die Gemeinde Unterföhring von der Schaffung eines neuen Landschaftsschutzgebietes mit dem Namen "Moosgrund im Münchner Nordosten" gar nicht tangiert - die Folgen einer Inschutznahme des circa 360 Hektar großen Geländes aber fürchten auch die Lokalpolitiker in der Stadtrandgemeinde. Bereits im Umweltausschuss und nun auch im Gemeinderat haben die Unterföhringer eingehend über das geplante Schutzgebiet debattiert und eine Referentin vom Bayerischen Bauernverband (BBV) eingeladen, um sich genauer zu informieren. Nicht alle im Gremium aber sind erfreut gewesen, dass das Rathaus sich nicht um jemanden aus der Unteren Naturschutzbehörde bemüht hat, sondern um eine Vertreterin des Bauernverbandes.

Hintergrund der Debatte in Unterföhring ist die Aufforderung an die Kommune, eine Stellungnahme zu den Plänen der Münchner abzugeben. Dazu aber sieht sich die Mediengemeinde nicht imstande, bevor weitere Fragen beantwortet sind, wie der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig befunden hat. So will das Gremium wissen, ob das neue Landschaftsschutzgebiet im Zusammenhang mit der sogenannten Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM) in Bogenhausen steht, wie sich das Schutzgebiet auf den geplanten vierspurigen Ausbau der Kreisstraße M 3 vom Föhringer Ring bis zur Autobahn A 99 auswirken kann und ob die Unterföhringer Bauern Konsequenzen für ihre Arbeit fürchten müssen. Zudem wundern sich die Unterföhringer darüber, dass in dem Schutzgebiet weiterhin eine umfangreiche Kiesausbeutung erlaubt bleiben soll.

Mit 360 Hektar ist das Landschaftsschutzgebiet noch ein wenig größer als die Fröttmaninger Heide. Anders als das dortige Naturschutzgebiet wird das ehemalige Niedermoorgebiet ganz im Nordosten des Münchner Stadtteils Bogenhausen und an der Grenze zu Aschheim und Dornach aber noch landwirtschaftlich genutzt. Zurückgehend auf eine Rahmenplanung des Stadtrats von 1993, ist der Moosgrund schon seit Juli 2016 als Landschaftsschutzgebiet einstweilig gesichert.

Anfang 2020 startete das eigentliche Beteiligungsverfahren, Unterföhring sollte wie andere sogenannte Träger öffentlicher Belange, zu denen nicht nur Kommunen und Behörden, sondern auch Vereine und andere Organisationen wie etwa der Bauernverband gehören, im Juli und August seine Stellungnahme abgeben. Geplant war ursprünglich, die Ausweisung des Landschaftsschutzgebietes Moosgrund noch im laufenden Jahr abzuschließen. Doch dies ist noch nicht erfolgt, wie Ingo Trömer, Sprecher des Referats für Stadtplanung und Bauordnung Landeshauptstadt München, mitteilt.

Im Sommer mussten die Pläne erneut ausgelegt werden, weil der Umgriff des Gebietes geringfügig verkleinert wurde, was laut Planungsreferat im Zusammenhang mit den städtebaulichen Planungen im Münchner Nordosten steht und einer denkbaren verkehrsmäßigen Erschließung des großen Wohn- und Gewerbegebietes über die nahe Kreisstraße M 3 bei Unterföhring. Derzeit werden die eingegangenen Einwendungen ausgewertet, rechtlich geprüft und gewürdigt. Die Ausweisung des Landschaftsschutzgebietes verschiebe sich deshalb voraussichtlich auf Anfang 2021, so das Planungsreferat.

Anders als in einem höher eingestuften Naturschutzgebiet gibt es im Landschaftsschutzgebiet keine ausdrücklichen Verbote, sondern nur den Grundsatz, dass sich der Charakter des Gebiets nicht verändern oder verschlechtern darf. Geplante Aktivitäten wie Bewirtschaftung oder Kiesabbau müssen zuvor genehmigt werden. Für die im Moosgrund arbeitenden Bauern stellen die nach der endgültigen Ausweisung nötigen Genehmigungen ein Problem dar. Die ansässigen Landwirte genießen zwar Bestandsschutz, müssten aber künftig Einschränkungen hinnehmen. Und sie fürchten auch um ihre Äcker, wenn in absehbarer Zukunft das direkt angrenzende Gebiet der SEM bezogen sein wird und noch mehr Bewohner durch die Flur spazieren.

Schon heute ist der Moosgrund für viele Menschen aus München-Bogenhausen, aus Aschheim und Dornach sowie Unterföhring als Erholungsfläche attraktiv. In der weitläufigen Landschaft mit ihren Feldern und Äckern, Hecken und Feldgehölzen, dem Abfanggraben mit seinem Gewässer und dem alten Bahndamm als südlicher Grenze lässt sich gut Luft schnappen. Das soll auch so bleiben, wenn das Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist.

© SZ vom 28.10.2020
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