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Pfistermühle:In der Hitze der Hummerküche

Hier trifft heimisches Geflügel, Wild oder Rind auf Hummer aus Kanada: Das Restaurant Pfistermühle vereint bayerische Tradition mit internationalen Einsprengseln.

Die Pfistermühle ist eines der letzten erhaltenen baulichen Zeugnisse in der Münchner Altstadt aus jenen Zeiten, als Bayern noch vom Alten Hof aus regiert wurde. Die Mühle war Teil der Hofpfisterei, die den benachbarten Hof mit Backwaren versorgte. Ältere Münchner können sich noch an das offene Stück Stadtbach am Ende der Sparkassenstraße und an das dort verbliebene Mühlrad erinnern.

Das Restaurant Pfistermühle vereint bayerische Tradition mit internationalen Einsprengseln.

Beim Bau des S-Bahn-Tunnels wurde der Bach trockengelegt - und heute gehört der Renaissance-Bau der Pfistermühle zum Platzl-Hotel, also zu jenem Großkomplex, den die Familie Inselkammer - ihr gehören auch die Brauerei und der Gasthof in Aying - in den historisch wertvollen Block zwischen Platzl und Sparkassenstraße hineingesetzt hat.

Die beiden schönen Erdgeschossräume der Pfistermühle kann man durchaus als Sehenswürdigkeiten genießen. Allerdings staut sich, wenn das Restaurant gut besucht ist, die Hitze so unter den tief heruntergezogenen Gewölben, dass ein mehrgängiges Menü recht anstrengend werden kann. In der Küche versucht man bayerischen Traditionen auf gehobenem Niveau und mit hotelüblichen internationalen Einsprengseln gerecht zu werden: So treffen auf den Speisekarten Fisch, Geflügel, Wild, Lamm, Milchkalb oder Weiderind aus dem bayerischen Umland auf Hummer aus Kanada.

Wobei Hummer zu den Favoriten der Küche gehören dürfte, denn er taucht bei den Suppen wie bei den Vor- und Hauptspeisen auf. Ob freilich der kleine Teller mit schmackhaftem Gemüse-Kräuter-Eintopf, in dem zwei winzige Stückchen Hummer untergingen, 13,50 Euro wert war, darf bezweifelt werden. Die Vorspeise mit den saftig-festen Hummer-Medaillons auf Ananas-Zuckerschoten-Salat zu 20,50 Euro wirkte daneben geradezu preiswert; zumal der Koch seine Neigung zu süßen Beilagen und Zutaten hier gut dosiert hatte: Die Ananas-Fruchtsüße mischte sich dezent in den Salat und wurde durch rosa Pfeffer schön kontrapunktiert.

Bei der naturhaft schmeckenden Petersilienwurzel-Suppe mit "Pflanzerl" aus Rehfleisch aber hätten wir auf den nivellierenden süßen Preiselbeer-Klacks gerne verzichtet. Bleiben wir beim Wild, dem jetzt im Winter eine ganze Sonderseite der Karte gewidmet ist: Um dem Speisentypus "Pfeffer" - so nennt man in den Alpenländern herzhaft gewürztes Ragout von Wildfleisch - gerecht zu werden, waren die als "Pfeffer" angebotenen Stücke vom Frischling viel zu trocken und zu fasrig; auch fehlte die pfeffrig-pikante Note: Selbst die guten hausgemachten Nudelfleckerl konnten das Gericht nicht retten.

Und da wir nun schon beim Tadeln sind: Wenn ein Restaurant von einigem Anspruch über Wochen hinweg immer nur die gleichen Gerichte anbietet, also auf aktuelle Tagesangebote ganz verzichtet, stuft es sich selber auf ein Niveau herunter, das deutlich unter dem Durchschnitt seiner Stammgerichte liegt.