Streit um Abwasser Vom Garchinger Reaktor in den Fluss

Unter der Kaskade an Kilometer 130,300 wird schwach radioaktives Wasser in die Isar geleitet.

(Foto: FRM/TUM)

Grüne protestieren gegen Einleitung radioaktiven Abwassers.

Von Gudrun Passarge, Garching

Es geht um Abwasser, aber für Ingrid Wundrak geht es um mehr. Die Grünen-Stadträtin, die von Anfang an gegen den Forschungsreaktor München II gekämpft hat, fordert die Stadt Garching auf, vorsorglich Einwendungen gegen die weitere Einleitung schwach radioaktiven Abwassers in die Isar zu erheben. "Radioaktivität gehört nicht in die Isar. Außerdem ist es technisch möglich, es abzufangen. Wenn es ihnen zu teuer wäre, dann müssen sie ihn halt abschalten", sagt Wundrak.

Hintergrund ist der Antrag der Technischen Universität München (TU), auch zukünftig schwach radioaktives Abwasser, konventionelles Abwasser und Kühlwasser bei Kilometer 130,300 in die Isar einleiten zu dürfen. Der Antrag gilt für Abwasser der Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz, wie der Reaktor offiziell heißt, und der Radiochemie der TU. Die bisherige Genehmigung läuft Ende 2019 aus, die neue Regelung soll für die nächsten 30 Jahre gelten. Dabei geht es in Zukunft um geringere Abwassermengen als bisher. Wie Andrea Voit, Pressesprecherin am Reaktor erklärt, liegt das daran, dass zum Beispiel das Atom-Ei und das Zyklotron dauerhaft abgeschaltet wurden und dort auch kein Abwasser mehr anfielen.

Auch technisch sei einiges verbessert worden. So werde etwa durch den Einsatz von Umkehrosmose zur Herstellung von vollentsalztem Wasser beim Forschungsreaktor konventionelles Abwasser erzeugt, das über die Kläranlage entsorgt werden kann.

Ein Gutachter äußert sich zur Jahresdosis

Was die Einleitung für Mensch und Natur bedeutet, dazu gebe es zwei Gutachten, berichtet Voit. In der Berechnung geht der Gutachter davon aus, dass sich ein Mensch 1000 Stunden im Jahr an der Einleitstelle aufhält, dort gezogenes Gemüse und Milch von dort weidenden Kühen konsumiert. Das Ergebnis, laut Voit: Das Abwasser der TU macht einen Anteil von 3,3 Prozent (Forschungsreaktor) und 0,6 Prozent (Radiochemie) der potenziellen Jahresdosis der Person aus. "Gemäß den Gutachten sind weder auf Mensch noch Natur ungünstige Einwirkungen zu erwarten", sagt Voit.

Wundrak ist mit solchen Aussagen nicht einverstanden. "Die Umwelt ist eh schon so belastet mit allen möglichen Giften, da muss nicht die Radioaktivität auch noch dazukommen", sagt sie. Die Unterlagen liegen bis zum 11. Januar 2019 in den Isargemeinden aus, sie sind aber auch online beim Landratsamt München abrufbar. Einwendungen sind noch bis zum 25. Januar möglich.