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Kommunalwahl im Landkreis München:Nicht überall die rote Laterne

Florian Schardt bei Parteitag der SPD im Landkreis München, 2019

SPD-Kreisvorsitzender Florian Schardt schöpft aus den Ergebnissen seiner Partei bei der Kommunalwahl auch Hoffnung. Der Ottobrunner wurde selbst in den Kreistag gewählt.

(Foto: Claus Schunk)

Die SPD freut sich sich über einige Erfolge bei den Stichwahlen. Das gilt in erster Linie für die Nordgemeinden.

Für die Sozialdemokraten sind es keine einfachen Zeiten, im Bund nicht, im Freistaat noch viel weniger und auch im Landkreis München gab es in der jüngeren Vergangenheit wenig Positives zu vermelden. Ein Beispiel: Bei der Europawahl im vergangenen Jahr wählte im Landkreis gerade einmal jeder Zehnte die SPD. Dieser Stichwahlsonntag aber hat gezeigt, dass es durchaus noch Aspekte gibt, mit denen die Genossen beim Wähler punkten können. "Was man sieht, ist - das gilt für ganz Bayern -. dass wir uns überall dort behaupten konnten, wo wir starke Persönlichkeiten vor Ort haben", sagt der SPD-Kreisvorsitzende Florian Schardt.

Das gilt in erster Linie für die Nordkommunen, in denen die SPD traditionell reüssieren kann. In Ismaning konnte sich Amtsinhaber Alexander Greulich bereits im ersten Wahlgang deutlich durchsetzen, in Unterschleißheim und Garching lieferten an diesem Stichwahlsonntag Christoph Böck und Dietmar Gruchmann und hielten für die SPD die Rathäuser. "Aber es ist nicht nur der Norden. Der Sieg von Mindy Konwitschny in Höhenkirchen-Siegertsbrunn war sensationell, er war lange und gut vorbereitet und zeigt, was für uns als Partei immer noch möglich ist", sagt Schardt. "Alle Stichwahlen, die wir gewonnen haben, waren verdient." Positives kann der Ottobrunner auch den Ergebnissen der Kandidaten in Feldkirchen und Baierbrunn, Christian Wilhelm und Uwe Harfich, abgewinnen, die ihre Stichwahlen zwar nicht gewinnen konnten, aber "in kurzer Zeit und mit tollen Teams" in ihren Gemeinden viel aufgebaut, neue Mitglieder geworben und erreicht hätten.

Von einstiger Stärke weit entfernt

Der Kreis-Chef weiß aber auch, dass seine Partei von ihrer einstigen Stärke im Landkreis weit entfernt ist - dafür spricht nicht nur die Niederlage von Rathauschefin Gabriele Müller in der einstigen roten Hochburg Haar. "Dieser Ausgang ist natürlich äußerst bitter und tut richtig weh", sagt Schardt. Auch auf Kreisebene haben die Sozialdemokraten Federn lassen müssen: Im Kreistag ist die Partei nur noch mit neun statt bisher 16 Mandaten vertreten und hinter den Grünen nur noch drittstärkste Kraft. Dennoch hebt Schardt noch einmal einen Vorteil hervor, den die Kreis-SPD gegenüber der aufstrebenden Ökopartei habe: "Wir haben die starken Persönlichkeiten in den Städten und Gemeinden - und die Grünen nicht."

Wer künftig die Arbeit der SPD auf Kreis-Ebene prägen und gestalten soll, lässt Schardt, der dem künftigen Kreistag angehören wird, derzeit noch offen. "Ich gehöre nicht zu denjenigen, die den parteiinternen Gremien vorgreifen, wenn es um das Personelle geht", sagt er. Bisher führt die Aschheimerin Ingrid Lenz-Aktas die Kreistagsfraktion, Annette Ganssmüller-Maluche ist noch stellvertretende Landrätin. Die künftige Rollenverteilung werde parteiintern geklärt, macht der Kreisvorsitzende deutlich.

Beim Neuaufbau der Kreis-SPD, macht Schardt deutlich, dürfe sich die Partei auch nicht darauf ausruhen, starke Rathauschefs zu haben. "Wir müssen junge Leute fordern und fördern und wir haben auch gute, junge Leute in der Partei", sagt der Ottobrunner. Er selbst mache es sich zur Aufgabe, "Talente zu entdecken und in Verantwortung zu bringen", so der künftige Kreisrat.

© SZ vom 31.03.2020/hilb

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