Strom aus Abfall:Biomüll wird künftig dezentral verwertet

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Biomüllvergärungsanlage in Kirchstockach, 2011

Die Biomüllvergärungsanlage wird abgewickelt. Was kommt, ist ungewiss.

(Foto: Angelika Bardehle)

Nach dem Ende der Vergärungsanlage in Kirchstockach sucht der Landkreis vier Unternehmen, die ihm die Abfälle abnehmen. Der Landrat betont, dass nur ein Teil in dem Brunnthaler Gemeindeteil verladen werden soll.

Von Angela Boschert, Brunnthal

Das Jahresende und damit die Stilllegung der landkreiseigenen Biomüllvergärungsanlage im Brunnthaler Ortsteil Kirchstockach rückt näher. Die neun Mitarbeiter des Betreibers Ganser-Entsorgung haben vom 1. Januar an bei anderen Firmen einen festen Arbeitsplatz. Doch noch immer ist vom Landratsamt nicht konkret zu erfahren, was künftig einerseits mit den Abfällen, andererseits mit der 25 Jahre alten Anlage auf dem Betriebsgelände der Ganser-Gruppe geschieht. Offenbar soll der Biomüll aber künftig von verschiedenen Unternehmen aufbereitet werden, die ihn nur zum Teil in Kirchstockach abholen.

Auf Nachfrage ließ Landrat Christoph Göbel (CSU) über seine Pressesprecherin mitteilen, er habe vollstes Verständnis dafür, dass die Bürger "wissen möchten, wie es auf dem Gelände weitergehen und wie der Biomüll aus dem Landkreis München in den nächsten Jahren verwertet werden wird". Dem Landratsamt sei es jedoch aus rechtlichen Gründen nicht möglich, Auskünfte zu einem noch laufenden Vergabeverfahren zu geben, das "zwingend in einem nichtöffentlichen Verfahren zu erfolgen habe".

Selbstverständlich habe man sich nicht erst im Sommer 2021 mit der Anlage befasst, sondern kümmere sich bereits seit vielen Jahren intensiv um deren Zustand, habe diese technisch aufgerüstet sowie alle Möglichkeiten ausgelotet, sie auch in Zukunft weiter zu betreiben. Das wäre aber inzwischen nur mit unverhältnismäßig hohen Investitionen möglich und weder finanziell noch umwelttechnisch vernünftig, zumal es zu einem sehr hohen Anstieg der Entsorgungspreise und folglich der Müllgebühren führen würde. Der Kreistag habe sich daher mit Alternativen für den Zeitraum von Januar 2022 an befasst und stelle "seit geraumer Zeit ernsthafte Gedanken zu langfristigen Lösungsansätzen innovativer, nachhaltiger Verwertung des Biomülls an, bis hin zur möglichen Herstellung grünen Wasserstoffs, und tut dies auch bei Betrachtung weiterer Nutzungsmöglichkeiten des heutigen Betriebsgeländes", so der Landrat.

Energie- und Gewerbepark

Die Pachtdauer des heutigen Geländes endet im Jahr 2035. Aber die Ganser-Gruppe hat für den Landkreis noch immer ein 18 000 Quadratmeter großes Grundstück nördlich der heutigen Anlage reserviert, das außerhalb des Wasserschutzgebiets liegt. Auf ihm könnten Alternativen zur heutigen Anlage entstehen, was natürlich die Zustimmung aller Beteiligten benötigt. Das öffnet Perspektiven, zumal Matthias Ganser noch immer die Vision eines regenerativen "Energie- und Gewerbeparks Kirchstockach" verfolgt.

Dringlicher ist jedoch die Lösung der Frage, was aus Bananenschalen und Grünschnitt des Landkreises wird, wenn dessen einzige Biomüllvergärungsanlage stillgelegt ist. Göbel betont, weder er, noch seine Verwaltung, noch der Kreistag wollten, dass in Zukunft "aus dem ganzen Landkreis Biomüll nach Kirchstockach gefahren, dort umgeladen und wieder abgefahren wird", mit Betonung auf "aus dem ganzen Landkreis". Aus öffentlich zugänglichen Unterlagen geht hervor, dass die Vergabe auf vier Lose aufgeteilt ist. Somit wird für Teile des Landkreises offenbar eine andere Lösung gesucht. Nähere Angaben sind nicht zu erhalten, solange das Vergabeverfahren läuft.

Offenbar haben sich Bewerber für das größte Los, also den meisten Müll, gefunden. Wie viele es sind und wo sie sitzen, ist nicht zu erfahren. Große Entsorgungsunternehmen wie Remondis verweisen auf das laufende nichtöffentliche Verfahren. Bekanntlich soll laut Landratsamt in Kirchstockach keine Zwischenlagerung stattfinden, sondern es erfolgt "ein direkter Umschlag des angelieferten Bioabfalls der Gemeinden auf Fahrzeuge des zukünftigen Verwertungsunternehmens. Diese verbringen dann den Bioabfall zur eigentlichen Verwertung". Aber eben nicht den Müll des gesamten Landkreises.

Durch den Weitertransport des Mülls entstehe mehr Verkehr, rügte ein Anwohner bei der Brunnthaler Bürgerversammlung und wandte sich ausdrücklich dagegen. Doch stellt sich auch die Frage, wie sich das Ende der 25 Jahre alten Biomüllvergärungsanlage gestaltet. Der Betreiber, die Ganser-Entsorgung, hat nach eigenen Angaben keine Expertise, solch eine Anlage stillzulegen. Das sei eine Aufgabe für Fachfirmen. Die Frage, ob es bereits nach solchen sucht, beantwortete das Landratsamt am Montag nicht. Es teilte lediglich mit: "Der Betrieb im gegenwärtigen Zustand endet zum 30. 12. 2021. Über den weiteren Umgang mit der Anlage ist bis dato noch nicht entschieden."

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