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SPD Garching:Debatte über Gemeinsinn und Genossenschaftsbauten

Neubaugebiet in Hürth

In Garching soll viel gebaut werden.

(Foto: dpa)

Klimaschutz, Integration und günstiges Wohnen: Bei der "Freinacht" der Garchinger SPD geht es um Zusammenhalt.

Von Irmengard Gnau, Garching

Sogar der Ministerpräsident von der CSU hatte sich Zeit genommen, um sich bei der "Freinacht" der Garchinger SPD zu informieren, welche Themen den Bürgerinnen und Bürgern derzeit unter den Nägeln brennen. Zumindest war Markus Söders Konterfei prominent zwischen denen verdienter SPD-Mitglieder platziert, die im Bürgersaal die Kulisse der heuer erstmals als Online-Live-Übertragung stattfindenden Veranstaltung bildeten. Ob es sich dabei um eine unfreiwillige Schirmherrschaft, einen Spionageakt bei der politischen Konkurrenz oder den Scherz eines der Organisatoren handelte, konnte nicht abschließend geklärt werden.

Söder war damit indirekt Zeuge, als sieben engagierte Redner aus der Garchinger Stadtgesellschaft vor zahlreichen Zuschauern an den heimischen Bildschirmen auftraten. Die Referenten waren sich einig: Solidarität ist gefragt in der aktuellen Pandemie - und für eine gute mittelfristige Entwicklung der Kommune.

Anna-Laura Liebenstund, Geschäftsführerin der Nordallianz, und Christian Maier als Leiter der städtischen Geothermiegesellschaft Energiewende Garching (EWG) betonten beide die Solidarität mit künftigen Generationen angesichts sich verändernder klimatischer Bedingungen. Dies verpflichte Bürgerinnen und Bürger wie Kommunen zu einem bewussten Umgang mit Ressourcen. Despina Leonhard, die sich im Integrationsbeirat der Stadt engagiert, verwies auf den Dialog zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten wie auch zwischen den Generationen. Eben diesen will die gebürtige Rumänin mit dem 2017 von ihr ins Leben gerufenen Verein "Open Minded" fördern.

Eine bunte Stadtgesellschaft

Die Garchinger Stadtgesellschaft ist eine der buntesten im Landkreis, in den knapp 19000 Einwohnern sind mehr als 120 verschiedene Nationen vertreten. Unter ihnen sind auch etwa 150 Geflüchtete, die in der örtlichen Unterkunft leben. Der erste große Schritt des Ankommens sei für sie getan, berichtete Katharina Kreppold von der Caritas Asylberatung, doch die Pandemie werfe viele nun zurück. Ein Alltag ohne direkten Kontakt erschwere die Kommunikation für Nicht-Muttersprachler erheblich.

Kreppold warb hier für Verständnis sowie für den gezielten Gebrauch einfacher Sprache. Ein Thema, das alle gleichermaßen betrifft, ist die schwierige Suche nach einer bezahlbaren Bleibe. 22,50 Euro pro Quadratmeter zahle eine ihm bekannte Familie mit zwei Kindern aktuell, berichtete Bastian Dombret. Der FDP-Gemeinderat will dieser Entwicklung ein altbewährtes Konzept entgegensetzen. Er hat mit Mitstreitern die Wohnbaugenossenschaft "Gemeinsam in Garching" gegründet, die in der Kommunikationszone bald ihr erstes Gebäude errichten will. Genossenschaften seien anders als Restriktionen wie Mietpreisbremsen ein gutes Mittel, da sie "das Wohnen vergünstigen ohne die Funktionsweisen der Märkte auf den Kopf zu stellen", so Dombret. Die Kommunen müssten ihnen eben mehr Chancen in Form von mehr Flächen geben. Mit einem bekannten Geschäftsmodell, jedoch betont sozialem Gewissen will die GSW Sigmaringen in Hochbrück Wohnraum schaffen.

Bis zu 600 Wohnungen in einem neuen Quartier

500 bis 600 Wohnungen sowie etwa 120 Einzel- und Mehrfamilienhäuser sollen in den kommenden Jahren im neuen Quartier "Am Schleißheimer Kanal" entstehen, erläuterte Geschäftsführer Roy Lilienthal. Die Besonderheit dabei: Die GSW gehört dem Sozialverband VdK. Bauen, so ist Lilienthal überzeugt, sei das einzige Mittel, um die Preise für Wohnimmobilien zu regulieren. Er kritisierte dabei langatmige administrative Verfahren in Deutschland - in Garching etwa würden es wohl fünf Jahre werden vom Baugrundkauf bis zum ersten Einzug.

Angesichts solch dominierender kommunalpolitischer Themen mahnte Simone Schmidt, die "kleinen Dinge des Alltags" nicht zu vernachlässigen. Aus ihrer Erfahrung als Lehrerin sowie Mutter von drei Kindern plädierte sie eindrücklich dafür, insbesondere Jugendliche mit ihren Bedürfnissen nicht aus dem Blick zu verlieren. Diesen mangele es in Garching an Orten, um sich außerhalb des Elternhauses aufzuhalten oder ohne Vereinsbindung Sport zu treiben. Außerdem fehle den jungen Leuten ein Sprachrohr in die Stadtpolitik; vor zwei Jahren wurde zwar der Anstoß für einen Jugendbeirat gegeben, die Vorbereitungen scheinen jedoch zu stocken. Ein Hallenbad sei ein großer Wunsch, doch auch mit weniger Geld könne die Stadt viel bewirken, etwa mit einer Eislauffläche oder neuem Sand am Garchinger See.

© SZ vom 03.05.2021/belo
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