Bayerische Tradition "Raufbolde wollen wir nicht dabei haben"

Seit 1886 gibt es den Schäfflertanz in Aschheim, das Foto zeigt Tänzer im Jahr 1928.

(Foto: Privat)

Bis zu 20 Tänze pro Tag, und mitmachen dürfen nur ledige Männer, die durch gutes Benehmen auffallen: Die Schäffler in Aschheim nehmen ihre alte Tradition sehr ernst.

Interview von Kaja Weber, Aschheim

Dieses Jahr hat der Vorstand der Aschheimer Schäfflerzunft eine neue Gruppe lediger Männer zwischen 18 und 25 Jahren ausgewählt, um den traditionellen Tanz im Ort aufzuführen - Schäffler wird man auf Einladung, getanzt wird alle sieben Jahre. Neben Aschheim treten die Männer auch in Ebersberg, Unterhaching oder Zorneding auf. Von Oktober an wird der aktuelle Jahrgang im Pfarrheim die Choreografie einstudieren, der 22-jährige Pferdewirt Maximilian Weiß ist einer von ihnen. Günter Sassmann, Gemeinderat der Freien Wähler, war 1998 das erste Mal als Kasperl dabei, später als Reifenschwinger. Inzwischen ist er im Vorstand tätig.

SZ: Aufgrund welcher Kriterien werden die neuen Schäffler ausgewählt?

Günter Sassmann: Hauptkriterium ist der Stammbaum. Wir schauen ganz genau: Wo hat der Vater schon mitgetanzt, wo hat der Opa schon mitgetanzt? Ein weiteres Kriterium ist, wie sich der junge Mann in der Ortschaft engagiert. Er sollte ein tadelloses Auftreten in der Ortschaft bis dato gehabt haben, Raufbolde wollen wir nicht dabei haben.

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Könnte also beispielsweise auch ein junger Mann, der vor ein paar Jahren nach Aschheim gezogen ist und sich seitdem stark im Gemeindeleben engagiert hat, Schäffler werden, auch wenn keines seiner Familienmitglieder zuvor bei den Schäfflern aktiv war? Gab es schon einen solchen Fall?

Sassmann: Ja, das geht, kommt auch immer wieder vor. Anzumerken ist, dass es keine leichte Aufgabe ist, aus über hundert Burschen die Auswahl zu treffen. Wir sind dankbar, uns an die Regeln der Tradition halten zu können. Wenn die Tanzgruppe steht, ist das aber alles kein Thema mehr.

Finden Sie es noch zeitgemäß, dass nur ledige, unverheiratete Männer bei Ihnen mitmachen können?

Sassmann: Ja, klar. Jede Tradition ist so viel wert, wie man an den Werten auch festhält.

In welcher Generation sind Sie dabei, Herr Weiß?

Maximilian Weiß: Ich bin der Vierte in der engeren Familie nach Opa, Vater und Bruder. Es schweift aber aus in der Verwandtschaft, wir sind auch mit der Familie Haller vom "Schäfflerwirt" verwandt. An einer Hand kann man die Vorfahren also nicht abzählen.

Günter Sassmann war schon als Kasperl und Reifenträger mit dabei, nun arbeitet er im Vorstand mit.

(Foto: Claus Schunk)

Hat es für junge Menschen ein besonderes Ansehen, Schäffler zu sein?

Weiß: Man hat schon seit der letzten Schäfflerzeit darüber geredet, dass man hofft, dann auch die Einladung zu kriegen. Gerade ich habe das schon seit 2012 miterlebt, weil ich vorher bei der Blasmusik dabei war, die die Schäffler begleitet. Ich glaube, für einen jungen Aschheimer, der für Aschheim und die Traditionen lebt, gibt es nichts Schöneres, als wenn die Einladung dann da ist. Wenn die Schäffler unterwegs sind, fiebert die ganze Ortschaft mit. Bei den Tänzen stehen Hunderte von Leuten außen rum. Das glaube ich kann man genießen, wenn man da als junger Mensch mitten in der Gruppe steht.

Aschheim und Dornach waren früher getrennte Orte, die Schäffler kamen nur aus Aschheim. Sind inzwischen auch Männer aus Dornach dabei?

Sassmann: Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, die Tradition so fortzuführen, dass nur Aschheimer mitmachen können. Auch wenn es uns sehr leid tut, die Dornacher Burschen sind alles pfundige Kerle und Aschheim und Dornach sind über andere Traditionen wie den Burschenverein wunderbar in der Vergangenheit zusammengewachsen. Aber für den Schäfflertanz wollen wir das im aktuellen Vorstand nicht ändern.