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Traglufthalle Neubiberg:Umquartierte Flüchtlinge sollen am Wochenende zurückkehren

Die Traglufthalle in Neubiberg sackte in sich zusammen. Auslöser war aber nicht der Sturm.

(Foto: Claus Schunk)

Die Neubiberger Traglufthalle ist wegen Gasgeruchs evakuiert worden. 237 Flüchtlinge kommen vorübergehend in Grünwald unter.

Der Wind bläst, ein paar Fahrräder vor der Traglufthalle am östlichen Ende der ehemaligen Landebahn in Neubiberg sind umgefallen, an ein paar Ecken der Halle ist die Isolierfolie aufgerissen. Es sieht aus, als ob nichts gewesen wäre. Nur die 237 Asylbewerber, die derzeit eigentlich hier wohnen, sind nicht da.

Die Halle wurde am Montagabend vorsorglich vom Sicherheitsdienst evakuiert, nachdem dieser an der Heizungsanlage außerhalb der Halle Gasgeruch festgestellt hatte. Ein defekter Filter sei dafür verantwortlich gewesen, sagt Landrat Christoph Göbel (CSU), der noch am Abend nach Neubiberg kam und den Einsatz koordinierte. "Die Sicherheitskräfte haben vorbildhaft reagiert", sagt Göbel. "Der Einsatz hat gezeigt, dass alle Maßnahmen greifen."

Die Halle sackt zusammen, wenn die Notausgänge geöffnet werden

Dennoch muss es - allen voran für die Menschen in der Halle - eine aufregende Situation gewesen sein, als die Folienkonstruktion in sich zusammenfiel. "Die Halle sah dramatisch aus", sagt Gerhard Bieber, Pressesprecher der Johanniter-Unfall-Hilfe im Regionalverband München, betont aber: "Die Menschen waren sehr ruhig und unaufgeregt."

Gerüchte, dass die Halle aufgrund des Sturms zusammenfiel, dementiert das Landratsamt. Vielmehr, sagt Landrat Göbel, sacke die Halle zusammen, wenn die Notausgänge geöffnet werden. Deshalb sind laut Leonhard Schmid, Leiter der Stabsstelle Asyl im Landratsamt, auch die Container und das Gerüst in der Mitte der Halle so angeordnet, dass die Folie sich darauf absenken kann. Normalerweise dürfen nur wenige Personen gleichzeitig die Schleusentüren benutzen, weil die Hülle mit einem erhöhten Luftdruck im Inneren stabil gehalten wird. Für die Evakuierung indes wurden alle sechs Notausgänge geöffnet - dann fiel die Halle in sich zusammen.

Flüchtlinge in München Traglufthalle fällt nach technischem Defekt zusammen
Notunterkunft für Flüchtlinge

Traglufthalle fällt nach technischem Defekt zusammen

237 Flüchtlinge müssen die Notunterkunft in Neubiberg verlassen. Sie sind nun in einer anderen Traglufthalle untergebracht, die erst in den kommenden Tagen in Betrieb genommen werden sollte.

Alle Bewohner kamen sicher ins Freie und wurden mit Bussen der Feuerwehr in die Dreifachturnhalle des nahegelegenen Sportzentrums in der Zwergerstraße in Neubiberg gebracht. Zum Schutz vor Kälte und Wind. Mehr als 50 ehrenamtliche Einsatzkräfte der Johanniter aus Ottobrunn und des Bayerischen Roten Kreuzes aus der Stadt und dem Landkreis versorgten die Menschen dort mit dem Nötigsten. "Hauptsächlich ging es um solche Dinge wie Windeln oder Babynahrung, an die die Menschen ja nicht herankamen", sagt Pressesprecher Bieber.

Die Unterbringung in Wörnbrunn ist eine Notlösung

Auch die örtliche Feuerwehr und Mitglieder des örtlichen Helferkreises kümmerten sich um die Menschen. "Wir haben Tee gekocht und versuchten, Sicherheit und Beruhigung zu schaffen mit bekannten Gesichtern", sagt Eva Clausen, Leiterin des Teams Freizeit und Kultur im Helferkreis. Landrat Christoph Göbel war es dann, der nach Mitternacht die Verlegung der Menschen von der Sporthalle zur vorläufigen Unterbringung in die Traglufthalle nach Wörnbrunn in Grünwald anordnete.

Eine Notlösung, denn die Halle - die fünfte ihrer Art im Landkreis - ist eigentlich noch nicht in Betrieb und sollte erst kommende Woche belegt werden. Der Besichtigungstermin der Halle für die Öffentlichkeit, der für diesen Mittwoch angesetzt war, entfällt. Es soll einen Ersatztermin geben.

Die Neubiberger Traglufthalle steht wieder

Die Flüchtlinge sollen nach Angaben des Landratsamts so lange in Wörnbrunn bleiben, bis sie wieder in die Halle in Neubiberg einziehen können. "Wir hoffen, dass sie spätestens am Wochenende wieder nach Neubiberg kommen können", sagt Christine Spiegel, Pressesprecherin im Landratsamt. Die Neubiberger Halle wurde bereits in der Nacht wieder aufgebaut, es waren Techniker der zuständigen Firma Paranet im Einsatz.

Denn der Landkreis benötigt jede Flüchtlingsunterkunft. Mittlerweile hat die Regierung von Oberbayern die Zuweisungsquote für den Landkreis noch einmal erhöht - seit dieser Woche muss das Landratsamt wöchentlich 145 Neuankömmlinge unterbringen. Noch Ende Oktober hatte die Regierung das Kontingent an unterzubringenden Menschen auf 111 Personen pro Woche angehoben.

Die sechste Halle im Landkreis wird am Wochenende in Unterföhring errichtet

Um dieser Herausforderung Herr zu werden, wird von diesem Wochenende an die sechste Traglufthalle des Landkreises in Unterföhring errichtet - erneut für bis zu 300 Menschen; die Bürger der Gemeinde haben am 14. Dezember von 16.30 bis 18.30 Uhr die Möglichkeit, die Unterkunft zu besichtigen. Anfang 2016 entsteht auch in Haar eine Halle - und weitere könnten folgen, sagt Landrat Göbel.

Am Tag nach der Evakuierung ist es in Neubiberg ruhig. Neben Mitarbeitern des Landratsamts ist ein Kamerateam da, auch Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, die die Halle weiterhin 24 Stunden bewachen. Und ein paar Ehrenamtliche vom Helferkreis, die Stifte, Blöcke und andere Dinge für Kinder in einer rosa Kiste zusammengepackt haben. "Wir sind hier, um ein paar Sachen für sie zu holen und sie ihnen nach Wörnbrunn zu bringen", sagt Eva Clausen.