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Skulpturen für die Haarer:Kunst zum Draufklettern

Altbürgermeister Dworzak hat den vielen Skulpturen am Ort ein Buch gewidmet

Viele kennen in Haar die schiefe, rote Plattform, die über den Rand des Jagdfeldsees ragt, und auf der man im Sommer so entspannt sitzen und über dem Wasser die Beine baumeln lassen kann.

Oder das geschwungene Geflecht aus Stahlbändern, das mitten auf der Wiese vor dem Poststadel in Haars Zentrum steht. Wenn sich der Anlass bietet, klettern dort schon mal Kinder herum, als wäre es ein Klettergerüst. Die beiden Kunstwerke, "Concrete Voyage" von Susanne Pittroff und "Spähre" von Werner Mally, prägen ihr Umfeld. Sie sind heute ein Teil von Haar.

Die Betonskulptur von Stefan Eberstadt mit dem Namen "Space Station" ist wie geschaffen für das Areal am Wieselweg, wo Jugendliche unter sich sind. Aber es lohnt sich auch, sie genauer anzusehen.

(Foto: Helmut Dworzak)

Altbürgermeister Helmut Dworzak und Rathaus-Mitarbeiterin Ute Dechent haben ein Buch herausgebracht, in dem sie den reichen Fundus an Kunst im öffentlichen Raum in der Gemeinde dokumentieren. Es sind bekannte, nicht zu übersehende Werke darunter, aber auch viele, an denen Menschen achtlos vorüberlaufen oder die sogar fast schon vergessen sind. Das Buch ist ein Appell, wieder genauer hinzuschauen. Es ist eine Hommage an eine Kunst, die Orten Identität stiftet und den Menschen erhebt. "Kunst am Bau, die Gestaltung öffentlicher Räume mit Kunst, sind letztlich Ausdruck einer demokratischen Gesellschaft", sagt Dworzak. Dabei darf sie alltagstauglich sein. Darauf zu sitzen, darauf herumzuklettern - das kann dann durchaus passen.

Das Kunstwerk "Sphäre".

(Foto: Helmut Dworzak)

22 Jahre hat Dworzak an vorderster Stelle im Rathaus in diesem Sinn die Kunst im öffentlichen Raum gefördert. Viele Werke entstanden in der Zeit, wie etwa das 1999 von Fritz Brosig entworfene "Windspiel" an der Konrad-Mittelschule oder der im selben Jahr entstandene von allen Seiten durchbrochene Beton-Quader von Stefan Eberstadt. Die Skulptur steht auf dem Freizeitgelände am Wieselweg. Auch dieses Kunstwerk wird von Kindern bespielt - und ist doch mehr als ein Spielgerät. Eberstadt hat einen kubischen Betonkörper geschaffen, der vertikal und horizontal von allen Seiten Einblicke gewährt, ohne dass sich dessen Struktur entschlüsseln ließe. Die rote Plattform am Jagdfeldsee will tatsächlich als Rampe verstanden werden, als Ort, an dem man abheben kann. Und sollte jemand, der die rote Fläche - übrigens in der Größe eines durchschnittlichen Apartments im Jagdfeld - sieht, die Assoziation zu einem fliegenden Teppich haben, so käme das nicht zufällig.

Der schöpferische Denkprozess

So hat sich das die Künstlerin Susanne Pittroff gedacht, wie der Leser des Buchs erfährt. Ebenso wie er lernt, dass die geschwungene Stahlskulptur vor dem Poststadel den schöpferischen Denkprozess symbolisiert. Kommentare von Künstlern wie Werner Mally ergänzen im Buch Texte, die Dworzak und Dechent mit Unterstützung erfahrener Kunsthistoriker verfasst haben.

Ute Dechent, Helmut Dworzak und Gabriele Müller (von links) mit dem Buch über die Skulpturen in Haar.

(Foto: Claus Schunk)

Die Helfer im Hintergrund waren Stefan Graupner und Erika Wäcker-Babnik, die im Übrigen den Anstoß für das Buchprojekt gaben. Sie waren 2009 als Kuratoren am Kunstwettbewerb für die Gestaltung am Jagdfeldsee beteiligt. Nach einem Spaziergang durch Haar, so erzählt es Dechent, hätten sie sich beeindruckt gezeigt von der Fülle an Kunstwerken und dazu geraten, diese in einem Buch zu präsentieren. Es dauerte noch einige Zeit. Vergangenes Jahr legten Dworzak und seine "Schwester im Geiste", wie er Dechent bei de Buchpräsentation im Rathaus nannte, los. Dworzak steuerte vor allem die Fotografien bei. Jeweils ein Detail und eine Aufnahme in der Totale beschreiben ein Kunstwerk.

Es solle - trotz allen Anspruchs - ein Bilderbuch sein, sagte Dechent. Ein Buch, das zu einem Spaziergang mit wachem Auge durch Haar animiere. Und es ist ein Buch, das gezwungenermaßen unvollständig sein wird. Denn die Tradition, Kunst im öffentlichen Raum zu fördern, setzt Dworzaks Nachfolgerin und SPD-Parteifreundin Gabriele Müller fort. Nächste Projekte sind die Bahnsteigunterführung und der Neubau an der Jagdfeldschule.

Das Buch zeigt auch Kunstwerke aus früheren Zeiten und strebt Vollständigkeit an. Auch werden öffentliche Brunnen und Kirchen präsentiert. Eine Karte hilft bei der Orientierung. Das Buch ist nach den Ferien im Rathaus für 25 Euro zu bekommen. Bis dahin stellt das Rathaus ergänzend Broschüren online, die zur Geschichte der Kirchen vorliegen.